95. Mittwochskonzert:Harmonie mit himmlischen Tönen von der Empore

Im 95. Mittwochskonzert verbanden sich die Klarinette, gespielt von Sigrun Vortisch (Nürnberg) mit den Klängen der Eule-Orgel, gespielt von Eva-Maria Anton (Regionalkantorin in der Wetterau). Die klangliche Verwandtschaft der beiden Instrumente verschmolz sich im Spiel der Künstlerinnen zu einem „himmlischen“ Klangbild.
Da es kaum Orgelkompositionen für Klarinette und Orgel gibt, griff das Duo auf Bearbeitungen zurück, die Sigrun Vortisch selbst arrangiert hatte.
Zu Beginn erklang die Orgelimprovisation von Josef Gabriel Rheinberger, ein Werk, welches sich gut für die Bearbeitung für ein Melodie-Instrument wie die Klarinette eignet, hier besonders eindrucksvoll der sonore Klang, der die Klarinettistin dem Instrument verlieh.
In dem Choralvorspiel zu dem Passionschoral „Herzliebster Jesus, was hast du verbrochen?“ von Johannes Brahms liegt die Choralmelodie im Sopran. Das fragende und zugleich klagende Thema wurde von der Organistin intensiv herausgearbeitet.
Aus der Orgelfantasie op. 46 von Heinrich von Herzogenberg spielte das Duo die Pastorale, welches wie ein Choralvorspiel von Johann S. Bach angelegt ist: Die Choralmelodie erscheint in der Unterstimme durch die Orgel intoniert, worauf die Klarinette eindrucksvoll mit stark verzierter Oberstimme „antwortet“.
Die 3. Orgelsonate von Alexandre Guilmant beteiligte im 2. und 3. Satz die Klarinette. Der 1. Satz (Preludio) wurde als Orgelsolo gespielt, er beginnt dramatisch mit einem schnellen, bogenförmigen Triolenmotiv. Der Adagio-Mittelsatz ist lyrisch, wobei die Klarinette den Part einer „singenden“ Kantilene übernahm. Die Schlussfuge ist von einer dramatischen Grundstimmung geprägt, beeindruckend und intensiv von dem Duo herausgearbeitet.
Felix Mendelssohns A-Dur-Sonate besteht aus 2 Sätzen. Der erste Satz hat einen majestätischen Rahmenteil und ist mit einem Fugato-Mittelteil mit 2 Themen ergänzt, Das 2. Thema hat als Fundament im Pedal den Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Der Schlusssatz lässt die tröstliche Vision der letzten Choralstrophe anklingen: „Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird“. Sehr schön und ergreifendes von Eva-Maria Anton als Orgelsolo gespielt.
Zum Schluss des Konzertes erklangen drei Sätze der Suite für Violine und Orgel op. 166 in C-Moll von Josef Rheinberger, wobei hierbei die Klarinette den Part der Violine übernahm. Zunächst erklang das Präludium mit einer ausgedehnten Solomelodie, die im Forte beginnt und sich dann nach dem eher verhaltenen Mittelteil zu einem tief empfundenen Abschluss mit der Klarinette entwickelt. In der Canzone tritt die Orgel als Dialogpartner der Klarinette auf. Die abschließende Allemande wird von der Orgel geprägt mit einer eingehenden Melodie. Das Solo-Instrument hat hier eher eine Begleitrolle mit einzelnen Tönen und Passagen.
Das wieder erfreulich zahlreich erschienene Publikum bedankte sich mit langanhaltendem Applaus, wofür sich die beiden Künstlerinnen mit einer schönen Zugabe bedankten.