Was mich hält

von Valerie Kramer

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21.09.03_valerie
Datum:
Fr. 3. Sep. 2021
Von:
Julia Aulbach

In der Reihe der Statements engagierter Christ*innen aus unserem Dekanat stellt sich Valerie Kramer aus Sankt Sebastian in Eppertshausen die Frage: "Was hält mich eigentlich in der Kirche?". 

„Diese Frage stelle ich mir zur Zeit oft. Nicht nur, wenn Verantwortungsträger entscheiden, wem sie als nächstes Gerechtigkeit oder einen Segen verweigern, wenn ich ohne deren Nachfrage vor Kolleginnen das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen oder wenn ich aus dem Gottesdienst gehe und mich nach dem Friede-Freude-Eierkuchen die Realität erwischt.

Sondern auch, wenn ich überlege, wie wir Jugendliche nach der Firmung halten können. Wie wir vermitteln können, was uns die Kraft und die Begeisterung gibt, nach einer durchfeierten Nacht sonntagmorgens doch in den Gottesdienst zu gehen.

Aber wie vermittelt man das Gefühl, mit einer so großen Gemeinschaft im Glauben verbunden zu sein? Das Gefühl, nach Hause zu kommen, wenn man sich einen Sitzplatz in der Kirche sucht. Das Gefühl, das überwältigt, wenn 3 Millionen Menschen gemeinsam das Vaterunser beten. Das Gefühl, zuhause zu sein, obwohl man grade an einem Gottesdienst in einem fremden Land teilnimmt, man die Sprache nicht versteht, aber man weiß, dass für die Menschen, mit denen man zusammen ist, der oder die Nächste zählt. Sich dann auch für den oder die Nächste einzusetzen. Das Gefühl, gehört zu werden, wenn man betet; das Gefühl, Gott überall begegnen zu können. Und das ohne fromme Worte, die wie billige Phrasen wirken. Das hält mich.“