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Mensch bleiben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz - Geistliches Wort

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Datum:
5. Juni 2026
Von:
Lydia Haun

Wir haben uns längst an die vielen KI-gestützten Anwendungen gewöhnt. In vielen Haushalten steuert KI wie Alexa Musik, Beleuchtung oder Rollläden. Viele Menschen schauen nicht mehr klassisch fern, sondern streamen, was sie sehen möchten. Wer von uns würde freiwillig auf sein Navi im Straßenverkehr verzichten? Saugroboter oder Mähroboter nehmen uns Arbeit ab und sparen Zeit.

Immer häufiger verwenden wir – auch ich - Chatbots wie ChatGPT, die als virtuelle Assistenten Fragen beantworten, Aufgaben übernehmen oder Informationen zusammenstellen. KI wird längst in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesundheitswesen eingesetzt. Bei seinem Antrittsbesuch in China besuchte Bundeskanzler Friedrich Merz auch die Hightech-Metropole Hangzhou. Mit ihm bestaunte die ganze Welt Chinas Kung-Fu-kämpfende Roboter. In den Nachrichten hören wir immer wieder von Drohnen, die den Frankfurter Flughafen in Alarmbereitschaft versetzen oder von den Drohnenangriffen in der Ukraine und anderen Kriegsgebieten.

In mir mischen sich Gefühle von Bewunderung und Staunen einerseits mit Erschrecken und Sorge andererseits - nicht zuletzt, weil ich mit Filmen wie „Terminator“ oder „Matrix“ aufgewachsen bin. Schon länger bewegt mich die Frage: Wie kann ein an christlichen Werten orientierter Umgang mit diesem bedeutenden technischen Fortschritt aussehen?“

Am 15. Mai dieses Jahres veröffentlichte Papst Leo XIV seine erste Enzyklika mit dem Titel „Magnifica Humanitas – Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“. Darin stellt er grundlegende Fragen zur gegenwärtigen Entwicklung: Wohin gehen wir? Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollen wir als Menschheit und als Völker einschlagen?

Sehr klar hebt er hervor, welchen hohen Beitrag der technische Fortschritt zur Verbesserung der Lebensbedingungen geleistet hat. Zugleich beleuchtet er die Kehrseite: Jede Entwicklung kann Schaden verursachen, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet ist. Ihr Einsatz muss daher an Gewissen und Verantwortung gebunden sein.

Verantwortungsvolle Regelungen nach ethischen Maßstäben zu finden und umzusetzen, ist Aufgabe der Staaten und der weltweiten Staatengemeinschaft. Doch damit endet die Verantwortung des Einzelnen nicht.

KI durchdringt längst unseren Alltag. Deshalb sollte sich auch mein eigener Umgang mit ihr an Gewissen und Verantwortung messen lassen. KI beeindruckt mit ihrer Leistungsfähigkeit. Sie besticht mit ihrer einfachen Anwendbarkeit. Ihre Ergebnisse suggerieren Objektivität und die Kommunikation wirkt menschlich und sympathisch. Doch ihre Antworten sind nicht neutral und nicht zwangsläufig richtig. Sie beruhen auf den Algorithmen, Informationen und Wertvorstellungen, mit denen die Systeme entwickelt und trainiert wurden.

Die Versuchung liegt darin, dass ich ihr das Denken überlasse, mich mit den vorgefertigten Antworten zufriedengebe und mein eigenes Urteilsvermögen vernachlässige. Gerade deshalb ist es wichtig, kritisch zu prüfen, abzuwägen und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

Papst Leo nennt am Ende seiner Enzyklika vier Bausteine für einen Umgang mit KI im Licht des Evangeliums Christi:

  • Bleiben wir der Wahrheit treu. Überlassen wir unsere Entscheidungen nicht den immer raffinierteren Algorithmen.
  • Investieren wir in die Bildung, die bei uns beginnt, damit wir in der digitalen Welt menschlich bleiben.
  • Pflegen wir Beziehungen, weil wir nur in Beziehung Freundschaft, Liebe und Nähe erfahren können.
  • Lieben wir Gerechtigkeit und Frieden, damit KI nicht zum Mittel von Benachteiligung, sondern zum Aufbau eines gerechten Miteinander wird.

Als Christen sind wir Botschafter der Hoffnung auf Gottes Reich – ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit. Frieden und Gerechtigkeit beginnen nicht erst im Himmel, sondern im Hier und Jetzt.

„Genau aus diesem Grund setzen sich Gläubige dafür ein, dass größere Gerechtigkeit an die Stelle der Ungleichheit tritt und dass sich >>anstelle der Kriegsindustrie das Handwerk des Friedens<< etabliert.“       Leo PP. XIV 15. Mai 2026

 

Lydia Haun