Erfolgreich!:Liebling, ich habe die Kirche geschrumpft!

Ein Kabarettabend zwischen Lachen und Nachdenken, der noch lange nachwirkt: Mit ihrem Programm begeisterten Martin Schultheiß und Fabian Vogt als Duo Camillo ihr Publikum – und boten weit mehr als bloße Unterhaltung.

Zur Begrüßung stellte Bernhard Christ vom Team Musik-Kultur-Kirche die beiden Musikkabarettisten vor. Es war nicht nur ihr erster Auftritt im Odenwaldkreis, sondern zugleich die erste Veranstaltung der Musik-Kultur-Kirche (MKK) innerhalb der neuen Pfarrei Guter Hirte im Odenwaldkreis. Die MKK befindet sich derzeit noch im Aufbau, die offizielle Gründung ist für dieses Jahr geplant.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich: Dieser Abend würde kein gewöhnlicher werden. Gleich mit dem ersten Lied „Mitten drin“ bezogen die Künstler ihr Publikum aktiv ein. Mit der augenzwinkernden Bemerkung, nicht jeder sei es gewohnt, dass der Fernseher mit ihm spricht, war der Ton gesetzt. Duo Camillo versteht sich eben nicht als reine Unterhaltung, sondern – wie sie selbst sagen – als „Animateure für die intellektuelle Speerspitze des Odenwaldes“.
Mit spitzer Zunge, musikalischem Können und großer Spielfreude nahmen sie ihr Publikum mit auf eine ebenso humorvolle wie tiefgründige Reise. Im Zentrum stand eine Welt, in der scheinbar alles wächst – und doch vieles schrumpft: das Glücksempfinden, der Altersdurchschnitt der Kirchenbesucher oder das Vertrauen in die Politik. Kaum ein Thema blieb unberührt. Dabei trafen sie den Nerv der Zeit ohne belehrend zu wirken.
Besonders überzeugend war die Leichtigkeit, mit der auch ernste Fragen behandelt wurden. Zwischen Liedern, Wortspielen und Improvisationen entstand ein abwechslungsreicher Abend voller überraschender Wendungen. Mal laut und pointiert, mal leise und nachdenklich – genau diese Wechsel verliehen dem Programm seine besondere Spannung. So wurde eindrucksvoll spürbar, warum das Duo seit Jahrzehnten fester Bestandteil der deutschsprachigen Kabarettszene ist.
Immer wieder rückte die Frage nach dem Glauben in den Mittelpunkt – ohne erhobenen Zeigefinger. Mit Witz und Neugier näherten sich die Künstler religiösen Themen und suchten nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Philosophische Gedanken verbanden sich dabei mit alltäglichen Beobachtungen. Das Ergebnis war ein Programm, das neue Perspektiven eröffnete und zum Weiterdenken anregte.
Besonders eindrücklich waren die stillen Momente des Abends. So erzählten sie von einem KZ-Häftling, der trotz unmenschlicher Bedingungen an seinem Glauben festhielt und nach dem Krieg seinem Peiniger vergeben konnte. In solchen Augenblicken wurde es still im Saal – und deutlich, wie viel Ernsthaftigkeit hinter aller Komik steckt. Diese Passagen verliehen dem Abend eine Tiefe, die weit über klassische Unterhaltung hinausging.
Auch die spontane Interaktion mit dem Publikum prägte die Atmosphäre. Zurufe wurden schlagfertig aufgegriffen, wodurch eine vertraute, beinahe familiäre Stimmung entstand.
Den Höhepunkt bildete schließlich eine Totalimprovisation: Thema, Tonart und Stil des letzten Liedes lieferte das Publikum selbst. „Zeller Brücke!“, „geschenkte Zeit!“, „Hoffnung!“, „Suppenhuhn!“ – aus dieser ungewöhnlichen Mischung entstand ein mitreißender „Brückensong“, der Gegensätze verband und die Nähe zwischen Bühne (Altarraum) und Saal (Kirchenbänke) eindrucksvoll hörbar machte.
Am Ende stand ein begeistertes Publikum, das den Abend mit langem Applaus würdigte. Duo Camillo gelang es, Humor und Tiefgang auf besondere Weise zu verbinden – und die Frage aufzuwerfen, wie viel „Schrumpfen“ wir eigentlich hinnehmen wollen, im persönlichen Leben ebenso wie in Kirche und Gesellschaft.
Natürlich kamen die beiden nicht ohne Zugabe davon. Anschließend bedankte sich Pfarrer Ryszard Strojek humorvoll bei den Künstlern und verabschiedete Pastoralreferent Cyriakus Schmidt, der maßgeblich am Aufbau der MKK beteiligt war: „Du warst nicht nur der Macher, sondern auch ihr Gesicht.“ Zugleich würdigte er das Engagement der Ehrenamtlichen, die mit mehreren Veranstaltungen im Jahr kulturelles Leben vor Ort ermöglichen.
Die Vorfreude auf ein Wiedersehen ist groß: Auch im kommenden Jahr sollen die Künstler erneut auftreten. Zuvor wird am 19. Juni 2026 Anselm Grün mit seinem Vortrag „Mut zur Entscheidung“ weitere Impulse setzen und die MKK-Reihe fortführen.
Eines steht fest: Wer diesen Abend erlebt hat, wird ihn nicht so schnell vergessen – weil er nicht nur unterhalten, sondern auch berührt und zum Weiterdenken angeregt hat.