Mitteilungen vom 10. Okt. - 08. Nov. 26

„...ward einst der Welt geboren eine Sonne"
So dichtete Dante in seiner „Göttlichen Komödie" über den Mann, dessen 800.ten Todestag wir in diesen Tagen feiern: Franz von Assisi. 1226 ist er gestorben und 4. Oktober ist sein Gedenktag. Bis heute ist die Faszination dieses Mannes ungebrochen. Hunderttausende pilgern jedes Jahr nach Assisi, „seine" Stadt. In diesem Jahr auch eine Gruppe aus Heusenstamm und Dietzenbach.
Franz von Assisi lebte in bewegten Zeiten: Die Städte in Italien wurden im 13. Jahrhundert immer bedeutender, der Handel blühte. Viele zogen deshalb in die Zentren, die Bevölkerung nahm zu - ebenso die Zahl der Armen und Abgehängten. Papst und Kaiser kämpften um die Vorherrschaft - und auch die Städte Perugia und Assisi waren im Krieg. Dabei wird Franz verletzt und gefangen genommen. Im Kerker hat er viel Zeit nachzudenken. Nach seiner Rückkehr arbeitet er noch eine Zeit lang im Geschäft seines Vaters - aber alles ist anders. Zwei Ereignisse verändern sein Leben vollends. Er begegnet einem Aussätzigen - und gegen alle Vernunft und Intuition: zu fliehen und einen großen Bogen zu machen - umarmt er ihn und küsst seine Wunden. Das andere: Er betet in einem verfallenen Kirchlein und Jesus am Kreuz spricht zu ihm: Bau meine Kirche wieder auf!
Ab jetzt weiß Franziskus, dass er in der Nachfolge des armen Jesus leben will. In einer aufsehenerregenden Aktion trennt er sich von seiner Familie und seinem Reichtum. Noch durch die Jahrhunderte spüren wir die Radikalität dieses Entschlusses - aber auch die Fröhlichkeit und Leichtigkeit, die Franz so sympathisch machen.
Drei Aspekte sind es, die mich – auch über die Spanne von 800 Jahren - am heiligen Franziskus beeindrucken:
- Es gilt in der Nachfolge des armen Jesus zu sein. Schon damals und bis heute leben Menschen im Bewusstsein, dass alles seinen Preis hat. Franziskus wusste: Wo es Geld gibt, gibt es Sorgen, gibt es Macht, Gier und falsche Maßstäbe. Als „Weltmenschen" werden wir nicht leben können wie der heilige Franz - der den Weg der vollkommenen Armut gegangen ist. Aber es ist schon viel, wenn wir Geld und Materielles als Lebensmittel verstehen - und nicht als Gott und Religion.
- Franz hat die Kirche in Subiaco aufgebaut und der Kirche seiner Zeit eine neue Glaubwürdigkeit gegeben. Er liebte die Kirche dort, wo sie den Menschen Christus bringt, und fordert sie zur Umkehr auf, wo sie nur sich selbst sieht.
- Bis heute anrührend ist der Sonnengesang, den Franz von Assisi geschrieben, gesungen und gebetet hat. Ein Loblied auf Gott den Schöpfer - und die vielfältigen Werke seiner Schöpfung. Darum geht Franziskus mit allem was ist, nicht verbrauchend, sondern achtsam und voller Liebe um. Das ist nicht naiv. Er weiß, dass Gottes gute Schöpfung wunderbar, aber auch verwundet ist. Seinen Sonnengesang betet er, als er im Sterben liegt. Und preist darin den „Bruder Tod“.
800 Jahre Franz von Assisi, noch in unsere Zeit hinein strahlt das Licht dieser Sonne. Da haben Sie recht behalten, lieber Dante.
Martin Weber, Pfr.