Im Kern des römischen Dieburg, das zu Beginn des 2. Jahrhunderts, in der Regierungszeit Kaiser Hadrians (117-138) entstand, beginnt im 8. Jahrhundert die Dieburger Kirchengeschichte.
Die ungewöhnlichen Maße der Kirche, das Mauerwerk, für das römisches Abbruchmaterial verwendet wurde (dabei hat man auch einen Torso der römischen Göttin Minerva aus den Fundamenten geborgen), verweisen auf eine Urkirche aus vorkarolingischer Zeit.
Erste schriftliche Nachricht über die Kirche findet man erst 1222 in einer Urkunde, in der ein Pfarrer bei einem Streitfall zum Schiedsrichter ernannt wurde. Allerdings wird er nur mit den Initialen "St" erwähnt.
In einem Siegelbrief der Kurie in Avignon, ausgestellt am 8. Oktober 1330, wird der Kirche, die den hl. Petrus und Paulus geweiht ist, ein vollkommener Ablaß gewährt. Dies geschah vermutlich hinsichtlich des Bauvorhabens zu Beginn des 14. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde die im Jahre 1216 durch Feuer zerstörte Kirche wieder instandgesetzt und der gotische anstelle des gleichfalls zerstörten romanischen Chores angebaut.
Erste urkundliche Erwähnungen Dieburgs stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Obwohl nach der Stadtgründung die Kirche "extra murus", also außerhalb der Stadtbefestigung war, 1216 durch Feuer stark beschädigt, einige Jahre später notdürftig instandgesetzt wurde und erst 100 Jahre danach größere Umbauarbeiten an ihr erfolgten, behielt sie doch bis 1569 - und somit etwa 800 Jahre - den Rang einer Pfarrkirche.
Ein Neubau erfolgte Ende des vorigen Jahrhunderts, 1893 wurde die neue Stadtpfarrkirche eingeweiht.
Am 2. Oktober 1944 wurde Dieburg um 11.30 Uhr von mehreren Flugzeugen bombardiert. An diesem Tag wurde die Nordwestecke der Pfarrkirche samt Empore und Orgel völlig zertrümmert. Die von den Explosionen verursachten Druckwellen vernichteten außerdem alle Fenster der Süd- und Westseite und des Chors.
In den Jahren 1978/79 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche durchgeführt und eine neue Orgel angeschafft.
Die bevorstehende Jahrhundertfeier der Stadtkirche wurde zum Anlaß genommen, ihr die neugotische Ursprünglichkeit wiederzugeben. Dies geschah ab 1989 bis 1993. So wurden die 14 Kreuzwegstationen von der übertünchten grauen Farbe befreit, gereinigt, mit einem wertvollen Rahmen versehen und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.
Auch wurde der Hochaltar restauriert, dessen Türmchen (=Fialen) und Kreuzblumen ergänzt werden mußten, bevor man ihn im freigelegten alten Farbstil erneuerte. Danach erfolgte die Instandsetzung des Marienaltars, dessen Gesprenge sich in den letzten Jahren bedenklich nach vorne neigte und abzubrechen drohte. Er wurde abgebaut, in der Werkstatt gereinigt, neu vergoldet und wieder an seinem Standort aufgebaut. Als nächstes wurde die Rochusstatue vollkommen vom schwarzen Farbton befreit. Hierbei kam die frühere Farbgebung mit dem vorwiegenden Gold zum Vorschein, so daß es hierbei lediglich einer Auffrischung bedurfte. Auch der Wambold'sche Taufstein aus dem Jahre 1685 erhielt eine Auffrischung. Die Aufstellung der um das Jahr 1400 geschaffenen Pieta am Haupteingang wurde von der Gemeinde sehr begrüßt. Wegen umfangreicher Schäden durch Holzschädlinge mußte auch der Dachstuhl renoviert werden. Eine große Aufgabenstellung war auch die Erneuerung der Kirchenfenster, die größtenteils seit dem Luftangriff im Jahre 1944 noch mit einer Notverglasung versehen waren. Die Erhaltenen auf der Nordseite des Kirchenschiffes im Nazarenerstil und vorhandene Reliefs von Heiligen dienten als Vorlage für die 7 neuen Kirchenfenster auf der Südseite der Kirche. Zur Wärme- und Schalldämmung, sowie zum Schutz gegen äußere Einflüsse erhielten alle Fenster der Kirche eine Schutzverglasung mit Acrylglas.
Mit der Gründung der Pfarrei St. Christophorus, Dieburger Land und Auflösung der alten Pfarreien und des Pastoralraums wurde die Kirche zur Pfarrkirche der neuen Pfarrei.
