Wohin ist Jesus „abgereist“?

Oder: Was meint „Christi Himmelfahrt“?
Das Fest scheint aus der Zeit gefallen.
Natürlich war bei der Entstehung des Festes das Weltbild des Altertums und des Mittelalters die Schablone. Und die sah aus, wie oben beschrieben. Was bleibt nun, wenn die Schablone wegfällt? - Wir haben heute dank der Astrophysik wenigstens eine Ahnung von der Größe des Universums. Was aber wissen wir schon über die unzähligen Gestirne, die uns umgeben? Fast nichts. Wir wissen auch, dass sich unser Universum unendlich schnell ausdehnt. Wo hinein dehnt es sich denn aus? Gibt es jenseits davon überhaupt eine Kategorie „Raum“? Seit Einstein wissen wir, dass Raum und Zeit keine festen Größen, sondern relativ sind. Unser Verstand – das wusste schon Immanuel Kant (1724-1804) - ist aber auf eine Vorstellung von Raum und Zeit programmiert. Und der muss angesichts solcher Wirklichkeiten kapitulieren. Möglicherweise gibt es sogar ein Multiversum, d.h. mehrere Universen nebeneinander. Es ist gut, wenn wir uns klar machen, wie wenig wir von der Wirklichkeit, die uns umgibt, überhaupt erfassen. Erst wenn ein Mensch weiß, wie wenig er weiß, ist er wirklich aufgeklärt! Genau dieses Bewusstsein kann uns zugleich zu dem Fest einen neuen Zugang eröffnen.
Nach Aussage der Evangelien und der Apostelgeschichte ist Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung nicht als Geist in Palästina umhergezogen. Noch am Kreuz verspricht er dem Schächer, der neben ihm hängt: „Heute noch (!) wirst Du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23, 43). „Im Paradies“ meint dasselbe wie: bei Gott! Jesus hat wirklich den Tod erlitten, er ist „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, wie das Glaubensbekenntnis sagt. Auch hier ist die antike Vorstellung Bildgeber, wonach sich das Totenreich unter der Erde befindet. Aber Jesus ist nicht dort hängengeblieben. Überhaupt gelten nach dem Tod die Gesetze vor Raum und Zeit nicht mehr. Versuchen Sie nicht, sich das vorzustellen, Sie bringen Ihren inneren Computer nur zum Absturz. Die Ostererscheinungen, wie die Bibel sie beschreibt, sind immer Erscheinungen „vom Himmel her“ oder sagen wir besser „von Gott her“. Jesus kommt unerwartet und geht plötzlich; Türen und Wände sind kein Hindernis; Entfernungen spielen keine Rolle mehr.
Die Zeit nach Ostern ist sozusagen eine Phase göttlicher Auferstehungspädagogik. In diesen vierzig Tagen versichert Jesus den Jüngern mehrfach, dass er lebt und dass es eine Auferstehung gibt – für alle Menschen. „Himmelfahrt“ bedeutet, so gesehen, vor allem eines: Diese Lehrzeit ist jetzt zu Ende. Für die Jünger beginnt nun eine neue Phase – die der religiösen Selbständigkeit. Das Erfahrene, Gelernte und Durchdachte sollen sie nun anderen weitergeben. Bei Matthäus ist Jesu Abschied explizit mit diesem Auftrag verbunden (Mt 28, 19-20). Dass es hier um eine begleitete Selbständigkeit geht, feiern wir an Pfingsten. Aber das ist ein anderes Thema. - Wer verantwortete religiöse Mündigkeit schätzt, für den kann Christi Himmelfahrt ein hohes Fest werden. Aus der Zeit gefallen ist es jedenfalls mitnichten – ganz im Gegenteil.
Wer die Hl. Messe zum Hochfest Christi Himmelfahrt mitfeiern möchte, hat dazu Gelegenheit am
Donnerstag, den 14. Mai 2026 um 11 Uhr in unserer Weiterstädter Pfarrkirche.
Herzliche Einladung!