St. Gottfried Butzbach:„Auge Gottes in dieser Welt sein“

Evangelische, katholische und orthodoxe Gemeinden feierten gemeinsam „Kirche am Markt“ in Sankt Gottfried
„Kirche am Markt“ – der Name ist Programm. Doch die Wetterprognose ließ das inzwischen traditionelle Fest der evangelischen, orthodoxen und katholischen Gemeinden auf dem Butzbacher Marktplatz nicht zu. So trafen sie sich am Sonntag in der Sankt Gottfriedskirche, und nicht nur die Kindergartenkinder sorgten dort für „gute Laune“.
Eine sehr gut gefüllte Kirche und dichtes Gedränge beim anschließenden Fest der Begegnung im Katholischen Gemeindehaus zeigten: Trotz der Verlegung nach Sankt Gottfried kamen viele Besucherinnen und Besucher, um gemeinsam ihren christlichen Glauben zu feiern. Auch wenn die katholische Sankt Gottfriedsgemeinde und die evangelische Markus-Kirchengemeinde inzwischen Teil jeweils größerer Einheiten ihrer Kirchen sind – Heiliger Bardo Wetterau-Nord und Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nördliche Wetterau – ließen es sich die Butzbacher Ortsgemeinden nicht nehmen, erneut das gemeinsame Fest zu feiern. Mit dabei waren auch die orthodoxe St. Petrus- und Paulus-Gemeinde und die Evangelische Stadtmission Butzbach. So leiteten vier Pfarrer gemeinsam den Gottesdienst: Pfarrer Tobias Roßbach (St. Gottfried), Pfarrer Jörg Wiegand (Markus-Gemeinde), Pfarrer Nicolas Esber (St. Petrus- und Paulus-Gemeinde) und Pastor Kornelius Weiß (Stadtmission).

Sie stellten den Gottesdienst unter das Thema „Du bist ein Gott, der mich sieht“ und legten dies in ihrer gemeinsamen Predigt aus. Im Blick auf die Aussage der Hagar im Buch Genesis betonte Pfarrer Wiegand, dass bei Gott jeder Mensch eine Würde habe. Gott sehe wie bei Hagar das Leid jedes Menschen. Zugleich seien aber auch die Christen aufgerufen, „Auge Gottes“ in dieser Welt zu sein, also eine Quelle zu sein für Menschen, die niemand haben und diese in die Gemeinschaft zurückzuholen, sagte Pfarrer Roßbach. Gott sehe nicht zuerst die Krankheit der Menschen, die er heilt, sondern den Menschen als Person, betonte Pastor Weiß. Er richte Menschen auf und rufe die Christinnen und Christen auf, den anderen wahrzunehmen. Gerade in einer Welt, die immer dunkler werde, seien sie aufgerufen, hinzusehen und zu handeln, sagte Pfarrer Esber: „Lassen wir uns durch Gott die Augen öffnen!“ Passend zu diesen Aufforderungen ging die Kollekte des Gottesdienstes an die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie.

Vielfältig und bunt wie die vier Gemeinden war der Gottesdienst. Elemente aus der orthodoxen Liturgie wie das Tragen des Evangeliars durch die Kirche und das Verteilen von Brotstücken und teils arabische und griechische Gesänge brachten orthodoxes Flair in den katholischen Kirchenbau. Die Musik wurde von Mitgliedern aller Gemeinden gestaltet – vom modernen geistlichen Liedgut bis zum evangelischen Klassiker „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Der Posaunenchor der Markusgemeinde unter Leitung von Uwe Krause war ebenso im Einsatz wie die Band der Stadtmission. Im Projektchor sangen unter der Leitung von Ester Watanabe Männer und Frauen aus mehreren Gemeinden mit. Für besonders fröhliche Stimmung sorgten am Ende des Gottesdienstes die Kinder des Montessori-Kinderhauses St. Martin unter der Leitung von Sr. Leny Luvies und weiterer Schwestern und Erzieherinnen: Sie sangen unter anderem das Lied „Gute Laune“, das von den Menschen im Kirchenschiff begeistert mitgemacht wurde.

Die „gute Laune“ nahmen alle mit hinüber ins Katholische Gemeindehaus, wo Köfte und weitere Spezialitäten aus der orientalischen Küche warteten, die von der orthodoxen Gemeinde vorbereitet worden waren. Kaffee und Kuchen boten die Katholikinnen und Katholiken. Kinderschminken, der Verkauf von Eine-Welt-Waren der Markus-Gemeinde und Informationen der Evangelischen Familienbildung rundeten das Programm ab. So bot das Fest trotz der schlechten Wettervorhersage viel Raum für Begegnung und Austausch unter den Konfessionen.