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Mitteilungen vom 11.7. bis 16.8.26

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Datum:
10. Juli 2026
Von:
Norbert Holzamer

 

Bitte auf dem Boden bleiben!

So war vor einiger Zeit ein Leitartikel in der FAZ überschrieben. Der Autor beschrieb darin unsere Gegenwart als „Erlebnisgesellschaft“. Nicht mehr Autos, Geld oder Besitz gelten als höchster Luxus – sondern besondere, möglichst spektakuläre Erfahrungen, Erlebnisse.

Als vor einigen Wochen Helene Fischer im Frankfurter Waldstadion auftrat, ging es längst nicht nur um Musik. Sie schwebte ins Stadion ein, fast wie eine Göttin, die die Erde besucht. Hinter dieser Inszenierung stehen akribisches Training, sportliche Höchstleistungen, ausgefeilte Choreografien – und nicht zuletzt ein gewisses Risiko.

Überhaupt begegnet man heute überall Menschen, die scheinbar mühelos die Schwerkraft überwinden: Extrembergsteiger, Freeclimber, Bungee-Springer. Erst kürzlich verunglückte eine junge Brasilianerin tödlich, weil beim Sprung ihr Sicherungsseil nicht befestigt war. Ein tragischer Einzelfall – und doch Ausdruck eines größeren Trends: Der Wunsch nach immer extremeren Erlebnissen breitet sich aus wie ein Virus. Verstärkt wird er durch soziale Medien, in denen Likes und Aufmerksamkeit zu einer Art Aufputschmittel unserer Zeit geworden sind.

Was früher außergewöhnlich war, ist heute massentauglich geworden. Ein Marathonläufer galt einst als Besonderheit, heute gehen beim Berlin-Marathon zehntausende an den Start. Fitnessstudios boomen, und viele betreiben ihren Sport mit einer Hingabe, die beinahe an religiöse 

religiöse Praktiken erinnert. Wo es einst „Trimm-dich“-Pfade gab, kämpfen sich heute sogenannte „Best Ager“ in leuchtender Funktionskleidung durch Triathlons. Selbst der Mount Everest ist längst kein unberührter Sehnsuchtsort mehr: Bilder von Staus am Gipfel gehen um die Welt, während erfahrene Sherpas auch weniger Geübte gegen entsprechendes Entgelt nach oben führen.

Das Extreme hat Konjunktur. Es dient der Selbstdarstellung, der Inszenierung des eigenen Ichs. Das Internet verstärkt diese Entwicklung und wird zur Bühne eines neuen Selbstgefühls.

Dabei gerät das vermeintlich Gewöhnliche leicht aus dem Blick: Das Leben in der Familie, der Beruf, Freundschaften, das Engagement in Gemeinschaft, Gesellschaft und Kirche. All das erscheint manchen plötzlich banal, ja beinahe spießig – gemessen am Ideal eines aufregenden, außergewöhnlichen Lebens.

Mich erinnert das an die Geschichte eines Ehepaars, das lange zufrieden miteinander gelebt hatte. Eines Tages hörten sie von einem Ort, an dem das vollkommene Glück zu finden sei. Sie machten sich auf den Weg, durchquerten die Welt und nahmen viele Entbehrungen auf sich. Der Überlieferung nach sollte dort eine Tür sein – man müsse nur anklopfen, und das Glück würde sich öffnen.

Nach vielen Jahren fanden sie schließlich diese Tür. Mit klopfendem Herzen traten sie ein. Und als sie eintraten, standen sie – in ihrer eigenen Wohnung..

Martin Weber, Pfr.