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St. Gottfried Butzbach:Gemeinsam ein Fest im Gefängnis feiern

Eine Besuchergruppe aus 14 Personen steht im Innenhof der JVA Butzbach
Gemeindemitglieder aus Sankt Gottfried besuchten JVA am Tag der Gefangenen.
Datum:
So. 12. Juli 2026
Von:
Stefanie Rieck

Keine Handtaschen, keine Handys, keine Smartwatches: Bevor sich die 14 Gäste aus der katholischen Kirchengemeinde Sankt Gottfried auf den Weg in den Gottesdienstraum der JVA Butzbach machen können, müssen sie etliche Dinge in einem Schließfach vor dem Gefängnistor verstauen. In der lichtdurchfluteten Kapelle warten schon die ersten Gefangenen auf die Besucherinnen und Besucher. Sie freuen sich auf den gemeinsamen Gottesdienst mit Gästen von „draußen“. Anlass dafür ist der „Tag der Gefangenen“. Dieser wird im Bistum Mainz immer am zweiten Sonntag im Juli gefeiert. Er soll für die Menschen in Haft ein Zeichen der Hoffnung sein und ihnen signalisieren: Ihr seid nicht vergessen. Wir sehen euch als Menschen, nicht als Täter.


„Wir versuchen heute das, was im Gefängnis eigentlich unmöglich ist“, eröffnete Gefängnispfarrer Pater Georg Menke op den Gottesdienst: „Ein Fest zu feiern.“ Das könne gelingen, weil der Glaube die gemeinsame Basis sei: „Wer glaubt, ist nie allein.“ Das spiegelte sich im Gottesdienst wider, denn Besucher und Inhaftierte gestalteten die Feier gemeinsam. Die musikalische Gestaltung übernahmen die sieben Sänger des JVA-Chores unter Leitung von Stefan Maier, geb. Worlitsch. Pater Georg ergänzte den Chor bei einigen Liedern mit seiner Stimme und eine Sängerin aus der Kirchengemeinde sang die Wechselgesänge. Auch die Fürbitten trugen eine Besucherin und ein Gefangener im Wechsel vor.

Ein Priester steht an einem Ambo und predigt.

Die Predigt von Pater Christophe Holzer op, stellvertretender Leiter des Dominikanerordens in Deutschland und Österreich war ein Hoffnungszeichen für alle Menschen, Gefangene und Nicht-Gefangene gleichermaßen. Sein Thema war Gottes Zuwendung zu jedem einzelnen Menschen ganz persönlich, egal wo dieser sich aufhalte. „Gottes Zuwendung ist immer und überall spürbar“, sagte der Geistliche, denn „Gott liebt 9 Milliarden Menschen auf der Welt so, als wäre jeder ein Einzelkind“.

Nach dem Gottesdienst blieb noch Zeit für einen gemeinsamen Eiskaffee und einen Austausch zwischen Gefangenen und Gästen – kurze Gespräche, in denen die Männer in den dunkelroten Hemden kleine Eindrücke vom Gefängnisalltag gaben oder aktuelle Ereignisse diskutiert wurden, von der Hitzewelle bis zum Steinfurter Rosenfest. Dann ging es zurück in den Alltag: für die Gefangenen zurück in ihre Zellen und für die Gäste hinaus zum Gefängnistor, zu ihrem Schließfach und nach Hause.