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Bewahren und oder Interesse wecken?

Danke für jeden neuen Tag
Datum:
31. Mai 2023
Von:
Walter Montigny

Liebe Leserinnen und Leser,

wie haben Sie es erlebt: Pfingsten, die Sendung des Heiligen Geistes? Haben Sie ihn erspüren können? Ist der Funke übergesprungen? Sind Sie Feuer und Flamme für Jesus? Hat der Heilige Geist Sie bewegt? Bewegen Sie Kirche oder bewegen Sie sich in der Kirche.

Warum diese Fragen?

Ausgehend von Pfingsten sollte es ja unsere Aufgabe sein, Wort und Werk Jesu wachzuhalten und weiter zu geben. Und damit jeder auf der Welt das auch verstehen konnte, kam der Heilige Geist ins Spiel, überwand jegliche Sprachbarrieren.

Was ist jedoch von diesem Anliegen in der heutigen Zeit übriggeblieben?


Einen Taufzwang gibt es nicht mehr. Auch veränderten und verändern sich permanent gesellschaftliche Realitäten hin zur Säkularisierung. Zwar haben Taufe und Kirchenmitgliedschaft nicht immer etwas mit christlichem Glauben zu tun, aber eine Orientierung geben sie schon. Seit den 1960er Jahren entwickeln sich die Kirchenaustritte in Wellen mit einem Höchststand in 2022 von über 350000 Katholiken. 


Diese Entwicklung scheint ungehindert Ihren Lauf zu nehmen. Durch den Missbrauchs Skandal haben sich die Austrittszahlen in den letzten Jahren überproportional erhöht. Was jedoch auch festzustellen ist: Viele Menschen suchen in anderen Religionsgemeinschaften Orientierung. Sie haben nicht Ihren Glauben verloren, sondern sie haben ihre Kirche verloren. 


An Pfingsten hat mich diese Entwicklung erneut aufgerüttelt. Und aus welchem Grund sollten diese Gedanken nicht vom Heiligen Geist inspiriert worden sein. Ergebnis meines Nachdenkens war die Feststellung, dass wir sehr viel Energie investieren, vorhandenes zu bewahren, den Status Quo zu sichern. Und damit unsere Ressourcen fast vollständig binden. Ich möchte damit das Gemeindeleben bei uns in Kelsterbach und das große Engagement vieler Ehrenamtlicher nicht in Frage stellen, sondern unterstreichen. 


Es stellt sich aber die Frage, gibt es Möglichkeiten für mich, die Gemeinde vor Ort, kreativ zu werden oder genügt es uns tatsächlich, bestehendes zu bewahren. Letzteres würde aus mathematischer Sicht dazu führen, dass wir ins Sektendasein abdriften. 

Gott wird es richten! Das wäre zu einfach. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Gott uns für ein solches Handeln seinen Heiligen Geist zur Seite gestellt hat. 


Ein Auftrag an die Gemeinde und jeden Christen ist es doch, die Gute Nachricht der Auferstehung Jesu Christi bekannt zu machen (Matthäus 28,18-20; Apostelgeschichte 1,8). Können wir dies mit unserem Angebot interessant machen oder sollten wir über Neues nachdenken. Gerade die Sicht auf den pastoralen Weg und dessen Weiterentwicklung könnte dafür Möglichkeiten eröffnen.