Schmuckband Kreuzgang

Zeit zum Wahrnehmen und Schleifen drehen

Statusgespräch mit Ordinariatsdirektor Hans-Jürgen Dörr und Dr. Ursula Stroth

Statusgespräch 2020-06-18 (c) Bernd Lülsdorf
Statusgespräch 2020-06-18
Termin: Donnerstag, 18.06.20 - 19:30

Nach einem Jahr auf dem Pastoralen Weg trafen sich die Delegierten des Katholischen Dekanates Darmstadt mit Ordinariatsdirektor Hans-Jürgen Dörr und Dr. Ursula Stroth von der Koordinationsstelle des Pastoralen Wegen in Darmstadt am 18. Juni 2020 zum Statusgespräch im Martinssaal der Pfarrei Liebfrauen in Darmstadt.

Zum Gespräch mit der Bistumsleitung waren die Mitglieder der Steuerungsgruppe, sieben Delegierte aus den sieben Pastoralen Einheiten des Dekanates, Moderierende der vier seit Sommer 2019 aktiven Themengruppen, ein Delegierter der Gemeinden anderer Muttersprachen und ein Delegierter der Kategorialen Dienste im Dekanat eingeladen.

Schon in der kurzen Vorstellungsrunde wurde die ausgewogene Besetzung der Mitarbeitenden im Pastoralen Weg sichtbar, die seit Beginn des Prozesses im Dekanat die Beratungen prägt: die Hälfte der Teilnehmenden kam aus der Stadt Darmstadt, die andere Hälfte aus den Kommunen im Umland, eine Hälfte war ehren-, die andere hauptamtlich, auch Frauen und Männer waren zu gleichen Teilen vertreten. Die Delegierten standen für die rund 1.500 Menschen, die sich seit der Auftaktveranstaltung am 12. März 2019 in den unterschiedlichen Formaten des Pastoralen Weges an den Beratung im Dekanat beteiligen.

Gegenstand des Treffens war ein Statusbericht, der zuvor in der Dekanatsversammlung und dem Dekanatsprojektteam - den Entscheidungsgremien des Katholischen Dekanates auf dem Pastoralen Weg - erstellt und verabschiedet worden war. Auf 18 Folien wurden der Stand des Prozesses dargelegt und die anstehenden nächsten Schritte beschrieben.

Für viele der Teilnehmenden war es seit dem Lockdown die erste Präsenzveranstaltung. In der Zwischenzeit hatten fast alle Sitzungen und Treffen der Gremien und Themengruppen über das Videokonferenzsystem des Dekanates stattgefunden, einschließlich der mit jeweils über 80 Personen sehr gut besuchten Dekanatsversammlung und des Auftaktworkshops der nun startenden strukturellen Themengruppen. Daher lag es nahe, den Einfluß der Coronakrise auf den Fortgang des Pastoralen Weges gut miteinander zu besprechen. Es wurde deutlich, dass die Fortführung des hochwertigen Beteiligungsprozesses nur möglich ist, wenn es in Zukunft wieder Präsenzformate gibt, auf denen beraten, gestritten und beschlossen werden kann, und dass es Zeit braucht, um wahrzunehmen, was diese Krise für uns, für unsere Gemeinschaft  und für die uns umgebende Gesellschaft bedeutet. Folgerichtig wurde die Bitte an die Bistumsleitung gerichtet, den derzeit noch geltenden Zeitplan bis Juni 2021 zu modifizieren. Ordinariatsdirektor Hans-Jürgen Dörr erläuterte dazu, dass die Statusgespräche dazu dienen, ebensolche Rückmeldungen zu sammeln und "dann wird die Bistumsleitung im September darüber entscheiden, wie die inhaltlichen Vorgaben und die Timeline des Pastoralen Weges dieser Herausforderung, die uns alle überrascht hat, angepasst werden."

Ein weiterer wichtiger Punkt des Gespräches war die Frage nach Leitung in den zukünftigen Strukturen. Hier hatte der Statusbericht des Dekanates ausgewiesen, dass die Leitung der zukünftigen Pfarreien bei den leitenden Pfarrern liegen wird. Ergänzend dazu wünscht sich das Dekanat in den zukünftigen Kirchorten und Gemeinden eine Aufgabenverteilung im Team. Dies bedeutet eine gemeinsame Wahrnehmung von Verantwortung und Leitung durch ehren- und hauptamtliche Personen in den Gemeinden. Dazu meinte OD Dörr, dass "wir die Zusammenarbeit der Ebenen mit der Beschreibung von Kompetenzen nach und nach miteinander klären werden. Eine Festlegung zu diesem Zeitpunkt ist da vielleicht etwas zu früh". Dies trifft auch den Wunsch der Delegierten des Dekanates, die mit dem Blick auf die Entwicklungen im benachbarten Bistum Trier in dieser Woche keineswegs wollen, dass unsere Entscheidungen später revidiert werden müssen. Leitung bedarf dann aber auch einer entsprechenden Zurüstung und Begleitung. Auch hier ist es wichtig, jetzt schon Programme zu entwickeln.

Als wesentlicher Faktor für ein gutes zukünftiges Miteinander wurde gute und gelingende Kommunikation in beide Richtungen benannt. Hier ist noch viel Luft nach oben, so die Einschätzung aller Beteiligten. Dies gilt auch für die gute Kommunikation zwischen den zukünftigen Pfarreien und den Caritasverbänden. Hier gilt es gemeinsam nach einer Struktur vernetzender Gespräche zwischen den Verantwortlichen auf allen Ebenen zu suchen.

Einige Botschaften der Verantwortlichen aus Mainz wurde seitens der Delegierten mit Erleichterung wahrgenommen. So werden die zukünftigen Bemessungszahlen für das Personal nicht an veralteten Prognosen, sondern an den dann aktuellen Zahlen ausgerichtet. Auch die Botschaft, dass die Inhalte des abzugebenden Konzeptes noch konkretisiert und priorisiert werden, so dass z.B. die Frage der Liegenschaften in dieser Phase nicht behandeln wird, entlastet viele.

Eine Besonderheit des Darmstädter Dekanates wurde erläutert: Es gibt derzeit auf dem Gebiet des Dekanates 18 Pfarreien und drei Gemeinden anderer Muttersprachen und auch 18 Einrichtungen des kategorialen Dienstes: Betriebsseelsorge, Gefängnisseelsorge, Krankenhausseelsorge, Cityseelsorge, Notfallseelsorge, Telefonseelsorge, Frauen, Jugend, Seelsorge60+, Schulseelsorge, Hochschulseelsorge, Bildungszentrum, Regionalkantorat u.a. Das Miteinander von Gemeinde und kategorialem Dienst ist daher von Wichtigkeit vor allem in unserem Dekanat. Hier wurde in Aussicht gestellt, dass es dazu bald Wegweiser aus den auf Bistumsebene arbeitenden Teilprojektteams geben wird.

Einige Fragen und Anregungen wurden darüber hinaus diskutiert. Im Zentrum stand dabei immer wieder die Frage, wie die Menschen im Dekanat mitgenommen werden können. Hier greift die dreifache Frage des Bischofs: was brauchen die Menschen - bekommen sie, was sie brauchen, und brauchen sie, was sie bekommen. Dieser dreifachen Frage gerecht zu werden im Blick auf alle Menschen im Dekanat und nicht nur auf einen kleineren Teil, bleibt eine große Herausforderung des weiteren Prozesses. Dekanatreferent Bernd Lülsdorf kündigte dazu an, dass sich die Steuerungsgruppe sobald wir möglich mit einer Anpassung der Timeline im Dekanat beschäftigen wird, "Nach den Ferien beginnen im August die Themengruppen "Neue Strukturen" und "Finanzen und Verwaltung", bis dahin werden wir Vorschläge unterbreiten, wie die Beratungs- und Entscheidungswege laufen.

Nach rund zwei Stunden schloss Dekan Dr. Christoph Klock mit einem Dank für das konstruktive und offene Gespräch. Er verstärkte das Anliegen, dem Prozess im ganzen Bistum und auch für das Dekanat Darmstadt einen angepassten und verlässlichen Rahmen zu geben. "Bei uns engagieren sich sehr viele Menschen für die Frage, wie wir miteinander Kirche sein wollen. Dazu verlassen wir uns weiter darauf, dass uns die Bistumsleitung dazu die Möglichkeiten gibt!"