Schmuckband Kreuzgang

Laurenziwallfahrt zum Laurenziberg bei Gau-Algesheim

Jeweils an dem Sonntag, der dem Gedenktag des hl. Laurentius, dem 10. August am nächsten liegt, zieht um 7.45 Uhr von der Gau-Algesheimer Pfarrkirche St. Cosmas und Damian die Prozession zur St. Laurenzikirche auf den Laurenziberg. Hierbei wird die aus dem Jahr 1763 stammende barocke Laurentiusfigur, geschmückt mit Blumen und frühen Trauben von jungen Frauen und Männern des jeweiligen Kerbejahrgangs und die historische Laurentiusfahne von 1863 mit getragen. Auf ihrem Weg von der Pfarrkirche zum Berg schließen sich der Prozession viele Gläubige an, die betend und singend von der Kath. Kirchenmusik begleitet, nach etwa 1¼ Stunden die ca. 3 km entfernte St. Laurenzikirche auf dem Berg erreichen. Nach Ankunft der Prozession werden die Pferde gesegnet, bevor das Festamt bei gutem Wetter im Freien vor der Kirche gefeiert wird. Den Abschluss am frühen Nachmittag bildet die feierliche Vesper. Die Wallfahrt hat ihren Ursprung in der Jahrhunderte alten Verbindung zur ehemaligen Mutterpfarrei auf dem Laurenziberg und der Verehrung des hl. Laurentius als ein besonderer Schutzpatron des Laurenziberges und seiner Umgebung. Er wurde mit dem hl. Rochus und dem hl. Sebastian als einer der drei „Pestheiligen“ angerufen, nachdem 1666 weit über die Hälfte der Menschen in Gau-Algesheim und den umliegen-den Dörfern der Pest zum Opfer gefallen waren.

Die heutige St. Laurenzikirche wurde in den Jahren 1707 bis 1717 auf den Grundmauern der im 30jährigen Krieg zerstörten, ehemaligen merowingischen Zentralkirche erbaut. Eröffnet wird die „Wallfahrtssaison“ alljährlich mit einem Festamt am 1. Mai, dem „Fest Josef der Arbeiter“.

Am Laurenzifest kommen gern Gastprediger zur festlichen Eucharistiefeier, das sie gemeinsam mit Missionsbenediktinern vom benachbarten Kloster Jakobsberg und dem Gau-Algesheimer Pfarrer in Konzelebration feiern. Im Anschluss an das Festamt bewirten die Gau-Algesheimer Frauengemeinschaft und die Freiwillige Feuerwehr Appenheim die Wallfahrer. Die Binger Malteser übernehmen den Sanitätsdienst. In die Festwoche fällt das Hochfest Maria Himmelfahrt. Auch an diesem Tag feiert die Pfarrgemeinde St. Cosmas und Damian das Festamt mit Kräuterweihe in der St. Laurenzikirche. Fällt dieser Feiertag allerdings auf einen Sonntag oder den vorangehenden Samstag, wird die Eucharistiefeier mit der Kräuterweihe in der Pfarrkirche gehalten.

In der St. Laurenzikirche ist seit 1986 eine viel beachtete Gedenkstätte der Verfolgungszeit 1933-1945 für die Märtyrer in der Diözese Mainz eingerichtet.

Manfred Wantzen

Der hl. Laurentius – ein Vorbild im Glauben

Gau-Algesheim (rar). Einer langen Tradition folgend zogen am Sonntag nach dem St. Laurentiustag Hunderte Pilger von der Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in Begleitung der Katholischen Kirchenmusik singend und betend hinauf zur Kirche des Heiligen in Bergen, welche ehemals Pfarrkirche war.

Flotten Schrittes erreichten die Wallfahrer bei angenehmen Temperaturen den Berg. Die Glocken der Kirche läuteten zu ihrem Empfang feierlich. Mitglieder des diesjährigen Kerbejahrgangs trugen die Laurentiusfigur aus dem Jahre 1763 in der Prozession zur Wallfahrtskirche. Fleißige Hände und viele ehrenamtliche Mitarbeiter/innen hatten bereits Bänke aufgestellt, den Außenaltar festlich geschmückt, die Mikrofonanlage installiert und sich für den Durst und Hunger der Pilger bestens gerüstet.

Von der steinernen Kanzel an der südwestlichen Ecke der Kirche herab segneten Pfarrer Henning Priesel und Regens Dr. Tonke Dennebaum die friedlich grasenden Pferde und alle Tiere, die auch auf den Berg gepilgert waren. Festprediger und Hauptzelebrant Dr. Dennebaum, assistiert von Pfarrer Henning Priesel, Pater Franziskus und Pater Rochus vom benachbarten Jakobsberg und Diakon Stefan Faust, der auch die Prozession anführte, zelebrierten gemeinsam die Eucharistiefeier.

In seiner Predigt stellte Regens Dennebaum eingangs die Frage, warum bis heute noch ein Heiliger verehrt wird, der vor so langer Zeit gelebt und grausam zu Tode gebracht wurde. „Da ist zum einem sein Lebenszeugnis für Christus, und da ist zum anderen, dass wir selbst diese besonderen Augenblicke des Glaubens brauchen, die gemeinschaftliche Erfahrung der Wallfahrt.“ Der Hl. Laurentius war als Diakon des Papstes für die Finanzen und für die Sorge der Armen und Kranken zuständig. Auf die Frage nach dem Schatz der Kirche soll er gesagt haben: Nicht das Geld, sondern die Armen sind der Schatz der Kirche. Daran anknüpfend wandte sich der Prediger an die Pilger mit den Worten: „Diesen Armen sich zuzuwenden, das ist der Auftrag Jesu an seine Jünger. Eine Kirche, die Jesus und sein Evangelium erst nimmt, die das Zeugnis des Laurentius ernst nimmt, muss eine diakonische Kirche sein, eine dienende Kirche.“ Am Rande erwähnte er noch, dass er im Rahmen der großen Romwallfahrt der Ministranten mit den Messdienern aus unserem Bistum auch die Basilika San Lorenzo besucht hat, die Kaiser Konstantin schon wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Hl. Laurentius direkt über seinem Grab errichten ließ.

An den Schlusssegen mit dem Laurentiusreliquiar von 1739 schloss sich das Fest der Begegnung an. Viele Spender und tatkräftige ehrenamtlich tätige Männer und Frauen gaben sich alle Mühe, die Pilger mit kühlen Getränken, leckeren Kuchen, belegten Brötchen und knusprigen Rostbratwürsten zu versorgen.

Mechthilde Hassemer, die Vorsitzende des Ortsausschusses des Pfarrgemeinderates, dankte allen, die sich bei der Vorbereitung, Organisation und Durchführung der diesjährigen Wallfahrt wieder vorbildlich, pflichtbewusst und uneigennützig zum Wohle und zur Sicherheit aller Wallfahrer zur Verfügung gestellt haben. Mit der Vesper um 13.00 Uhr in der Laurenzikirche endete die Wallfahrt 2018.