Gute Ware, schlechter Preis

unfaire Koppelgeschäfte der Importeure

fair kaffee grz (c) jm
fair kaffee grz
Mi 2. Sep 2020
Beatrix Gramlich

Gute Ware, schlechter Preis: Importeure zwingen Kaffeebauern zu krummen Deals. Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Im Schnitt trinkt jeder 164 Liter im Jahr, weit mehr als Mineralwasser (142 Liter) oder Bier (100 Liter). Für ihr liebstes Getränk geben die Bundesbürger am liebsten auch wenig aus.

Der Marktanteil für fair gehandelten Kaffee, der den Produzenten stabile Preise und langfristige Handelsbeziehungen garantiert, liegt bei gerade mal fünf Prozent. Zwar haben viele Supermärkte mittlerweile Fairtrade-Kaffee im Sortiment und zahlen dafür auch den Mindestpreis, den das gleichnamige Siegel garantiert; ihr Geschäftsgebahren aber ist oft alles andere als fair.

Eine-Welt-Akteure berichten von Koppelgeschäften, zu denen Kaffeeimpor¬teure die Kleinbauern nötigen. Konkret sieht das so aus: Einkäufer nehmen den Kooperativen ihren fair produzierten Kaffee nur dann zu Fairtrade-Konditionen ab, wenn sie ihnen gleichzeitig eine bestimmte Menge davon zum Weltmarktpreis oder sogar darunter verkaufen. Der liegt aktuell bei knapp zwei Euro für ein Kilo Bio Arabica. Fairtrade zahlt das Doppelte. Doch solange das Angebot an fair produziertem Kaffee die Nachfrage weit übersteigt, sind die Kleinbauern gezwungen, sich auf den krummen Deal einzulassen. Aldi, Rewe, Edeka, Lidl und Kaufland, die 85 Prozent des Lebensmittelhandels in Deutschland beherrschen, nutzen, so scheint es, ihre Marktstellung weidlich aus. Die Ursprungsidee von Fairtrade, seine Produkte in alle Geschäfte zu bringen, erweist sich als Bumerang.

„Es ist im Sinne der Kaffeebauern, dass sie auch den konventionellen Markt beliefern", sagt Claudia Brück, Vorstandsmitglied von Fairtrade Deutschland. „Die Verträge dürfen aber nicht voneinander abhängen. Um Koppelgeschäfte zu entlarven, brauchen wir klare Hinweise." Das aber stürzt Erzeuger wie Fairhandelsorganisationen in ein Dilemma: Die einen müssen ihre Ernte verkaufen, die anderen wollen ihre Partner schützen. Das geplante Lieferketten-gesetz könnte Abhilfe schaffen. Denn damit ließen sich unlautere Handelspraktiken sanktionieren - auch im konventionellen Sektor.