Dialogische Intelligenz

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Mi 16. Jan 2019
Annette Reithmeier-Schmitt; Päd. Leitung, KBW-Rheinhessen

...vom „katholischen Stuhlkreis“ in den Kosmos des gemeinsamen Denkens

Im Dialog sind wir doch immer, oder? In unseren Gruppen und Kreisen wird viel gesprochen – vom echten Dialog sind viele dieser Gespräche aber weit entfernt. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Fortbildung „Dialogische Intelligenz" gelernt haben, war Folgendes:
Ein Dialogprozess auf der Grundlage der Philosophie von Martin Buber und der Arbeit des Quantenphysikers David Bohm folgend, ist eine Herausforderung für alle Beteiligten: Eigene verengte Denkweisen und Standpunkte erkennen und überwinden, andere besser verstehen und gemeinsam neu denken – das ist die Perspektive, die durch diese dialogische Haltung möglich wird. Was den echten Dialog vom Gespräch, der Diskussion und der Debatte unterscheidet und wie er unsere eigene „dialogische Intelligenz" weckt, war Inhalt des Einführungsworkshops des Katholischen Bildungswerkes Diözese Mainz für haupt- und ehrenamtlich Aktive in Rheinhessen in Kooperation mit dem institut dialog transnational unter Leitung von Freia Brix-Bögge und der Direktorin des Instituts Dr. Heidemarie Wünsche-Piétzka. Letztere war am Dialogquartett in Tunesien beteiligt, das 2015 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Der Dialog fordert radikalen Respekt für das Gegenüber, Offenheit, Zuhören und Hinhören, Gleichwürdigkeit, Präsenz, Bewertungsfreiheit und Vertrauen. Das war neu, anstrengend und befreiend zugleich. Und das will gelernt sein.
Der Ansatz des Dialogprozesses ist, kreative Denkräume für Gruppen und Individuen erfahrbar zu machen, Wandlungsprozesse anzuregen und zu unterstützen. An drei Tagen probierten und trainierten alle Beteiligten gemeinsam, wie der Raum für echten Dialog geschaffen werden kann, welche Kompetenzen und Haltungen ihn stärken und welche Wirkung die gemeinsam erlebten Dialogrunden auf das Miteinander im Denken und Handeln haben kann.
Zum Training kam die Reflexion auf der Meta-Ebene: Was sind Wirkweisen und Möglichkeiten gelingender Dialogprozesse? Ergebnis: Entschleunigung und Wertschätzung eröffnen Raum für ein beständiges Hinterfragen von Prozessen, vermeidlichen Sicherheiten und bestehenden Strukturen. Plötzlich wird es möglich, sich den Ansichten aller Teilnehmenden zu öffnen, sie vorurteilsfrei in der Schwebe zu halten und zu sehen, was sich daraus weiter entwickeln kann. Damit öffnen sich Horizonte, die Wachstum und Veränderung zulassen.
Die haupt- und ehrenamtlich Aktiven empfanden die Erfahrungen des offenen „Nach-Denkens", der „Entschleunigung" und des Respekts als wertvolle Grundlage, die bei der Gestaltung der anstehenden Veränderungsprozesse in unserem Bistum hilfreich mit einbezogen werden kann. Das Katholische Bildungswerk wird den Schwerpunkt „Dialog" in Rheinhessen weiter führen und sowohl Qualifizierungsangebote in dialogischer Kompetenz als auch Dialogrunden vor Ort für Interessierte anbieten und ermöglichen.