Schmuckband Rad

24. März; 18:15 Uhr

24Maerz (c) PG Herrnheim / Abenheim
24Maerz
Mo 23. Mär 2020
Carolin Bollinger

 

Steh auf, nimm deine Bahre und geh! (Joh ,8)

Suchen Sie sich einen Ort in der Wohnung, der für Sie gut ist, um zu beten. Vielleicht entzünden Sie eine Kerze. Falls Sie nicht so viel Zeit oder Muße zum Beten haben, um die komplette Gebetszeit mitzubeten, nehmen Sie doch einfach nur die blau markierten Texte. Auch dann sind wir im Gebet verbunden. Auch wenn wir nicht in der Kirche sind, ist Jesus jetzt bei uns da. Überall, wo er bei uns willkommen ist. Gerade jetzt in unserem gemeinsamen Gebet ist er mitten unter uns. Deshalb können wir mit einem Kreuzzeichen beginnen:

 

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Ankommen:      Alles was mich jetzt beschäftigt und unruhig macht,

alles was mich ablenkt und woran ich denken muss,

darf ich für ein paar Minuten ablegen. Ich nehme es mit

in mein Gebet und darf es dir hinhalten, mein Gott.

 

Tagesrückblick: Blicken Sie zurück auf den vergangenen Tag

Was war heute schön?

Was ist mir gelungen?

Wo habe ich Sorge und Ängste?

Was ist mir heute vielleicht misslungen?

 

Gebet: Guter Gott, in dieser Zeit der Verunsicherung, in der die ganze Welt aus den Fugen zu geraten scheint, beten wir hier gemeinsam mit vielen anderen zu dir. Wir bitten dich, schenke uns deine Gegenwart und lass uns in deiner Nähe die Kraft schöpfen, die wir im Moment so nötig brauchen. Amen.

 

Wenn Sie jetzt das Evangelium lesen, wird Gott Sie ganz persönlich ansprechen und Ihnen für Sie persönlich etwas sagen. Lassen Sie sich doch einmal darauf ein! Die anschließenden Gedanken zum Nachdenken können eine Hilfe sein, aber vielleicht sagt Gott Ihnen gerade etwas völlig anderes, das für Ihre persönliche Situation aktuell viel hilfreicher ist. Trauen Sie sich, dem nachzuspüren!

 

Evangelium vom Tag                                                        Joh 5,1-16

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 

1Es war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.

2In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda. 3In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. 5Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. 6Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden?

7Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. 8Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! 9Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.

10Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen. 11Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh! 12Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh? 13Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte. 14Später traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt.

15Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.

16Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.

 

Zum Nachdenken (heute von Martina Bugert)

„Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“, sagt Jesus zu dem Gelähmten. Drei Aufforderungen, die auch uns gelten. Die Bibel kennt das Aufstehen in vielen Bedeutungen, sowohl äußerlich als auch innerlich, das Aufgerichtet-werden.  Immer sind es Berufungsgeschichten. Immer wieder werden Menschen von Gott dazu animiert ihm zu vertrauen, aufzustehen und loszugehen.

Auf die Frage Jesu im Evangelium: „Willst du gesund werden?“ antwortet  der Gelähmte ganz ausführlich: „Rabbi, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich trägt, wenn das Wasser unruhig wird: Während ich aber komme, steigt jemand anderes vor mir hinein.“ Er jammert richtiggehend. Er scheint resigniert, frustriert zu sein. 38 Jahre ist er schon gelähmt. Er hat sich auf seiner Bahre eingerichtet und scheint sich mit der Situation abgefunden zu haben. Er hat scheinbar aufgegeben, hat keine Hoffnung, keine Perspektive mehr. Er tut sich selbst leid, versinkt vielleicht sogar in diesem Selbstmitleid. Fatalismus?

Kennen wir nicht auch manchmal solche Situationen, in denen wir resignieren, uns mit dem Gegebenen abfinden? Uns in der – nicht schönen – Situation einrichten auch wenn wir es selbst frustrierend finden? In der Schockstarre verharren, in die uns Corona versetzt hat?

Jesus bedauert den Gelähmten nicht. Im Gegenteil. Er fordert ihn auf: Steh auf! Lass dich nicht hängen! Bedauere dich nicht selbst! Steh auf, bewege dich, nimm deine Bahre, nimm das, was dich lähmt, das, womit du dich vielleicht schon abgefunden hast, in die Hand, kämpfe dagegen an, krempel die Ärmel hoch und geh umher! Konkret auf unsere gegenwärtige Situation würde er vielleicht sagen: Es hilft nichts, über die Corona-Krise und ihre Auswirkungen zu jammern. Ja, das ist schlimm! Ja, das lähmt dich vielleicht! Aber jetzt ist es an der Zeit aufzustehen! Jetzt ist es an der Zeit zu überlegen: Wo werde ich gebraucht? Was könnte mein „losgehen“ sein? - Eigentlich könnten hier die „Gedanken“ enden, ich bitte zu entschuldigen, dass es heute etwas länger wird. In den vergangenen Tagen durfte ich Zeugin vieler Ereignisse ganz konkret in unseren Gemeinden und im Dekanat sein, bei denen ich deutlich ein solches Aufstehen und Losgehen erleben durfte. Und daran möchte ich Sie alle teilhaben lassen! Da gibt es Menschen, die kaufen für die Nachbarn ein. Andere organisieren die tolle Hilfs-Aktion der KLJB Abenheim, bei der viele bereit sind, mitzumachen. Es gibt Menschen die drucken Plakate dafür - kostenlos. Andere stellen tagtäglich ihr technisches und menschliches Wissen zur Verfügung, um das Home-Gebet zu ermöglichen. Andere tragen das Home-Gebet zu den Menschen im Ort, die es sich selbst nicht in der Kirche holen können. Andere kümmern sich um Menschen, die zur Zeit in häuslicher Quarantäne sind, oder die aus anderen Gründen das Haus nicht verlassen und muntern diese durch Telefonate oder Textnachrichten auf. Wieder andere bieten ihre Hilfe an, um die Kunden der Tafel mit Lebensmitteln zu versorgen. Andere schicken Bilder oder Fürbitten oder schreiben diese in die in den Kirchen ausliegenden Bücher, damit auch an die gedacht wird, die sich selbst vielleicht nicht äußern können. Oder stellen Blumen in die Kirche zum Mitnehmen für alle. Überwältigend viele beten mit! Jesus wendet sich mit dieser Geschichte  genau uns zu, um uns so die Liebe Gottes spüren zu lassen. Seine drei Aufforderungen gelten uns allen: Wir sollen uns nicht fürchten, nach Gottes Wort zu handeln. Dabei geht es um viel mehr als körperliche Heilung: Gott öffnet uns Wege zu persönlicher und gesellschaftlicher Veränderung.

Jesus befähigt den Gelähmten und uns gesund zu werden indem wir etwas tun für die Veränderung, die Gott uns anbietet: Nämlich Aufstehen, unsere Bahre nehmen – was immer das für uns sein mag – und gehen! Danke an Alle, die das schon tun!!!

 

Fürbitten die meisten Bitten und Gebete, die wir hier mit in unser gemeinsames Gebet nehmen, wurden in die „Fürbitt-Bücher“ geschrieben, die in unseren Kirchen ausliegen, oder uns auf andere Weise zugetragen.

„Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher!“ – Jesus, das ist dein Auftrag an uns. Das wollen wir tun, dazu brauchen wir deine Hilfe. Deshalb bitten wir:

  • Lieber Gott, ich lege alles in deine gütigen Hände. Ich weiß, dass du alles zum Guten lenkst. Du bist unser aller Vater. Du lässt niemanden im Stich. Hab Dank für deine Liebe und Güte. Ich vertraue auf Dich!
  • Lieber Gott, ich vertraue darauf, dass du uns in dieser schwierigen Zeit nicht alleine lässt.
  • Lieber Gott, du hast uns kein sorgloses Leben versprochen. Aber du wirst uns vor Schwierigkeiten nicht bewahren, sondern uns durch Ängste und Sorgen hindurchführen. Lass uns darauf vertrauen und stehe allen bei, die in Gefahr sind, an dir irre zu werden.
  • Sei du bei allen, die Deine Hilfe ganz besonders brauchen weil sie von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wurden.
  • Guter Gott, gib all denen Kraft und Hilfe, die irgendwo auf der Welt gestrandet sind und aktuell keine Möglichkeit haben, in ihre Heimat zurückzukehren.
  • Wir bitten für alle, die „aufstehen“ und ihre Möglichkeiten und Kräfte Anderen zur Verfügung stellen. Gib ihnen Kraft und lass sie deine Nähe spüren.
  • Bleibe bei allen Sterbenden, gib denen Trost, die einen lieben Menschen verloren haben und nimm die Verstorbenen auf in Deine himmlische Herrlichkeit.

 

Alle diese Bitten, auch unsere Eigenen, können wir nun ins Vater unser münden lassen.

Vater unser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

 

Der Text eines Kanons von Thomas Quast und Thomas Laubach kann uns in den nächsten Tag begleiten – vielleicht mögen sie ihn ja singen – auf youtube gibt es mehrere Interpreten dafür:

Steh auf, bewege dich!

Denn schon ein erster Schritt verändert dich, verändert mich!

Steh auf bewege dich!

 

Segensbitte Herr unser Gott, wir wollen in deinem Namen aufstehen, unsere Bahre nehmen und gehen. Dazu erbitten wir deinen Segen! +  Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.