Schmuckband Kreuzgang

Wallfahrten Jakobsberg

Begründung der Wallfahrt

Im Jahr 1720 errichtete Pfarrer Blasius Caesar (seit 1716 Pfarrverwalter) auf dem „Ockenheimer Berg“ eine 14-Nothelfer-Kapelle, die Zielpunkt eines Stationenwegs der „Sieben Schmerzen Mariens“ ist. Zu solchen hat er die ursprünglich vorhandenen Bildstöcke der „Sieben Fußfälle Christi“ (barocke Vorform des Kreuzwegs) umgestaltet. Möglicherweise hat er eine bestehende Wallfahrt zur „Schmerzhaften Gottesmutter“ in Ockenheim, die ja die „allermächtigste Nothelferin“ ist, umgewidmet, weil dort die Pfarrkirche neu errichtet wurde. Die barocke Frömmigkeitsform der Nothelferverehrung brachte er wohl aus seiner Heimat mit, dem Eichsfeld in Thüringen. Statt der großen, langen Bußwallfahrten einzelner wurden nun regionale Bittwallfahrten von Pilgergruppen mit Prozessionen und sinnenfroher Gestaltung üblich. (Etwas später entstand auch in Gonsenheim eine 14-Nothelfer-Wallfahrt.)

Im Lauf der Geschichte wurde natürlich mal der eine oder die andere der 14 Nothelfer mehr hervorgehoben, aber die Hauptwallfahrt wurde immer am Fest des heiligen Christophorus begangen. Da vor der Liturgiereform das Fest des hl. Christophorus und des Apostels Jakobus d. Ä. am gleichen Tag (24. Juli) gefeiert wurde und die Apostelfeste Feiertage waren, an denen etwa Wallfahrten unternommen werden konnten, erhielt der Wallfahrtsort, das Ziel, wohl ab 1830 den Namen „Jakobsberg“. Die heutige Ausprägung entstand im wesentlichen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Neubau der Nothelferkapelle.

Die Betreuung der Wallfahrt hatten einzelne „Kapellenbrüder“ unter der Aufsicht des Ockenheimer Pfarrers und der Kurmainzischen Eremitenkongregation (bis 1788) bis dann 1921 Ordensleute, zuerst Trappisten, später Jesuiten und seit 1960 schließlich Missionsbenediktiner, diese Aufgabe übernahmen. Mit den Ordensleuten kam auch die Herz-Jesu-Verehrung zur Wallfahrt hinzu.

Beschreibung

Die Gruppierung von Heiligen wurde im 14. Jahrhundert aus dem Osten übernommen. So gehören zu den vierzehn Nothelfern (2x7) drei Bischöfe (Dionysius, Erasmus, Blasius), drei Soldaten (Georg, Achatius, Eustachius), drei Jungfrauen (Barbara, Margareta, Katharina), drei Jugendliche (Vitus, Cyriacus, Pantaleon) und Christophorus sowie der einzige Nichtmärtyrer Aegidius.
Christophorus (24. Juli) [„Christus-Träger“] stammte wohl aus Kanaan und wurde um 250 unter Kaiser Decius durch das Schwert hingerichtet. (Er gilt als Bewahrer der Lebenskraft, ist Patron aller Reisenden und von Schwangeren.) Dargestellt ist er meist als Riese, ein Christkind auf einer Schulter tragend, mit einem grünenden starken Ast durchs Wasser schreitend. Er führt die Nothelferschar meistens an oder steht in ihrer Mitte. Die Legende schildert ihn als hundsköpfigen Riesen, der sich aufmachte, um allein dem mächtigsten Herrscher zu dienen. Zuerst diente er einem König, dann dem Satan und schließlich leistete er Fährdienste an einem reißenden Fluß. Als er einmal ein Kind über-setzen sollte, ging er fast unter, doch dann gab sich das Kind als wahrer Weltenherrscher zu erkennen, taufte ihn und er erhielt den Namen Christophorus und ein Menschengesicht.
Margareta (20. Juli), orientalisch Marina [„Perle“] gerufen, war in Pisidien, Südwestanatolien, beheimatet und Tochter eines Götzenpriesters, der sie verstieß, als er erfuhr, daß sie durch die Amme Christin geworden war. Sie arbeitete dann als Hirtin, (weshalb die Bauern sie als „Wetterfrau“ verehren). Beim Statthalter Olibrius zur Zeit Diokletians angezeigt, begehrte sie dieser zur Frau. Weil sie ihn abwies und zu ihrem Glauben stand, wurde sie gefoltert, gegeißelt und unter glühenden Eisen- und Holzstücken „begraben“. Doch alle Wunden verheilten wieder und sie zähmte im Gefängnis den Drachen durch ein Kreuzzeichen. Nachdem das Faß zersprang, in das eingeschlossen sie ertränkt werden sollte, wurde sie 307 enthauptet.

Dionysius (9. Oktober) [„der dem (Wein-)Gott Dionysos Geweihte“] soll um 225 mit seinem Gefährten Trophinus, dem Bischof von Arles, im Auftrag Papst Fabianus‘ im Norden Galliens missioniert haben. Nach der Umwidmung eines Druiden-Heiligtums in eine Muttergotteskapelle im Ort Antricium, Chartres, gründete er in Paris eine Christengemeinde und baute auf der Seine-Insel eine Kirche. Im Jahr 285 wurde er zusammen mit seinen Gefährten Rustikus und Eleutherius auf dem Montmartre [„Märtyrerhügel“] enthauptet. Dann habe er seinen Kopf in seinen Händen zu der Stelle getragen, wo er begraben sein wollte, erzählt die Legende. Der Märtyrer Dionysius wird meist mit Dionysius von Athen, einem Mitglied des Areopags und Schüler des Apostels Paulus, in Zusammenhang gebracht. So soll letzterer von Papst Clemens nach Frankreich geschickt worden sein und dort um 90 n. Chr. das Martyrium erlitten haben.

Die Herz-Jesu-Verehrung wurzelt in der Christusmystik, entstand im Spätmittelalter in Frankreich im Anschluß an die Eucharistieverehrung und verbreitete sich dann in ganz Europa. Sie erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt. So weihte Bischof W. Emmanuel v. Ketteler im Jahr 1873 die Diözese Mainz dem Heiligsten Herzen Jesu.
Auch die 1884 gegründete Ordensgemeinschaft der Missionsbenediktiner von St. Ottilien wurde dem „Patronat“ des Heiligsten Herzens Jesu unterstellt.

1929 wurde dann eine Statue als Herz-Jesu-Denkmal eingeweiht, die 300 Meter von der Wallfahrtskapelle Richtung Osten entfernt steht und als Vorläuferin eines großen Herz-Jesu-Monumentes geplant war. (Das Herz-Jesu-Fest will das Geheimnis des Karfreitags als eigenes Fest im Kirchenjahr feiern und die erbarmende und unermeßliche Liebe Gottes zu den Menschen im durchbohrten Herzen des gekreuzigten Sohnes Gottes offenbaren.)

Wallfahrtstermine und Wallfahrtsinhalte

Vierzehn-Nothelfer- und Christophorus-Wallfahrt am 4. Sonntag im Juli

mit Prozession von Ockenheim auf den Jakobsberg und Hochamt dort um 9.30 Uhr mit Fahrzeugsegnung am Ende des Gottesdienstes.
Bei dieser Wallfahrt wird der Beistand aller 14 Nothelfer in den Sorgen, Nöten und Anliegen des Alltags erbeten und auch die Hilfe der einzelnen Nothelfer in den verschiedenen Krankheiten und Gebrechen. Dennoch wird Christophorus als Schutzpatron der Reisenden und Schwangeren hervorgehoben, der vor Unfällen und Verkehrstod bewahren soll.

Margareten-Wallfahrt am 2. Sonntag im Juli

mit Hochamt um 9.30 Uhr.
Als „Wetterfrau“ wird Margareta zur Fürsprecherin für eine gute Ernte und zur Schutzfrau vor Hagel und schweren Gewittern. Schwangeren Frauen soll sie eine gute Geburt erflehen und die Menschen vor dem Bösen und Versuchungen bewahren. (dt. Kurzform Gretel)

Dionysius-Wallfahrt Wallfahrt am 2. Sonntag im Oktober

mit Hochamt um 9.30 Uhr und anschließendem Weinlaubenfest.
Als Patron der Winzer wird Dionysius um Beistand für eine gute Weinlese und gelingende Kellereiarbeit angefleht. (Als Patron Frankreichs mag er auch für ein friedliches Zusammenleben und eine Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen angerufen werden.)

Herz-Jesu-Wallfahrt am 3. Sonntag nach Pfingsten

mit Hochamt um 9.30 Uhr und anschließender Prozession zum Herz-Jesu-Denkmal.
Um das Geheimnis des Karfreitags noch einmal im Jahresverlauf außerhalb des Osterfestes zu bedenken und die Barmherzigkeit und erlösende Liebe Gottes zu uns Menschen zu feiern, wird das Herz-Jesu-Fest am dritten Freitag nach Pfingsten begangen. Das durchbohrte Herz des Erlösers am Kreuz zeigt die unendliche Liebe Gottes und ist Quelle des neuen und ewigen Lebens.

P. Aurelian Feser OSB