Schmuckband Kreuzgang

Der neue Dekan Peter Kern zeigt politisch klare Kante

Dekan Peter Kern im Interview mit André Heuwinkel von der Lampertheimer Zeitun

Dekan Peter Kern (c) Bistum Mainz
Dekan Peter Kern
Di 22. Mai 2018
André Heuwinkel

Im Interview spricht Pfr. Peter Kern kurz vor seiner Ernennung zum Dekan des Dekanats Bergstraße-West über seinen Werdegang durch den zweiten Bildungsweg, seine Ziele und warum ihm manche politische Äußerung aus Bayern zur Asylpolitik wehtut.

Herr Pfarrer Kern, Sie selbst kamen erst über den zweiten Bildungsweg zur Kirche. War dieser Schritt für Sie nicht sehr riskant? Immerhin hatten Sie bereits einen Beruf erlernt.

Zunächst einmal, zur katholischen Kirche gehöre ich schon immer. Als der lang gehegte Wunsch immer stärker wurde, in dieser Institution Priester sein zu wollen, musste ich überlegen, wie es mit mir weiter geht. Es blieb mir dann nichts anderes übrig als meinen erlernten Beruf aufzugeben und einen neuen Weg zu gehen, zunächst das Abitur zu machen und dann Theologie zu studieren. Zusammen mit der zweijährigen Pastoralausbildung hat dieser Weg elf Jahre gedauert. Hart wäre es gewesen, wenn ich in den Jahren des Studiums bis kurz vor der Diakonenweihe gemerkt hätte, dass das Priestertum doch nichts für mich ist oder von den Verantwortlichen festgestellt worden wäre, dass ich für den Priesterberuf nicht geeignet bin. Dann hätte ich als 37-Jähriger schauen müssen, wie es mit mir weiter geht. Aber all das, was ich in Schule und Studium gelernt, in der Begegnung mit Menschen auf diesem Weg, erfahren habe, die mich begleitet und ermutigt haben, diesen Weg zu gehen, wog die Ängste auf, die zwischendurch natürlich auch einmal hochkamen.

Was war für Sie die größte Herausforderung auf Ihrem Weg, Priester zu werden?

Mit dem Studium der Theologie an der Universität in Mainz, mit einer zweisemestrigen Unterbrechung an der Universität in Bonn, wurde ich zum Theologen ausgebildet. Begleitend zu diesem Studium lebt man zusammen mit anderen Männern, die Priester werden wollen, im Priesterseminar. Im gemeinsamen Gebet, in Vorträgen, im Einüben in die priesterliche Spiritualität, im Gespräch mit dem geistlichen Begleiter, in verschiedenen Praktika außerhalb des Seminars hat ein Priesteramtskandidat Gelegenheit zu überprüfen, ob er zum Priester berufen ist. Wenn der Kandidat zu der Überzeugung kommt , dass es so ist und die Verantwortlichen dem auch zustimmen, steht am Ende die Priesterweihe. Das Weihesakrament ist eines der sieben Sakramente der Kirche. Die größte Herausforderung dabei ist, dass ich mir klar werde, dass ich keinem Hirngespinst nachlaufe, sondern, das, was ich spüre, wirklich die Berufung zum Priester ist. So ein Kriterium für die Berufung zum Priester ist die Frage, ob ich den Zölibat leben kann.

Nun werden Sie am 17. Mai zum Dekan ernannt. Sind Sie schon aufgeregt?

Zur Aufregung gibt es nicht wirklich Grund, ich freue mich vielmehr über das Vertrauen, das mir mit der Wahl zum Dekan entgegengebracht wurde. Und ich bin mir der Verantwortung bewusst, die ich mit diesem Amt übernehme.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Amtsführung für das Dekanat Bergstraße-West definieren?

Ich würde in den kommenden Jahren unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerne das Bewusstsein für eine engere Zusammenarbeit der Pfarreien im Dekanat schärfen. Vor allem unter uns Pfarrern gibt es da einen großen Nachholbedarf. Das Interesse am Dekanat wird bisher vor allem von der Berufsgruppe der Gemeindereferenten und -referentinnen und von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den kategorialen Diensten getragen. Im Blick auf die Herausforderungen, die auf uns zukommen, müssen wir unsere Kräfte bündeln. Unser neuer Bischof Peter Kohlgraf hat gerade einen Bistumsprozess initiiert, der hoffentlich eine unbedingt notwendige Entlastung in der Verwaltung mit sich bringt, der aber auch die pastoralen Räume verändern, das heißt, vergrößern wird. Mit einer eher kleiner werdenden Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden wir das bewältigen müssen. Da ist es sicher gut, zu schauen, auf welchen pastoralen Feldern wir im Dekanat mehr zusammenarbeiten können. Und es muss uns gelingen, den Menschen in den Gemeinden Ängste vor den Veränderungen zu nehmen und sie auf diesem Weg mitzunehmen.

Zählen Sie sich selbst eher zum liberalen oder konservativen Kreis der Katholischen Kirche?

Ich mag die Einteilung in diese beiden Kategorien nicht sonderlich, sie werden ja fast als Schimpfworte in den jeweiligen Kreisen der Kirche einander zugedacht. Auch als sogenannter „Liberaler" als der ich sicherlich von vielen Menschen wahrgenommen werde, ist mir wichtig, in den wesentlichen Dingen unseres Glaubens ein Bewahrer, also ein Konservativer zu sein. Tradition ist unabdingbar für die Kirche und den Glauben, aber sie muss in die jeweilige Zeit hineingedeutet werden, ohne das Wesentliche aufzugeben. Da tun sich konservative Kreise unserer Kirche manchmal schwer und kommen in ihrem Beharren lieblos rüber und nicht mehr an die Menschen ran. In vielen Fragen, etwa was Themen wie Ehe, Ehescheidung und Wiederverheiratung angeht, die damit verbundene Frage des Kommunionempfangs, der in einer weiteren Thematik auch in der nächsten Frage eine Rolle spielt, gehöre ich sicher eher in den liberalen Kreis der katholischen Kirche. Mir mangelt es mir bei den sogenannten Konservativen im Umgang mit den Menschen in schwierigen Situationen besonders an Barmherzigkeit.

Beim Deutschen Katholikentag in Münster stand die Kommunion als Streitthema im Mittelpunkt. Einige Bischöfe lehnen es ab, dass Nicht-Katholiken mit katholischem Ehepartner an der Kommunion teilnehmen dürfen. Welche Meinung haben Sie?

Leider, muss man sagen, hat dieser Kommunionstreit das wirklich interessante Thema des Katholikentages „Suche Frieden" überlagert. Mit der Art der Auseinandersetzung sind es einige Bischöfe, die in Bezug auf dieses Thema nicht den Frieden suchen und ein schlechtes christliches Zeugnis geben. Die Menschen verstehen das nicht und wir machen uns als Kirche unglaubwürdig. Unnötigerweise wurde ein Streit inszeniert, bei dem wir Gefahr laufen, wieder viele Menschen zu verlieren. Wenn diese Bischöfe nicht jeglichen Bezug zur Basis verloren hätten, wüssten sie, wie das im Alltag einer Pfarrgemeinde läuft. Wer mit seinem Partner oder der Partnerin als evangelischer Christ die Heilige Messe besucht, worüber wir ja froh sein müssten - so viele Gottesdienstbesucher haben wir ja nicht mehr - wird ganz oft auch die Kommunion empfangen. Ich unterstelle, dass diejenigen die das tun, es reflektiert tun, eine Sehnsucht danach haben und daran glauben, dass sie etwas für Ihr Leben elementar Wichtiges empfangen. Warum sollte ich diesen Menschen das verweigern? Unser Bischof Peter Kohlgraf hat in diesen Tagen in einem Interview eine sehr schöne Aussage zu diesem Thema gemacht, die ich hier zitieren möchte: „Denken wir eigentlich, wir müssten den lieben Gott beschützen, indem wir bestimmen, wer zur Kommunion gehen darf und wer nicht?"

Sie sind bekannt für Ihre klaren politischen Positionen, Stichwort Kirchenasyl oder Ihren Einsatz für Geflüchtete. Aktuell hat ein Ex-Minister, dessen Partei das „C" im Namen führt, gegen eine „Anti-Abschiebe-Industrie" gewettert. Wie kommt das bei Ihnen an?

Es tut mir weh, wenn ich so etwas von einem Politiker höre, und es ist besonders schmerzlich, wenn es aus dem Mund eines Politikers kommt, dessen Partei das „C" im Namen trägt, die ja für sich beansprucht, unsere christlichen Werte zu vertreten. Wir leben in einem Rechtsstaat, der jedem und jeder das Recht gibt, um sein Recht zu kämpfen. In diesem Zusammenhang dann von einer „Anti-Abschiebe-Industrie" zu sprechen, halte ich für einen Skandal. Das gute Recht von Menschen wird mit Füßen getreten. Es geht bei diesem unrühmlichen Getöse um Stimmen vom rechten Rand der Wählerschaft. Dafür werden die christlichen Werte geopfert, die man wie einen Schild vor sich her trägt. Der Mensch und sein Schicksal sind dabei völlig nebensächlich. Wer redet und handelt, wie das einige CSU-Politiker tun, kann nicht sagen, das Kreuz gehört „zu unserer Identität". Das ist pure Scheinheiligkeit.

Ihre Gemeinde ist in jüngerer Vergangenheit selbst Schauplatz politischer Parolen geworden, wir erinnern an die Aufkleber der „Identitären Bewegung". Sind das „Begleiterscheinungen", die wohl nicht ausbleiben, wenn man Partei ergreift?

Als Christen sind wir aufgefordert, Partei zu ergreifen für die Ärmsten der Armen, wozu ich die Flüchtlinge zähle, egal ob sie sich vor Krieg und Verfolgung oder wirtschaftlichen Gründen auf den Weg gemacht haben, um Gefahren oder Not zu entkommen. Im Zusammenhang mit den Aufklebern auf unseren Schaukästen und Fahnenstangen habe ich zum ersten Mal von der „Identitären Bewegung" gehört. Inzwischen weiß ich, sie gehören zum äußersten rechten Rand. Wer eine gesunde Identität entwickelt hat, also weiß, wer er ist und in sich ruht, der braucht nicht durch die Lande zu ziehen und mit dummen Sprüchen an Schaukästen Ängste zu schüren. Mit solchen Aktionen entlarvt sich eine Gruppierung selbst. Deshalb wird sich mein Verhalten gegenüber den Menschen in Not nicht verändern.

Das Gespräch führte André Heuwinkel.

Lampertheimer Zeitung