KEB Südhessen - Kunst am Mittwoch:Online-Reihe: Auf dem Weg sein – Wandern und Pilgern in der Kunst - Teil 3

Auf Entdeckungsreise gehen
Wandern und Pilgern sind eine Möglichkeit, die Welt und ihre Natur neu zu entdecken und ganz bei sich zu sein im Takt des Gehens. Entlang der Pilgerwege entstehen große Kunst und Architektur wie die Kathedralen mit ihren prachtvollen Reliquienschreinen, Malereien, Skulpturen und Glasfenstern. Handwerker begeben sich seit dem 12. Jahrhundert „auf die Walz“, um sich durch neue Perspektiven und Begegnungen beruflich zu qualifizieren. Bettelorden wie Franziskaner und Dominikaner ziehen vom Land in die Städte, Heilige erleben auf dem Weg durch die Natur Wunder und Visionen. Albrecht Dürer zeichnet im Freien das Leben in den Wiesen und wird inspiriert zu „traumhaften“ Himmelserscheinungen. Leonardo malt die Gottesmutter, ihren Sohn und Heilige inmitten einer Felslandschaft und schafft so einen unmittelbaren Bezug zur Lebenswelt der Gläubigen. Künstlerische Bildungsreisen, etwa nach Italien, schaffen Kontakte mit Menschen und Kulturen und dokumentieren eine neuartige Flora, Fauna, Landschaft und besondere Architektur. Im 16. Jahrhundert etwa zeigt der Niederländer Maarten van Heemskerk in seinen Skizzenbüchern von Rundgängen durch die Ewige Stadt den Neubau des Petersdoms oder gewaltige römische Ruinenlandschaften mit vergleichsweise winzigen Menschen.
Ab dem 15. Jahrhundert beginnen die Entdeckungen neuer Kontinente, verbunden mit wissenschaftlichen Forschungsreisen, bei denen auch Künstlerinnen und Künstler unterwegs sind. Maria Sibylla Merian und Alexander von Humboldt erforschen und zeichnen die neu entdeckte Flora und Fauna Amerikas. Der Philosoph Rousseau und der Dichter Goethe beschwören die Rückkehr zur und die Besinnung auf die Natur. Im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Industrialisierung mit ihren sozialen Konflikten, den Freiheitsbewegungen, und der Romantik entsteht der Begriff „Wanderlust“. Caspar David Friedrich stellt Wandernde inmitten eines umfassenden, großartigen Naturerlebnisses dar. Damals wie heute bilden Sehnsuchtsorte das Ziel der äußeren und inneren Wanderungen, etwa bei den Freilichtmalern der Haager Schule, bei Auguste Renoir und Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Der zeitgenössische Künstler Wolfgang Laib verwandelt gefundene Naturelemente wie Blütenstaub in Rauminstallationen. Katharina Grosse definiert die Landschaftsmalerei neu, indem sie Landschaftselemente und Architektur durch Spritzpistolentechnik mit einem Rausch der Farben überzieht. Aspekte von Umweltzerstörung und die Folgen des wandernden Massentourismus in der Kunst sollen nicht fehlen.
Auch das Unterwegssein auf dem Lebensweg, etwa das Thema „am Scheideweg“ und Spaziergänge ins Jenseits, werden vorgestellt: Der Dichter Dante durchschreitet in seinem epochalen Werk „Die Göttliche Komödie“ im Heiligen Jahr 1300 mit seinen Begleitern Vergil und Beatrice gar die Hölle, das Fegefeuer und das irdische Paradies auf dem Weg zur Gottesschau und wird zum Bildthema in der Renaissance.
Dies und vieles mehr erleben Sie in vier Online-Vorträgen.
Termine (jeweils von 19 Uhr - 20.30 Uhr):
- 3. September 2025, 1. Oktober 2025, 5. November 2025 und 3. Dezember 2025
Teilnahmegebühr:
- Einzelvortrag: 7 Euro
- alle 4 Vorträge der Reihe: 21 Euro
Wenn Sie sich in einer besonderen sozialen Situation befinden, kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail. Wir finden gemeinsam eine Möglichkeit für eine vergünstigte Teilnahmegebühr.
Anmeldung
Online-Reihe: Auf dem Weg sein – Wandern und Pilgern in der Kunst - Teil 3
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