Schmuckband Kreuzgang

Pfarrei als Netzwerk lebendiger Gemeinden und Kirchorte: Wichtige Grundentscheidung auf dem Pastoralen Weg im Dekanat Worms

Dekanatsvorstand Worms (c) Kath. Dekanat Worms

Kirche muss sich neu aufstellen, damit sie mit weniger Personal, weniger Geld und unter den sich rasant verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch in Zukunft ihrer Aufgabe gerecht werden kann, das Evangelium vom menschenfreundlichen Gott allen Menschen zu verkünden. Unter der Überschrift „Pastoraler Weg“ steht die Kirche im Bistum Mainz seit zwei Jahren in einem Dialog- und Beratungsprozess, der in allen Pfarreien, Gemeinden und Dekanaten geführt wird. „Glauben teilen, Leben teilen, Ressourcen teilen, Verantwortung teilen“ sind die vier großen Leitperspektiven, die der Mainzer Bischof für diesen Prozess formuliert hat. Ziel ist es, das Leben in den einzelnen Gemeinden und Kirchorten zu stärken, dabei aber gleichzeitig große Pfarreien als übergeordnete Verwaltungseinheiten zu bilden. Bis zum Jahr 2030 sollen im ganzen Bistum maximal 50 Pfarreien bestehen, die jeweils ein Netzwerk lebendiger Gemeinden und Kirchorte bilden.

 

Das ganze Dekanat Worms wird eine Pfarrei

Auf diesem Weg ist im Dekanat Worms nun eine wichtige Etappe erreicht. Bei einer (digitalen) Dekanatsversammlung haben ca. 45 Delegierte zusammen mit dem Generalvikar Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz noch einmal unterschiedliche Möglichkeiten diskutiert. In einer anschließend schriftlich durchgeführten Abstimmung sollte schließlich entschieden werden, ob die derzeit noch 23 einzelnen Pfarrgemeinden im Dekanat Worms künftig zu einer oder zwei Pfarreien zusammengefasst werden. Eine sehr deutliche Mehrheit hat sich nun für die Bildung einer Pfarrei ausgesprochen.

Vorausgegangen war ein Weg, auf dem diese Frage mit allen Vor- und Nachteilen über mehr als ein Jahr hinweg auf den verschiedenen Ebenen diskutiert wurde. Der Dekanatsvorstand war im Herbst des vergangenen Jahres in alle Pfarrgemeinde- und Seelsorgeräte des Dekanates gereist und hatte überall vor Ort mit den Räten diskutiert und Meinungsvoten eingeholt. „Das Abstimmungsergebnis jetzt bestätigt insofern den Trend, der sich bereits in den Diskussionen vor Ort gezeigt hatte“, erläutert Lucas Kraft als Dekanatsratsvorsitzender. In der Bildung einer Pfarrei sahen am Ende viele den besseren Weg, um auch als einzelne Gemeinde für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Die Diskussionen seien dabei sehr ernsthaft geführt worden und nicht immer leicht gewesen, erzählt Dekan Tobias Schäfer: „Es hat eine Weile gedauert, bis wirklich verstanden wurde, dass die einzelnen Gemeinden nicht aufgelöst oder einfach zu einer anonymen Mega-Struktur fusioniert werden sollen. Im Gegenteil: Ziel ist ja, das kirchliche Leben vor Ort zu stärken und zu erhalten! Das, was künftig ‚Pfarrei‘ heißt, ist etwas völlig anderes als das, was wir im Moment unter einer Pfarrgemeinde verstehen“, erläutert der Propst.

 

Pfarrei als ein Netzwerk aus lebendigen Gemeinden und Kirchorten

Die künftige Pfarrei verstehe sich als ein Netzwerk aus unterschiedlichen lebendigen Gemeinden und Kirchorten. Die Pfarrei sei vor allem Verwaltungseinheit. Alle Hauptamtlichen einer Pfarrei bildeten ein Team, in dem Aufgaben und Verantwortungen für die einzelnen Gemeinden, aber auch für bestimmte übergemeindlichen Themenfelder der Seelsorge abgesprochen und verteilt würde. Hier würde man sich zusammen mit den gewählten ehrenamtlichen Vertretern der einzelnen Gemeinden über die pastoralen Ziele verständigen. Das kirchliche Leben aber müsse vor Ort bleiben. Das sei auch in allen Diskussionen sehr deutlich geworden.

 

Dass man sich nach ausführlicher Diskussion dafür entschieden habe, bis 2030 aus allen Gemeinden des Dekanates eine Pfarrei zu bilden, habe viele Gründe. Unter anderem hoffe man dadurch auf eine starke Verwaltungsebene, um so einzelne Gemeinden von Verwaltungsaufgaben weitgehend zu entlasten und damit mehr Freiraum für Seelsorge zu schaffen. Nach dem Plan des Bistums sind für die künftige Pfarrei insgesamt etwa 10 Vollzeitstellen für pastorale Hauptamtliche für die gemeindliche Arbeit vorgesehen, etwa zur Hälfte Priester und Gemeindereferent*innen. Dazu kämen noch die sogenannten „kategorialen Stellen“, also meist von Pastoralreferent*innen ausgefüllte Stellen in speziellen Bereichen der Seelsorge, wie etwa die Klinikseelsorge, die Hochschulseelsorge, die Jugendarbeit, die Hospizseelsorge oder die City- und Touristenseelsorge. „Zusätzlich haben wir in unserem Dekanat und in der künftigen Pfarrei eine ganze Anzahl von Diakonen, die sich neben ihrem weltlichen Hauptberuf nach Kräften und sehr segensreich einbringen“, unterstreicht der Dekan. Damit sei man auch für die Zukunft personell nicht schlecht aufgestellt.

 

Nachdem die Entscheidung für die künftige Grundstruktur gefallen sei, gelte es nun, diese Struktur auszugestalten, ergänzt die Dekanatsreferentin Carolin Bollinger. In den Gesprächen mit den Gemeinden sei deutlich geworden, wie sehr Seelsorge und Gemeindearbeit auch von Personen und Beziehungen abhängt. Deshalb sei es ein wichtiges Anliegen, dass jede Gemeinde ihre konkreten Ansprechpartner im Team der hauptamtlichen habe, zu deren Aufgaben nicht zuletzt die Qualifizierung, Motivierung und Unterstützung der Ehrenamtlichen vor Ort zähle. „Ohne eine Stärkung und Aufwertung des Ehrenamtes werde es nicht gehen!“, davon ist sie überzeugt. Aber auch die jeweiligen inhaltlichen Herausforderungen und pastoralen Ziele müssten noch konkreter formuliert werden, ergänzt Dekan Schäfer: „Vor welchen Herausforderungen für die Zukunft stehen zum Beispiel kleine Landgemeinden? Vor welchen Herausforderungen die Innenstadtgemeinden? Welche Rolle sollen und können die kirchlichen Kitas als Kirchorte spielen? Welche besonderen kirchlichen Angebote und welche Art der Zuwendung brauchen heute Familien, Singles, Jugendliche oder Senioren? Wie vernetzen wir uns gut im sozial-caritativen Bereich?“ All das seien die Fragen, an denen jetzt intensiv im Gespräch mit den Gemeinden und Kirchorten weitergearbeitet werde, um im November ein schlüssiges Pastoralkonzept im Dekanat erarbeitet zu haben. Gleichzeitig sei man auch mit der Bistumsleitung in intensivem Gespräch, da diese dem Konzept am Ende zustimmen müsse.

 

 

Kath. Dekanat Worms

Propst Tobias Schäfer, Dekan

11.03.2021