Familiengottesdienst Nieder-Erlenbach

Vergangenen Sonntag feierten wir mit vielen Kindern und Erwachsenen einen Familiengottesdienst unter dem Motto „Trau dich zu vertrauen“.
Unser Glaube schenkt uns die Gewissheit: Was auch immer in unserem Leben geschieht - wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott mit uns ist. Ob zu Hause oder unterwegs, selbst, wenn wir scheitern und zweifeln, wenn wir Fehler machen oder einander Unrecht tun: Gott ist mit uns, wir brauchen uns nicht zu fürchten.
Aber wie können wir jemandem vertrauen, den wir noch nie gesehen haben?
Wenn jemand sagt „vertraue mir“, haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder sagen wir: „ja, ich vertraue dir“ oder wir können sagen „warum sollte ich?“.
Im Fall von Gott kommt das Vertrauen von allein, wenn wir verstehen, warum wir das sollten.
In der Bibel bedeutet das Wort „Glaube“ praktisch durchweg Vertrauen. Martin Luther kam nach langem Studium der Bibel zu dem Schluss: „Glaube bedeutet, dass man Gott und seinen Verheißungen von Herzen vertraut. Glaube heißt, zu vertrauen!“ Auch Bibelwissenschaftler sagen uns, dass dies dem hebräischen bzw. aramäischen Sprachgebrauch viel näherkommt.
Anhand verschiedener Bilder, die die Gemeinde vor Beginn des Gottesdienstes auswählen konnte – etwa ein Vater, der sein Kind auffängt, ein Kind vor einer langen Treppe, das darauf vertraut, den Weg zu schaffen, oder ein Seil, das sicheren Halt gibt – gingen wir der Frage nach, was Vertrauen für jeden Einzelnen bedeutet.
Besonders eindrucksvoll wird dieser Gedanke, wenn im Sonntagsevangelium (Joh 3, 16-18) das Wort „glauben“ durch „vertrauen“ ersetzt wird:
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der ihm vertraut, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer ihm vertraut, wird nicht gerichtet; wer ihm nicht vertraut, ist schon gerichtet, weil er dem Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht vertraut hat.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde das vom neu gegründeten Gemeindeausschuss initiierte und von den Messdienern trotz des vorangegangen heftigen Gewitters auf dem überdachten Vorplatz aufgebaute Stehcafé dankbar und mit großer Freude von der Gemeinde angenommen. Mit liebevoll von fleißigen Helferlein vorbereitetem süßem und herzhaftem Gebäck, das von den Messdienern zusammen mit heißen und kalten Getränken serviert wurde, entstanden viele anregende Gespräche und wertvolle Begegnungen.
So wurde das Stehcafé zu einem gelungenen Zeichen dafür, was unsere Gemeinde „lebendig“ macht: Gemeinschaft, Begegnung und das vertrauensvolle Miteinander.
Impuls
Eine Familie aus Amerika war einmal mit dem Auto in Europa unterwegs. Einmal mussten sie drei Tage und Nächte lang am Stück fahren, um nach Deutschland zu kommen. Alle stiegen also ins Auto ein: der Papa, die Mama und die 3jährige Tochter Marie.
Marie war noch nie zuvor nachts gereist. In der ersten Nacht im Auto hatte sie Angst wegen der tiefen Dunkelheit draußen. Sie sagte:
„Wohin fahren wir, Papa?” “Zum Haus deines Onkels in Deutschland.”
„Bist du schon einmal in diesem Haus gewesen?“ „Nein.“
„Kennst du denn den Weg?“ “Mal sehen, wir können ja die Straßenkarte lesen.”
„Weißt du, wie man die Straßenkarte liest?“ „Ja, wir werden sicher ankommen.“
„Wo können wir denn etwas essen, wenn wir Hunger haben bevor wir ankommen?“ “Wir können an einem Restaurant anhalten, wenn wir hungrig sind.“
„Weißt du, ob an der Straße Restaurants sind?“ „Ja, da sind welche.”
“Weißt du, wo sie sind?“ „Nein, aber wir werden ganz sicher eines finden.“
Derselbe Dialog wiederholte sich in der ersten Nacht ein paar Mal und auch in der zweiten Nacht.
Doch in der dritten Nacht war das kleine Mädchen ganz ruhig. Der Vater dachte schon, es wäre eingeschlafen, doch als er in den Rückspiegel sah, bemerkte er, dass es wach war und ganz ruhig umherschaute. Er fragte sich, wieso sie ihre Fragen nicht mehr stellte.
„Marie, weißt du, wohin wir fahren?“ “Deutschland, Onkels Haus.”
“Weißt du, wie wir dorthin kommen?” „Nein.“
„Warum fragst du dann nicht mehr?“
„Weil du, Papa, fährst.“
Wer Freude an der Gestaltung von Familiengottesdiensten hat, kann sich gerne bei Samuel Benjamin Njoo (yunwanhuifai@gmail.com) melden.