Mythen in Mainz (10)

In jeder Stadt – so auch in Mainz – kursieren erfundene, skurrile, manchmal auch schaurige Geschichten zu historischen Ereignissen, Bauten oder Artefakten, die bei genauem Hinschauen aber schlicht nicht wahr sind. Auch die Mainzer Vergangenheit ist voll von solchen Urban Legends. Dies beginnt mit der Gründung der Stadt, deren Zeitpunkt und Gründer entgegen landläufiger Meinung nicht bekannt sind, setzt sich fort über die Frage nach dem ersten Bischof und dem Alter des Erzbistums und endet bei sehr konträren Meinungen zu Nutzen und Gefahren des Corona-Impfstoffs von BioNTech. Und Selbst vom vielleicht größten Mainzer Stadthelden Johannes Gutenberg sind zahlreiche Geschichten in Umlauf, deren Wahrheitsgehalt einer eingehenderen Prüfung kaum standhält. Manchmal sind Ursprung und Quellen dieser Urban Legends unbekannt, so dass sie sich wahrscheinlich eher durch Hörensagen und zunehmende Ausschmückungen entwickelt haben. Oder es handelt sich, wie bei dem Historiker Franz Joseph Bodmann, um gezielte Fälschungsversuche. Was sich in jedem Fall fassen lässt, sind die mit den Mainzer Mythen verbundenen Intentionen: Häufig zielen die Mythen auf die Herstellung und Nobilitierung einer städtischen Identität, auf die Verortung bedeutender Ereignisse im Stadtraum und die Stiftung von Erinnerungsorten, auf soziale Distinktion und Diffamierung von Einzelpersonen und Gruppen, sei es innerhalb der Stadtgesellschaft, sei es gegenüber anderen Städten, oder auf die Schaffung von Helden und die damit verbundenen Aushandlungsprozesse von Normen und Werten. Die Vortragsreihe widmet sich den besonders prominenten Mainzer Mythen und wird ihnen auf den Grund gehen.
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