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Mitteilungen vom 16. Mai bis 14. Juni

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Datum:
19. Mai 2026
Von:
Norbert Holzamer

Eine Frage der Gerechtigkeit?

Vor der Firmung treffen sich die Firmspender mit den Jugendlichen zu einem KennenlernTermin und zu einer Frage-Antwortrunde.
Regelmäßig kommen dann die heißen Eisen zur Sprache: Zölibat, Sexualmoral, LGTB, Genderfragen. Ein Thema ist immer auch: „Warum können in der katholischen Kirche Frauen nicht die Priesterweihe empfangen?“ Das empfinden viele Jugendliche einfach nur als ungerecht. Und es zeichnet junge Menschen aus, dass sie in dieser Hinsicht sensibel sind. Ungerechtigkeiten soll es – um Gottes Willen – nicht geben!

Wie kann da ein Bischof, ein Generalvikar, ein Domkapitular argumentieren? Auf der einen Seite ist das katholische Kirchenrecht ziemlich klar: „Nur ein getaufter Mann kann gültig die Priesterweihe empfangen“. (Canon 1023) Diese Feststellung des Kirchenrechts hat Papst Johannes Paul II 1994 in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ mit starken Worten unterstrichen. Gegen die Annahme, dass man diese Regelung doch leicht ändern könnte, beton er, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht(!) hat dies zu ändern und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig(!) an diese Entscheidungen zu halten haben“ Angesichts dessen ist es schwierig, hier eine andere Position zu vertreten. Deshalb zieht man gerne die weltkirchliche Karte: Eine Priesterweihe der Frau würde unsere Kirche spalten. Weil man etwa in Afrika diesen Weg nie und nimmer mitgehen könnte.

Ich persönlich empfinde diese Argumentation als zwiespältig. Sie bleibt sozusagen „auf Linie“, aber mit dem Subtext: Die haben`s eben noch nicht ganz begriffen. Für mein Empfinden ist das eine sehr defensive Antwort: Den Jugendlichen geht es um Gerechtigkeit. Und wenn etwas ungerecht ist, dann muss man es ändern, egal ob man damit anderen auf die Füße tritt oder nicht.

Aber ist das wirklich so? Ist die Frage, ob Frauen zu Priestern geweiht werden können, eine Frage der Gerechtigkeit? Sehr viele Menschen würden das bejahen. Aber dieser Gesichtspunkt spielt bei der kirchlichen Lehre keine Rolle. Es besteht – das ist Schöpfungstheologie – eine grundlegende Gleichheit von Mann und Frau. Daran gibt es nichts zu deuteln. Kein Mann hat – nur weil er Mann ist – einen Anspruch darauf Priester zu werden. Das Priestertum ist kein Recht, sondern eine Berufung. So wie Jesus Menschen in seine Nachfolge berufen hat, so hat die Kirche Kriterien, wen sie als geeignet sieht oder nicht. Die grundlegende Argumentation ist: Der Priester repräsentiert Jesus insbesondere bei der Eucharistie. Jesus aber war ein Mann und nur ein Mann kann ihn sakramental vertreten. Dem korrespondiert die Symbolsprache der Bibel: Christus ist der Bräutigam, die Kirche seine Braut.

Darüber gälte es zu diskutieren. Keine Frage der Gerechtigkeit, aber höchstspannend! Es geht um Theologie und letztlich auch um Anthropologie und welche Bedeutung Frau- und Mannsein haben.

Martin Weber, Pfr.