Schmuckband Kreuzgang

„Geborgen im Schatten deiner Flügel!“

Schatten-Stuhl (c) Peter Weidemann / pfarrbriefservice.de
Schatten-Stuhl
Sa 4. Jul 2020
Eva Reuter

Wer freut sich in diesen Tagen nicht über ein bisschen Schatten. Womöglich noch verbunden mit einem Luftzug und einem kühlen Getränk...

Höre ich das Wort „Schatten“, fallen mir Bilder ein: Von kühlen Ruheplätzen am Waldrand oder ein Sonnenschirm über einem Café-Tischchen. Bei sommerlichem Wetter lauter angenehme Assoziationen. Auch die Überschrift – ein Zitat aus einem Psalm, einem uralten Gebet der Bibel – setzt Schatten gleich mit einem gemütlichen und sicheren Platz, an dem man ausruhen kann.

Aber Schatten hat auch manchmal eine weniger positive Bedeutung: Da steht jemand im Schatten eines Menschen, Schatten der Vergangenheit fallen auf etwas, Menschen leben im Schatten der Gesellschaft. Da ist der Schatten nicht positiv gemeint. Jemand wird nicht richtig wahrgenommen, etwas wurde nicht richtig gelöst, Menschen bleiben am Rand und niemand will so richtig hinschauen. Der Schatten hat also auch eine andere Seite: Es ist unbestimmbar, nicht richtig wahrnehmbar es verfolgt mich vielleicht sogar. Es ist kühl und feucht und lässt sich nicht gut abstreifen. Auch wenn jemand „nur ein Schatten seiner selbst“ ist, ist er nicht wirklich lebendig oder Teil der Gemeinschaft.

Im Moment verschwindet wieder so einiges im Schatten der Medienberichte über die Coronakirse: Immer noch ist Krieg in Syrien, immer noch ertrinken Menschen auf der Flucht im Mittelmeer, noch immer terrorisieren Islamisten die Menschen in Afrika. Nur weil gerade nicht das helle (Scheinwerfer-)Licht darauf fällt, sind diese dunklen Krisen nicht weg!

Schatten ist eine Wohltat, wenn man sich von der Hitze des Tages oder des Lebens erholen will. Dann verspricht uns Gott den Schatten seiner Flügel und den Ruheplatz am Wasser (Psalm 57 bzw. 23). Dabei geht es nicht um Heimlichkeit oder Verdunkelung. Und Gott geht noch darüber hinaus: Gott ist auch in den Stunden unseres Lebens bei uns, die von Sorgen, Angst oder Trauer überschattet sind, dann will er das Licht sein, das unsere Finsternis hell macht. Jesus Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt!“ Er will unser Leben hell machen, er will die am Rand Stehenden aus dem Schatten herausholen und ins Licht stellen, so dass man ihr Gesicht sehen kann. Aber sein Licht ist nicht gleißend, nicht grell und blenden, sondern angenehm. Es stellt niemanden bloß und durchleuchtet niemanden, es sorgt für gute Sicht.

Ich wünsche Ihnen das richtige Maß an Schatten für die nächsten heißen Tage und das Licht der Zuversicht für alle finsteren Schatten!