Aufbrechen – Ankommen – Auftanken:Wallfahrt zur Königin der Engel auf den Engelberg


Etwa 60 Teilnehmer reisten gemeinsam mit einem Bus an, der in Michelstadt, Haingrund, Lützelbach und Seckmauern Station machte. Weitere Gläubige kamen mit dem Fahrrad, zu Fuß, mit dem Auto oder den Gemeindebussen zum Engelberg. Gerade diese Vielfalt der Wege spiegelte den Charakter des Tages wider: Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Orten machten sich gemeinsam auf den Weg, um Glauben und Gemeinschaft miteinander zu erleben.
Für die neue Pfarrei hatte die Wallfahrt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung: Erstmals machte sich die im Januar gegründete Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“ gemeinsam auf den Weg zum Engelberg. Damit wurde die traditionsreiche Wallfahrt erstmals zu einer gemeinsamen Wallfahrt aller Gemeinden der neuen Pfarrei und zugleich zu einem sichtbaren Zeichen des Zusammenwachsens im Odenwaldkreis. Gleichzeitig stand die diesjährige Wallfahrt auch im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Bereits zum fünfzigsten Mal pilgerten Gläubige aus der ehemaligen Pfarrei Lützelbach im Marienmonat Mai zum Engelberg. Was über Jahrzehnte in Lützelbach gewachsene Tradition und geistliche Heimat vieler Menschen war, wurde nun erstmals für die gesamte neue Pfarrei geöffnet und gemeinsam weitergeführt.
Nach der Ankunft versammelten sich die Pilger am Busparkplatz unterhalb des Engelbergs. Gemeinsam zog die Gruppe betend und singend in einer Prozession hinauf zur Wallfahrtsstätte. Vorangetragen wurden Kreuz und Fahne, begleitet vom Gesang eines Marienliedes. Viele Besucher und Wanderer entlang des Weges blieben stehen und verfolgten die Prozession aufmerksam.
Zunächst führte der Weg die Pilger zur Marienkapelle im Franziskusgarten. Dort begrüßte Kaplan Cornelius Agbo die Teilnehmer mit einem gemeinsamen Gebet und einem afrikanischen Marienlied aus seiner Heimat. Begleitet vom rhythmischen Klang einer Rassel stimmten die Wallfahrer rasch in den Refrain ein und erfüllten den Franziskusgarten mit Gesang und lebendiger Gemeinschaft.
Anschließend zogen die Pilger gemeinsam in die Wallfahrtskirche ein, in der das Gnadenbild der „Maria von der Freude“ seit Jahrhunderten verehrt wird. Dort wurden die Gäste aus dem Odenwald von Pater Nelson Antoney begrüßt, dem Wallfahrtsseelsorger der Oblaten des Heiligen Josef auf dem Engelberg. Er hieß die Pilger herzlich willkommen und erinnerte an die lange Tradition des Engelbergs als Ort des Gebets und der Hoffnung für Menschen aus nah und fern.
Die Eucharistiefeier stand unter der Leitung von Kaplan Cornelius Agbo. Assistiert wurde er von Diakon Volkmar Raabe und Diakon Frank Wunderlich. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von zehn Messdienern, Lektor Alexander Hohm, dem Kleinen Chor aus Seckmauern sowie Organist Franz Som. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Gottesdienstbesuchern erfüllten die Pilger die Wallfahrtskirche mit kräftigem Gesang und einer dichten Atmosphäre des Glaubens.
In seiner Predigt sprach Diakon Volkmar Raabe über die Sehnsucht vieler Menschen nach Hoffnung, Halt und Orientierung in einer Zeit, die von Unsicherheit und Belastungen geprägt sei. Gerade deshalb habe die Wallfahrt eine besondere Bedeutung: Sie zeige, dass Menschen ihren Glauben nicht aufgeben, sondern sich weiterhin gemeinsam auf den Weg zu Gott machen. Der Engelberg sei seit Jahrhunderten ein Ort, an dem Menschen Trost, Kraft und Zuversicht finden könnten.
Besonders hob Raabe Maria als Begleiterin auf den schwierigen Wegen des Lebens hervor. Sie habe selbst Leid und Unsicherheit erfahren und dennoch auf Gott vertraut. Daraus erwachse auch heute vielen Gläubigen Hoffnung und Ermutigung. Christus, so die zentrale Botschaft der Predigt, lasse keinen Menschen allein, sondern begleite die Menschen auch durch Zweifel, Sorgen und Dunkelheit hindurch.
Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Gruppenfoto vor der Kirche. Anschließend blieb Zeit zur Begegnung und zum Austausch in der Klosterschenke. Viele Pilger nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Eindrücke des Tages zu teilen.
Am frühen Abend trat die Gruppe die Heimreise in den Odenwald an. Mit einem gemeinsamen Schlusssegen während der Rückfahrt endete die erste gemeinsame Engelberg-Wallfahrt der neuen Pfarrei und die fünfzigste Engelberg-Wallfahrt der ehemaligen Pfarrei Lützelbach in dankbarer und froher Stimmung.
Auch die Rückmeldungen der Teilnehmer zeigten, wie sehr der Tag die Menschen bewegt hatte. „Es wird ein unvergesslicher Tag bleiben“, sagte Gisela aus Lützelbach. Carla aus Michelstadt betonte: „Die Lieder und Texte waren wohldurchdacht, tröstlich und mutmachend.“
Für viele Teilnehmer wurde an diesem Tag spürbar, wie aus gewachsenen Traditionen neue Gemeinschaft entstehen kann. Bewährtes blieb erhalten und wurde zugleich für Menschen aus der gesamten neuen Pfarrei geöffnet. So wurde die Wallfahrt nicht nur zu einem geistlichen Erlebnis, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen des Zusammenwachsens der neuen Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“. Beate aus Haingrund brachte es auf den Punkt: „Frohen Mutes und guter Laune verabschiedeten sich die Teilnehmer voneinander und auch ich war dankbar, dass Bewährtes erhalten blieb und zugleich Neues gemeinsam auf den Weg gebracht werden konnte.“