Mitteilungen vom 18. April bis 17. Mai

Hat der Wahnsinn noch Methode?
So könnte man fragen, wenn man die Entwicklungen der letzten Wochen anschaut. Die USA und Israel greifen den Iran an – während laufender Verhandlungen wohlgemerkt. Noch nicht einmal der Anschein des Völkerrechtes wird gewahrt. Der Mächtige hat Recht und tut, was er will. Es ehrt unseren Bundespräsidenten, wenn er das klar benennt: Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig! Und man staunt über die Politiker, die im Ukraine Krieg das Völkerrecht dauernd im Mund führen, aber hier plötzlich kleinlaut sind.
Noch nicht einmal in der Begründung des Krieges macht man sich die Mühe, stringent zu sein. Am erbärmlichsten ist die Begründung den Menschen im Iran helfen zu wollen – als Menschenfreunde kann man sich Trump und Netanjahu am allerwenigsten vorstellen. Dann ging es wahlweise um die Beseitigung der atomaren Anstrengungen des Iran oder um die Zerstörung der ballistischen Raketen. Und Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht klarmachen würde: Wir wollen das Öl! Am allerschlimmsten und wirklich Blasphemie: Für all das Gott und Jesus ins Boot zu holen. Aus gerechnet der Kriegsminister Pete Hegseth betet darum, dass die Kugeln und Bomben seiner Soldaten ihre Ziele treffen. Schließlich die Sprache: Voller Gewalt und ohne jeden Skrupel. Am Ende droht Trump mit dem Zurückbomben in die Steinzeit, mit der totalen Zerstörung der iranischen Zivilisation. Parallel dazu bombardiert Israel den Libanon. Um Hisbollah Kämpfer zu töten nimmt sie den Tod unzähliger Zivilisten in Kauf. Es kommt zu Vertreibungen. Ein Zehntel des Landes soll vorerst besetzt bleiben.
Inzwischen ist es zu einem Waffenstillstand gekommen – und ich weiß nicht, ob der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kirchenblattes noch trägt. Was ich aber weiß: Dieser Wahnsinn hat keine Methode! Es ist einfach Wahnsinn. Niemand liebt das Regime in Teheran, aber auf diese Weise zu agieren, wird die Region über Jahre destabilisieren. Man fragt sich, wie sie nach den physischen und moralischen Verwüstungen der letzten Jahre jemals so etwas wie „Frieden“ erfahren kann. Zumal es die Kollateralschäden gibt. Im Westjordanland werden die verbliebenen Palästinenser immer mehr verdrängt; die Christen in Palästina und im Libanon sind total verzweifelt und sehen inzwischen keine Perspektive mehr.
Ein Lichtblick ist in alldem Papst Leo XIV. Er zeigt sich als moralische Autorität und verweist auf das Gebet, die Diplomatie, die Bemühung um den Frieden. Seine ruhige und menschlich vornehme Art berühren die Herzen vieler Menschen. Vor gerade einmal einem Jahr gewählt, fällt er nicht auf durch Kraftmeierei, sondern durch die Suche nach Versöhnung. Übrigens auch innerhalb unserer Kirche.
Martin Weber, Pfr.