Unsere Pfarrkirche:Ideen aus Viernheim für unsere Pfarrkirche?

Im südhessischen Viernheim gibt es vier katholische Kirchen – genutzt wird derzeit nur noch eine: St. Aposteln in der Innenstadt. Für die anderen Kirchen sucht die Gemeinde nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Der Weg dorthin war lang und oft herausfordernd, erzählten der leitende Pfarrer Dr. Ronald A. Givens und Koordinatorin Angela Eckart einer Gruppe aus unserer Pfarrei, die zur Besichtigung angereist war.
Die Besuchergruppe aus Offenbach bestand aus Gremienmitgliedern, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, die sich mit der Renovierung und möglichen Neugestaltung des Kirchenraums von St. Josef beschäftigen. Dazu gehört auch der Blick über den Tellerrand: Wie haben andere Gemeinden ähnliche Aufgaben gelöst? Welche Ideen könnten uns inspirieren? Auch unser neuer leitender Pfarrer Christoph Schneider war mit dabei.
Natürlich lässt sich die Situation in Viernheim nicht eins zu eins auf Offenbach übertragen. Dennoch war es spannend zu hören, welche Überlegungen die Viernheimer zu ihrer heutigen Gestaltung geführt haben. Die neugotische Kirche St. Aposteln war ursprünglich klassisch ausgerichtet – Bankreihen von hinten nach vorne, der Altar im Chorraum, ähnlich wie in St. Josef.
Im Mittelpunkt der Umbauten stand eine zentrale Frage: Wie wollen wir Gottesdienst feiern? Welche Bedeutung haben die liturgischen Orte wie Ambo, Altar oder Taufbecken? Was verändert sich, wenn der Altar plötzlich in der Mitte des Kirchenschiffs steht? Und wie möchten wir als Gemeinde zusammenkommen? Diese Fragen haben die Viernheimer intensiv beschäftigt.
Ein wichtiges Ziel war es, Freiräume zu schaffen, die flexibel genutzt werden können. Für die Sonntagsgottesdienste mit 200 bis 300 Teilnehmenden gibt es feste Bänke. Für größere Feiern wie Ostern, Weihnachten oder, wie bei unserem Besuch, die bevorstehende Firmung kann der Raum mit Stühlen auf bis zu 1.000 Plätze erweitert werden.
Gerade diese offenen Bereiche eröffnen viele Möglichkeiten, betonten Pfarrer Givens und Angela Eckart: gemeinsames Mittagessen in der Kirche oder ein eigener Bereich für Kinder. Die Pfarrkirche wurde bewusst so ausgestattet, dass sie im Notfall, wenn sie weitere Gebäude aufgeben müssen, diese ersetzen könnte – inklusive barrierefreier Sanitäranlagen.
Besonders auffällig: Der Altar steht nun nicht mehr im Chorraum, sondern in der Mitte der Kirche, in einer Linie mit Ambo und Taufbecken. Die Bänke sind so angeordnet, dass sich die Menschen teilweise gegenübersitzen. „Das muss man wollen“, sagte Pfarrer Givens, „aber es schafft eine ganz neue Form von Gemeinschaft.“ Es falle so auch stärker auf, wenn mal jemand fehle, ergänzt er. Wer lieber klassisch sitzen möchte, findet weiterhin Plätze im vorderen Bereich.
Die heutige Gestaltung entstand nicht am Reißbrett, sondern durch gemeinsames Ausprobieren. Gemeindemitglieder, Gremien und Hauptamtliche haben Bänke und liturgische Orte immer wieder verschoben, getestet und neu angeordnet, bis sich eine stimmige Lösung ergab.
Mit vielen Eindrücken kehrte die Offenbacher Gruppe zurück und möchte nun weiter an der Raumgestaltung von St. Josef arbeiten. Da es sich um unsere Pfarrkirche handelt, ist es besonders wichtig, dass sich möglichst viele Gemeindemitglieder einbringen – mit Ideen, Rückmeldungen und ihrer Sicht auf die Zukunft unserer Kirche.