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Erntedankfest am 4. Oktober 2026

Erntedank 2026 in Weiterstadt - Erntegaben
Ich kann nicht pflügen und säen und habe doch genug zu essen ...
Datum:
4. Okt. 2026
Von:
Pfarrer Dr. Peter Eckstein / Maria Lorenz
Einführung der neuen Minis an Erntedank 2026

Erntedank!

So viel Gründe an diesem Tag und in diesem Gottesdienst DANKE zu sagen:

  • Für die vielen neuen Messdienerinnen und Messdiener, die von Giuliano Calandra vorgestellt und eingeführt wurden ....

 

Erntedank 2026 in Weiterstadt mit Sing&Praise
  • für die Sänger von „Sing & Praise“ aus Griesheim und Groß-Zimmern, Reinheim und weiteren Gemeinden, die so viel Schwung und Begeisterung in den Gottesdienst brachten ....

 

 

Erntedank 2026 in Weiterstadt - ein Blick in die Bankreihen
  • für die vielen Menschen, die miteinander feierten und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit mitbrachten ...
Erntedank 2026 - der Frauenkreis gibt das geweihte Brot wird ab
  • für den Frauenkreis, der die Erntegaben gesammelt und mit so vielen kreativen Ideen aufgebaut hat ...
  • für die Bäckerei Best, die uns das reich verzierte Erntebrot gespendet hat ... 

 

Erntedank 2026 in Weiterstadt
  • für die schmucken Blumengestecke für den Altar und die Muttergottes, die uns die Blumengärtnerei Brunner aus der Riedbahn gespendet hat ... 
Erntedank 2026 - Altar mit Erntegaben
  • für die Erntegaben, den uns die Familie Meinhardt vom Tannenhof kostenlos zur Verfügung gestellt hat ....
Erntedank 2026 - die Kinder singen ein Danklied
  • für die Kinder und Teamer des Kindergottesdienstes, die ein Danklied für uns sangen ... 
  • und nicht zuletzt für die Predigt von Pfarrer Eckstein, die Sie weiter unten nachlesen können. 

Es war ein großartiger Gottesdienst, aus dem man erfüllt mit viel Freude und frohen Begegnungen nach Hause gehen konnte, getragen von den Worten aus dem Schlusslied: "Geborgen in dir Gott, atme ich ein, schöpfe ich Hoffnung aus Brot und Wein. ... Geborgen in dir Gott, sage ich ja, mit dir verbunden, so bin ich da."

Predigt Erntedank / 27. So. i. J. 2026 / von Pfarrer Dr. Peter Eckstein

„Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen.“

(Marcus Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.)

Wenn dieser große Staatsmann und Philosoph die Dankbarkeit nicht nur als eine unter vielen Tugenden aufreiht, sondern ihr grundlegende Bedeutung zumisst – als „Mutter aller Tugenden“ - so trifft er einen Punkt, den die biblischen Texte des heutigen Sonntags genauso hervorheben. Sie tun das im Rahmen eines damals beliebten Bildes, das auch zum Erntedankfest gut passt – dem des Weinbaus.

Weinbau gehört auch heute noch zu den arbeitsintensivsten Formen der Landwirtschaft. Wenn im Altertum jemand einen Weinberg anlegen oder verpachten wollte, musste er folgende Vorarbeiten leisten: Auf den Hängen musste er Terrassen einarbeiten. Den Boden musste er gänzlich von Steinen befreien. Danach war das Weingut einzuzäunen – entweder mit einer Steinmauer oder dornigem Buschwerk, um Diebe oder Tiere fernzuhalten. Danach grub er eine Kelter. Schließlich errichtete er in zentraler Lage eine Steinhütte oder einen Turm als kühle Behausung für die Arbeiter und Beobachtungsposten für den Besitzer. Dann wurde der Boden sorgfältig umgegraben und die jungen Weinstöcke gepflanzt. Erst dann konnte die Arbeit beginnen. Die ganzen anstrengenden Vorarbeiten erledigte der Gutsbesitzer. Erst dann übernahmen die Pächter den fertig angelegten Weinberg. Schon aufgrund der immensen Vorleistungen war unstrittig, dass dem Weinbergsbesitzer ein Anteil an den Früchten, in der Regel ein Drittel, als Pacht zustand.

Das Bild des verpachteten Weinbergs taucht im AT immer wieder auf, um das Verhältnis zwischen Israel und seinem Gott zu illustrieren. Jeder gläubige Jude wusste, dass Israel das Land Kanaan von seinem Herrn als Gabe erhalten hatte. Es war das gelobte, d.h. dem Abraham und seinen Nachkommen verheißene Land, in dem es leben und dessen Früchte es genießen durfte. Als Gegengabe – als Pacht sozusagen – sollte es dort eine Gesellschaftsordnung aufbauen, die dem Willen Gottes entsprach. Die Sozialordnung, wie sie im Gesetz des Mose festgeschrieben war, suchte unter den Völkern des alten Orients ihresgleichen.

Aber wie so oft: Mit der Zeit nahmen es die Nutznießer mit den getroffenen Vereinbarungen nicht mehr so genau. Es bildete sich ein Landadel heraus, der das Land nicht mehr als Leihgabe, sondern als Eigentum verstand, in dem er schalten und walten konnte, wie er wollte. Am Ende gab es Verhältnisse, in denen man den im Gesetz geforderten Ausgleich zwischen arm und reich nicht mehr wiedererkennen konnte. In diese Situation spricht der Prophet Jesaja (5, 1-7) mit deutlichen Worten hinein. Und einige Jahrhunderte später tut Jesus genau dasselbe (Mt 21, 33-43). - Jesaja beklagt den Sozialabbau und die Entrechtung der mit den Eliten nicht vernetzten und deshalb verarmenden Bevölkerungsschichten. Dieselben Worte könnte er heute wieder benutzen. Denken Sie an Trumps Amerika. Denken Sie an die Diktatoren Osteuropas, Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas mit ihren oft korrumpierten oligarchischen Führungsschichten. Denken Sie leider auch an das heutige Israel unter der Netanjahu-Regierung und der weitgehend entrechteten palästinensischen Landbevölkerung im Westjordanland.

Jesus sagt: ein solches Verhalten hat nicht nur Auswirkungen auf die Sozialpartner. Es hat auch Auswirkungen auf das Verhältnis zu Gott. Und auch das stimmt immer noch! Wir – die Menschheit – haben diesen Planeten nicht gemacht. Wir haben ihn vorgefunden! Die Güter der Erde sind ungleich verteilt. Schonen wir eigentlich die Schöpfung noch oder offenbart unser Konsumverhalten, dass wir nur noch darüber reden? Die Menschen bräuchten rechnerisch 2,8 Erden im Jahr, wenn alle dieselben Konsumgewohnheiten hätten wie wir in Deutschland. Der Erdüberlastungstag 2026 war der 10. Mai. An diesem Tag haben wir die uns im Weltmaßstab zustehenden Güter für dieses  Jahr bereits komplett verbraucht. Jährlich landen bei uns 10,8 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Das sind 74,5 kg pro Kopf! 645 Mio. Menschen hungern. 2,1 Mrd. Menschen können sich kein gesundes Essen leisten. Alle 13 Sekunden verhungert ein Kind! -

Was können wir tun? Spenden natürlich. Aber das eigentlich Problem reicht tiefer. Wir müssen diese Zustände als Anfrage an unser Lebenskonzept verstehen. Es gibt im Grunde zwei Lebenskonzepte, die uns in Varianten immer wieder begegnen. Das erste nenne ich das „autonome“ Konzept. Diese Haltung sagt: Ich bin niemandem verpflichtet. Ich bin ein freier Mensch Ich lebe nach eigenem Gutdünken, Mein Leben fußt auf meiner Leistung. Die Starken dürfen von niemandem behindert werden. In letzter Konsequenz heißt das: „Demokratie und Freiheit sind unvereinbar.“ Das ist die Grundthese von Peter Thiel, dem Chefideologen der Trump-Administration. Peter Thiel hat in diesem Jahr übrigens in Deutschland den Axel-Springer-Preis bekommen. In unserem Land sind solche Thesen also inzwischen preiswürdig. Das sollte uns sehr nachdenklich machen.

Das zweite Konzept möchte ich das „dankbare“ Leben nennen, ganz im Sinne von Cicero, der dieses als die „Mutter aller Tugenden“ bezeichnet. Dieses ist geprägt von der Erkenntnis: Es gibt kein gelingendes Leben ohne den Verbund mit anderen. Ich lebe von den Vorgaben und Leistungen anderer. Wenn Sie allein auf ihren heutigen Morgen zurückblicken: Sie haben die Nachttischlampe angemacht – den Strom dafür liefern die Elektrizitätswerke. Dann haben sie im Bad das Wasser angestellt – das beziehen Sie vom Wasserwerk. Den Kaffee, den Sie getrunken haben, haben Menschen in Afrika oder Lateinamerika gepflückt. Ihre Milch kommt vom Landwirt, die Brötchen vom Bäcker … und ich könnte jetzt immer so weitermachen. Wie viele Menschen haben schon für Sie gearbeitet allein in der Zeit zwischen Bett und Frühstückstisch. Von dort ist es nur noch ein Schritt zu der Haltung: Auch ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass das Leben in unserem Land und auf unserer Erde funktioniert. Darin steckt deutlich mehr als der Wunsch, Geld zu verdienen! Und in der Psychologie, etwa in der logotherapeutischen Schule, weiß man: Gelebte Dankbarkeit ist auf Dauer wesentlich erfüllender als gepflegte Nabelschau.

Im Internet fand ich folgenden bemerkenswerten Satz – den Autoren bzw. die Autorin habe ich leider nicht ausfindig machen können: „Sensibilität ist eine Form der Intelligenz. Es macht keinen Sinn, sie einem Menschen erklären zu wollen, der sie nicht hat.“ Wie wahr! Ich möchte hinzufügen: Sensibilität ist die Intelligenz gerade auch des religiösen Menschen. Und man kann sie zumindest vorleben. Genau darum geht es am Erntedankfest.

Peter Eckstein