Lernen, Missbrauch und Gewalt zu erkennen

Fachfortbildung für BüchereimitarbeiterInnen

praevention
praevention
So 29. Jun 2014
Willi Weiers, Arbeitskreissprecher KÖB
Kindesmissbrauch kommt oft dort vor, wo Eltern ihre Kinder in Sicherheit wähnen: Im familiären Umfeld, in Vereinen, in der Nachbarschaft. Wie aber erkennen Lehrer oder Erzieherinnen, dass ein Kind solche Erfahrungen macht? Die Teams der Katholischen Öffentlichen Büchereien im Odenwald haben sich dieser Frage in einer intensiven Fortbildung angenommen.

Es ist nicht leicht, die Zeichen zu lesen, mit denen sich missbrauchte Kinder mitteilen. Und wenn sie endlich gesagt haben, was ihnen angetan wurde, stehen nicht nur die erschütterten Eltern, sondern auch Lehrer oder Erzieherinnen vor der Frage, wie sie mit der schlimmen Erkenntnis umgehen müssen. Dies betrifft aber nicht nur Menschen, die beruflich mit der Problematik konfrontiert werden, sondern auch Ehrenamtliche. In der modernen Büchereiarbeit gibt es vielfältige Kontakte mit Kindern, Vorlesestunden, Lesenächte und vor allem das alltägliche Gespräch beim Besuch in der Bücherei. Die Teams der Odenwälder Katholischen Öffentlichen Büchereien lernten hinzuhören und Signale zu wahrzunehmen. Das ist besonders wichtig, weil das Empfinden für Nähe und Distanz sehr unterschiedlich sein kann: "Für den einen ist es schon zu viel, wenn jemand einen Meter vor ihm steht, für den anderen ist es eine Umarmung."

Die katholische Kirche ist in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil Pfarrer oder Mitarbeiter Minderjährige sexuell missbraucht haben. Als Reaktion darauf hat die Deutsche Bischofskonferenz Richtlinien verabschiedet, die im Bistum Mainz verbindlich für alle sind, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Die katholische Kirche will Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern Lebensräume bieten, in denen sie ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten können. Dies sollen geschützte Orte sein, in denen junge Menschen sich angenommen und sicher fühlen. Kinder und Jugendliche brauchen und finden Vorbilder, die sie als eigenständige Persönlichkeiten respektieren und unterstützen und denen sie vertrauen können. Die Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern liegt bei den ehrenamtlichen und haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesamtfeld der kirchlichen Arbeit im kinder- und jugendnahen Bereich. Diese sind zu einem reflektierten Umgang mit ihren Schutzbefohlenen und zur zeitnahen und angemessenen Thematisierung von Grenzverletzungen verpflichtet, die durch ihre Kolleginnen und Kollegen oder durch die ihnen anvertrauten Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern begangen worden sind.

köblogo

Diesen Grundsätzen haben die Seminarteilnehmer durch die Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung zugestimmt. Katholische Öffentliche Büchereien gibt es im Odenwaldkreis in Erbach, Höchst, Michelstadt, Neustadt, Seckmauern und Vielbrunn. Hierhin kamen 2013 knapp 30.000 Besucher. Die 69 ehrenamtlichen Mitarbeiter führten 280 Veranstaltungen, insbesondere im Bereich der Leseförderung, durch. Mehr dazu im Internet bei http://www.bistum-mainz.de/dekanatsarbeitskreis-erbach