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100 Jahre Innovation und Ehrenamt bestimmen die Stärken der Katholische Öffentliche Bücherei St. Sophia Erbach

cour jubiläum (c) KÖB St. Sophia (Ersteller: KÖB St. Sophia)
cour jubiläum
Mo 22. Jun 2015
KÖB-Team
Das 100-jährige Bestehen der Katholische Öffentliche Bücherei St. Sophia Erbach wurde dieser Tage in einer kurzweiligen Gratulationscour begangen. Die wechselvolle Geschichte, aber insbesondere die Stärken der rein ehrenamtlich betreuten Bibliothek, bestimmten das Geschehen.

Die Bücherei ist vor allem eines: ein Ort der Begegnung, und ein angenehmer Ort zugleich, wie Dekan Karl-Heinz Drobner vom Katholischen Dekanat Erbach in seinem Grußwort betonte. Seit 1997 befindet sich die frühere Pfarrbücherei im historischen Palais in der Hauptstraße 42 und hält mit 4100 Medien und rund 22 100 Ausleihen ein Angebot vor, das auch im fernen Mainz mit Freude zur Kenntnis genommen wird. So betonte es Josef Staudinger, Leiter der Fachstelle für Katholische Büchereiarbeit im Bistum Mainz. Bescheiden im Auftreten, aber selbstbewusst und stolz bei der Entgegennahme der Glückwünsche, Ehrungen und Geschenke gestalteten die 16 ehrenamtlichen Kräfte den erschienenen Gästen ein Programm, typisch nach dem Geschmack der Bücherei.

Bei aller Entwicklung in Richtung Internetpräsenz und Onleihe, wo die stets mit der Zeit gehende Bücherei die Nase vorn hat: Etliche Redner drückten ihre Hoffnung darüber aus, dass auch in Zukunft das gedruckte Buch mehr nachgefragt sein möge als die digitalisierte Version. "Büchereiarbeit ist Diakonie; Dienst am Menschen", schlug die Luzia Scharf vom Leitungsteam den Bogen von den Anfängen bis hinein in die Welt der elektronischen Medien. Mit 60 000 Internetbesuchen im Jahr werden so viele Menschen wie noch nie erreicht. Dabei vergessen werden dürfe aber nicht die honorige Initiative, die von mutigen Menschen 1915 mit der Gründung eines örtlichen Borromäus-Vereins ausgegangen ist. Ziel war es, den düsteren und entbehrungsreichen Kriegszeiten Bildung und Ablenkung entgegenzustellen.

Willi Weiers, der im Büchereiteam die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit vorantreibt, griff auf ältere und neuzeitliche Bücher zu, um exemplarisch die Entwicklung vom handgeschriebenen Buch bis zum eBook vorzustellen. Aktuell zeichne sich die KÖB auch dadurch aus, dass sie die am stärksten sich entwickelnde Bücherei des Odenwalds mit rund 100 Veranstaltungen im Jahr sei. "Das Konzept der Erlebnisbücherei mit multimedialer Kompetenz lockt jährlich über 11 000 Besucher in die freundlichen und ansprechenden Büchereiräume. Schwerpunkt des Angebots sind Kinder- und Jugendbücher, ergänzt durch eine Familienbibliothek", so Weiers. Unter den Gästen weilten auch Vertreter der Grundschule Mosssautal, der Schule am Treppenweg, der Grundschule am Hollerbusch und der Schule am Sportpark in Erbach. Eine Partnerschaft besteht auch mit den Kindertagesstätten aus Erbach und Mossautal, um die Leseförderung für Vorschulkinder nach der von der Stiftung Lesen ausgezeichneten Aktion "BibFit" voranzutreiben.

Für die Pfarrgemeinde St. Sophia würdigte deren Vorsitzender Andreas Mader und Pfarrer Martin Eltermann das Engagement der Freiwilligen in der Büchereiarbeit und den dabei erzielten Wert für das Gemeinwesen. Ulrich Godenschweger überbrachte die Glückwünsche der Stadt Erbach und die Bundestagsabgeordnete Patricia Lips brach eine Lanze für die Existenz des gedruckten Buchs als das bessere Instrument für die Entwicklung des Kindes im Unterschied zu elektronischen Medien.

Für den Odenwaldkreis überreichte Kreisbeigeordneter Michael Gänssle eine Anerkennungsurkunde, die im Rahmen der Ehrenamtscard-Initiative vom Kreisausschuss vergeben wird. Zum Ausklang durften die Gäste den unerwarteten kleinen Bildergeschichten des Kamishibai-Theaters über die lange Lesenacht in der Bibliothek und anderen Veranstaltungen lauschen, die das Büchereiteam übers Jahr verteilt durchführt.