Zum Inhalt springen

St. Georg

Kirche St. Georg
Datum:
Di. 3. März 2026
Von:
Eva Baillie

Wer die Kirche St. Georg in Mainz-Bretzenheim besucht, betritt alten kirchlichen Grund und Boden. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 775 stiftete eine adelige Frau „Ada“ dem Kloster Fulda eine in ihrem Eigenbesitz befindliche, Christus, dem Erlöser („Salvator“), geweihte Kirche. 

Die äußere Gestalt der heutigen Kirche basiert auf einem im Jahre 1722 eingeweihten barocken Neubau.

Innenansicht St. Georg um 1910

Während der französischen Besatzung von Mainz 1792/93 wurden die Kirche und der südlich, in Höhe des Chores befindliche Turm in Brand gesetzt, so dass die wertvolle barocke Innenausstattung verloren ging.

Der Kirchturm wurde 1896 um ein Geschoss aufgestockt und erhielt eine Welsche Haube. Er beherrscht noch heute wohltuend den alten Ortskern. 

Durch die beiden barocken Seitenaltäre aus Oberwesel, die 1899 die verlorenen Altaraufsätze aus Kloster Dalheim ersetzten und dem 1906 errichteten neubarocken Hochaltar, war das Bild des Innenraumes das einer barocken Dorfkirche.

heutige Innenansicht St. Georg

Im Zuge einer Umgestaltung der Kirche in den 1960er Jahren wurden u. a. an den Turm eine (neue) Sakristei und an ihrer Westseite eine ursprünglich als Taufkapelle vorgesehene Eingangshalle angefügt. Auch das Innere der Kirche wurde geräumiger und heller gestaltet. So wurden u. a. der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre, sowie die Kanzel entfernt.

St. Georg im 21. Jahrhundert

16 Bilder

Heute kommt man in eine helle, lichte Kirche, mit sparsamer, weitgehend barocker Ausstattung. Das Hochaltarbild (1) mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens ist eines der wenigen erhaltenen Bilder des bedeutenden süddeutschen Barockmalers Johannes Zick.

Der in der Mitte des Chores stehende Zelebrationsaltar (2) entspricht in seinen Formen dem Sarkophag auf dem Marienbild. Dieses stammt, ebenso wie die beiden großen figürlichen Darstellungen des Hl. Josef mit dem Kind und des Hl. Bernhard von Clairvaux, die auf beiden Seiten des Hochaltars zusammen mit zwei Girlanden haltenden schwebenden Engeln ihren Platz gefunden haben, aus dem im Zuge der Säkularisation aufgelassenen Dalheimer Kloster der Zisterzienserinnen in Zahlbach.

Über dem linken Seitenaltartisch (3) befindet sich ein moderner gestaltetes Flachrelief (4) aus Silber auf dem dort in die Wand eingelassenen Tabernakel, dessen Aussagegehalt wohl erst bei naher Betrachtung erkennbar wird. Die Inschrift "Ecce Agnus Dei ecce qui tollit pecatta mundi" am Fuß, weist auf das Lamm Gottes hin, das jeweils in der Mitte der beiden herausgetriebenen Kreuze dargestellt ist. Auf die Gegenwart Christi im Tabernakel verweist das brennende "Ewige Licht" in der Ampel aus dem Jahre 1698, die - wie der aufgebrachten Gravur zu entnehmen ist - vom damaligen Rektor der Mainzer Universität dem Allerheiligsten zur größeren Zierde gestiftet worden ist ("pro maiori ss. sacramenti decore, ..."). 

Über dem Tabernakel hängt ein großes Missionskreuz mit dem gekreuzigten Christus, dessen Gestalt bereits die Auferstehung und neues Leben verkörpert.

Als Pendant zum Flachrelief auf der linken Seite befindet sich an der Wand über dem rechten Seitenaltartisch ein weiteres silbernes Flachrelief (5) mit dem Prolog in griechischer Schrift aus dem Johannes-Evangelium („Im Anfang war das Wort, .... durch das Wort ist alles geworden“), in das ein großer Achat als Symbol alles Bestehenden, gehalten vom Arm des menschgewordenen Gottes, eingebettet ist.

Darüber ist als Halbrelief eine Madonna (6) angebracht, prächtig gewandet, von Engeln (Putten) begleitet, das hoch erhobene Haupt umkränzt von zwölf Sternen (Offenbarung Kapitel 12, Vers 1), auf der Weltkugel stehend, siegreich den Kopf der Schlange zertretend, welche Ohren hat. Diese Madonna konnte im Rahmen der Neugestaltung der Kirche in den 1960er Jahren aus dem Würzburger Raum erworben werden.

An der Decke des Kirchenschiffs befindet sich das Fresko der Darstellung der Krönung Mariens (7).

Das Patrozinium (Festtag: 23. April) geht möglicherweise auf die Zeit der Kreuzzüge zurück, in welcher Georg als Schirmherr der Ritter und Kreuzfahrer sehr verehrt wurde. Eine Georgs-Figur ist 1975 als Nachbildung eines 1770 geschaffenen Originals, das sich in der Pfarrkirche zu Dienheim bei Oppenheim befindet, gestiftet worden. St. Sebastian ist der zweite Schutzherr. Seine Figur stammt aus der Entstehungszeit der Kirche. Beide Patrone (8) haben im vorderen Teil des Kirchenschiffs - sozusagen als verbindende Glieder zwischen Altar und Gemeinderaum - ihren Platz.

Die beiden Figuren auf den Beichtstühlen (9) stellen den Hl. Augustinus (Kirchenlehrer) und den Hl. Franz Xaver (Missionar) dar. Die Herzen in ihren Händen symbolisieren den Aufruf zu persönlicher Umkehr und Hinwendung zu Gott. 

Weitere figürliche Darstellungen sind die Heiligen Barbara im Chorraum (10), sowie Justina und Aureus unter der Empore. Hier befindet sich auch die älteste der 4 Glocken aus dem Jahr 1798 (11).

Eine Figurengruppe "Anna Selbdritt" (12) mit dem Ball spielenden Jesuskind befindet sich in einer Nische der linken Seitenwand des Kirchenschiffes. Sie stammt womöglich ebenfalls aus dem Kloster Dalheim. So wird eine über den gesamten Kirchenraum verbreitete "Gemeinschaft der Heiligen" aussagekräftig ins Bild gebracht. 

Die jetzige Orgel (13) aus dem Jahr 1978 verfügt über 32 Register, die auf drei Manuale und das Pedal verteilt sind. Sie wird öfter auch zu Orgelkonzerten benutzt. So erklingt sie nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch bei geistlichen Konzerten zum Lobe Gottes.

Zu dessen Lob und zur Begleitung durch unser Leben erklingt auch das Geläut der drei Glocken (mit den Schlagtönen es, f, as) im Kirchturm (14): als Einladung zu Gottesdiensten, bei Hochzeiten, Beerdigungen und als Stundenschlag. Hergestellt wurden die Glocken in den Jahren 1953, 1988 und 1797, Gießer sind u.a. Hermann Hamm und Georg Friedrich Schrader. Das Vollgeläut erklingt immer eine viertel Stunde vor Beginn der Vorabendmesse. Glocke II. (Schlagton f) läutet täglich um 12 und 18 Uhr den Angelus. 

Erwähnenswert ist das Mosaikfenster im „Windfang“: die Darstellung des Heiligen Geistes (15) und das ehemalige Hauptportal, das Hochzeitsportal (16).