Unser spiritueller Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis -27. September 2026:3 Minuten für dich und Gottes Wort

Ist noch Zeit?
Liebe Leserinnen und Leser,
269 Tage ist das Jahr 2026 bereits alt. 269 Tage Zeit das umzusetzen, was der eine oder andere sich für das „Neue Jahr“ vorgenommen hat. Ich erinnere nur an die vielen guten Vor-sätze, wie zum Beispiel: mehr auf die Gesundheit achten; mehr Sport treiben; weniger Süßes essen; einen handyfreien Tag in der Woche einplanen; usw. Nachdem jetzt fast neun Monate vergangen sind, wäre es an der Zeit Bilanz zu ziehen. Und, seien wir ehrlich, auch dieses Jahr gibt es mehr gescheiterte Vorsätze als vorzeigbare Erfolgstrophäen. Die Personenwaage zeigt gnadenlos die Kilos an, die zu viel sind. Und dann folgt die beliebte Ausrede: gesunde Ernährung und Sport machen kostet Zeit. Und Zeit hat man nicht! Der handyfreie Tag in der Woche weicht einem handyfreien Tag im Monat. Der Gedanke, handyfreie und damit arbeitsfreie Zeit einzuplanen die sinnvoll mit anderem oder anderen genutzt werden könnte, kann sich gegen den Zwang immer erreichbar sein zu müssen nicht durchsetzen! Statt sich einzugestehen, dass es nur beim Vorsatz blieb, wird versucht den Misserfolg mit Ausreden wegzudiskutieren.
Es gibt aber auch die Erfolgreichen. Die können sich vornehmen, was sie wollen. Es funktioniert. Und dann fragen wir uns, was ist deren Erfolgsrezept? Was macht der Erfolgreiche anders als der Rest? Eine Antwort könnte lauten: Auf dem Weg zum Erfolg heißt es nicht: der Beste zu sein und dann stehen zu bleiben und sich im Erfolg sonnen. Der Weg zum Erfolg lautet: immer wieder besser werden wollen. Da greift der Spruch: der Weg ist das Ziel! Immer wieder besser werden wollen, heißt nämlich: nicht stehenbleiben, sondern weitermachen, nach dem Fallen wieder aufstehen, sich kleine Zwischenziele stecken, und üben, üben, üben!
Im Matthäusevangelium Kapitel 21 Verse 28-32 lesen wir
Jesus sprach zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Wie denkt ihr über folgenden Fall?
Ein Mann hatte zwei Kinder. Er kam zum ersten und sagte: ›Mein Kind, geh' heute und arbeite im Weinberg.‹ Der Junge antwortete: ›Ich will nicht.‹ Später tat es ihm leid und er ging. Der Vater kam zum zweiten und sprach genauso. Dieser Junge antwortete: ›Ja, Herr‹, aber er ging nicht.
Wer von beiden hat den Willen des Vaters getan?«
Sie antworteten: »Das erste Kind.« Jesus sagt zu ihnen: »Wahrhaftig ich sage euch mit allem Ernst: Die Zöllner und die Dirnen werden vor euch in Gottes Welt gelangen. Johannes kam zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Und ihr – obwohl ihr das gesehen habt – seid doch nicht umgekehrt, um ihm endlich doch zu glauben.
Das ist unser spiritueller Impuls für den Alltagl

Jesus zeigt am Beispiel der Gesetzeslehrer und Schriftgelehrten, dass wir uns in unserer Beziehung zu Gott nicht auf der sicheren Seite wähnen dürfen. Denn wer meint den Fensterplatz im Himmel sicher zu haben, der bleibt, bewegt sich nicht mehr, verändert sich nicht. Und fängt an stolz auf seine Leistung zu schauen und lautstark die zu kritisieren und schlecht zu reden, die offensichtlich nie diese Leistung auch nur im Ansatz erreichen können. Jesus lobt die Zöllner und Dirnen, wir würden heute von Betrügern und Prostituierten sprechen, die genau wissen, dass sie nicht die Besten sind. Jesus heißt das auch nicht gut! Aber was er hier beispielhaft emporhebt, ist die Tatsache, dass diese Menschen, die gestrauchelt sind, die ganz unten angekommen sind, die Botschaft von Gottes Barmherzigkeit hören. Sie werden von dieser Botschaft ergriffen und lassen sich aufrichten, damit sie umkehren und neu anfangen können. Sie leben in dem Vertrauen immer wieder neu aufstehen zu dürfen. Denn Gott spricht sein barmherziges Ja zu uns allen. Wir hören es, wir können es vernehmen. Lassen wir uns genügend Zeit Gottes Ja auch anzunehmen? Hören geschieht mit den Ohren. Eine Botschaft wahrnehmen, dazu braucht es den Verstand, um sie zu vernehmen. Annehmen braucht aber mehr. Nicht nur Ohren und Verstand, die sind auch wichtig, Annehmen braucht das Innerste des ganzen Menschen, Annehmen braucht das Herz.
Wenn ich an meine Zeit als Lehrer an den verschiedenen Schulen zurückdenke, und auch an die Zeit als erziehender Vater, dann muss ich feststellen, dass nicht jedes Kind gleich schnell lernt und übt. Bei dem einen geht es flott, das andere braucht mehr Zeit oder sogar ganz viel Zeit. Bekommt das Kind, der Jugendliche, der Erwachsene - also der Mensch – Zeit, so kann er sich in diesem Zeitraum weiter entfalten, umkehren, sich neu ausrichten und neu anfangen.
Christen glauben, dass Gott Herr über die Zeit ist. Er schenkt uns Zeit, er drängt nicht zur Eile, sondern steht mit seinem barmherzigen Ja an unserer Seite.
Eine segensreiche Zeit wünscht Ihnen
Andreas Matzke, Seelsorger i.R.