Erfolg entdecken und verstehen

Begeisternder Thementag der Büchereiarbeit in Erbach

Datum:
Do 26. Mär 2015
Von:
Red.: Marcel Schneider
"Großes Lob, ich habe hier einen ganz tollen Tag verbracht, der sehr bereichernd für mich war." So eine Teilnehmerin am Ende des Thementages in Erbach. Der Anlass: die Katholische Öffentliche Bücherei St. Sophia blickt in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Würdigung erfährt das Jubiläum auch von der katholischen Büchereiarbeit im Bistum Mainz, die die Ausrichtung ihres "Thementags Büchereiarbeit" dem Erbacher Büchereiteam als Auftakt einer dem Anlass gebotenen Veranstaltungsreihe übertragen hat.

Rund 50 Büchereileitungen und -mitarbeiter aus dem Bereich der Katholischen Büchereifachstelle Mainz, die sich über weite Teile Hessens und Rheinland-Pfalz erstreckt, haben am Samstag den Weg in die Odenwälder Kreisstadt gefunden. Für die Arbeitseinheiten im Plenum und in den Workshops standen die Räume der Pfarrgemeinde im Palais und der Saal in der Remise zur Verfügung. Auch das ehrenamtliche Team der Bücherei St. Sophia verband mit der Veranstaltung etwas Besonderes, denn "das gab es im Odenwald noch nicht und drückt damit eine besondere Anerkennung der regen Büchereiarbeit aus", so Bibliotheksmann Willi Weiers. Selbstbewusst stellten sich die Teilnehmer den Fragen "Wo ist unser Platz? Wie bauen wir Brücken?", wie ein Statement zur pastoralen Ortsbestimmung der KÖBs, so die Abkürzung für den einheitlichen Büchereinamen, überschrieben war. Da hieß es "Bücher-Regale sind Fenster zur Welt" oder "Das Engagement der KÖB ist „ein Stück Dienst am Menschen, seiner Selbstfindung und seiner Selbsterfüllung", worüber Dr. Udo Markus Bentz vom Bischöflichen Priesterseminar St. Bonifatius referierte.

Überhaupt: "Die beste Öffentlichkeitsarbeit leisten die katholischen Büchereien", zollte Thomas Klumb den Anwesenden seinen Respekt. Als zuständiger Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Bistum forderte der auch für seine kabarettistischen Auftritte bekannte Kirchenmann dazu auf, der Kirchenleitung wie dem örtlichen Gemeinderat gegenüber die Rolle eines ehrenamtlichen Bittstellers abzulegen. Denn eines ließe sich nicht von der Hand weisen: "Vielleicht ist es unser größtes Defizit, dass wir in der innerkirchlichen Kultur zu wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung finden", lenkte Weiers den Blick auf einige Zahlen, die für sich sprechen. Im Bistum arbeiten nach eigenen Angaben rund 1.500 Ehrenamtliche in 130 Büchereien. Die katholischen Büchereien zwischen Alsfeld, Bingen und Bad Wimpfen nehmen mit der Zahl der Internetangebote einen Spitzenplatz im Vergleich unter allen anderen Bistümern in Deutschland ein. Allein im Online-Portal OLIMP können 250.000 Medien aus 45 Büchereien abgerufen werden. Begrüßenswert: Das Bistum werde zusätzlich 150.000 Euro für den Ausbau des Online-Verleihs zur Verfügung stellen. Dies 3.800 Veranstaltungen und 3.300 Fortbildungsstunden zeigen das Engagement der Bücherei-Teams, so Weiers.

Im Mittelpunkt müsse aber weiterhin der persönliche Kontakt stehen, waren sich die VIP-Gäste einig, wie der Leiter der Fachstelle für die Büchereien, Josef Staudinger, unterstrich: "Der Erfolg steht und fällt mit engagierten Mitarbeitern." Dem stimmte auch Domkapitular Jürgen Nabbefeld zu, der den Büchereien auch für die Zukunft die fachliche, finanzielle und ideelle Unterstützung zusicherte. Das Statement des Dezernenten für Weiterbildung wurde verlesen, da er an einer Teilnahme am Thementag verhindert war. Bevor es am Nachmittag unter dem Motto "Erfolg entdecken und verstehen. Katholische Öffentliche Büchereien - unerwartet kompetent und attraktiv" um konkrete Hilfestellungen in der täglichen Büchereiarbeit, die Generierung von zusätzlichen Finanzmitteln und die Abwehr von sogenannten "Killerphrasen" ging, arbeiteten die Teilnehmer an vier herausfordernden Szenarien für die Büchereiarbeit im Jahre 2030. Im unglücklichsten Fall wird es keine eigenen Räume mehr geben und die Büchereiarbeit sich auf die Betreuung von Bücherschränken als Ort des kostenlosen Büchertauschs beschränken müssen. Fallen fachliche und finanzielle Unterstützung weg, werden womöglich nur noch aus eigener Kraft überlebensfähige vollkommen selbständige Büchereien übrig bleiben. Müssen Räume aufgegeben werden, blieben am Ende gar nur der Einsatz in der Literaturvermittlung und die Leseförderung übrig, die in Zusammenarbeit mit Schulen aufgebaut wurden. Wofür die Teilnehmer des Thementags heute bereits am liebsten die Weichen stellen wollen, ist "die Bücherei der Zukunft". Gelingt dies, werden die katholischen öffentlichen Büchereien mit ihrem umfangreichen Angebot einen wachsenden Beitrag von kulturellem Wert für die Gesellschaft leisten. [mg]
 

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