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110. Mittwochskonzert mit Christian Bischof (München):Klangräume der Romantik mit Klavierwerken an der Eule-Orgel

Christian Bischof (C) Thomas Stimmel-20
Im 110. Mittwochskonzert bot Christian Bischof zunächst zwei Orgelbearbeitungen ursprünglicher Klavierwerke.
Datum:
1. Juli 2026
Von:
Bruno Bellinger

Felix Mendelssohn schrieb seine sechs Präludien und Fugen für Klavier op. 35 im Jahr 1837. Sie sind eine Art Rückbesinnung auf die Blütezeit des Kontrapunktes, der für Mendelssohn und seine Epoche nicht mehr stilprägend war. Bei dem sechsten und letzten Werk dieser Reihe, Präludium und Fuge B-Dur, verbindet sich die Strenge der fugierten Satztechnik mit einer ausgesprochen romantischen Klangsprache. Das Präludium eröffnet feierlich und weit ausschwingend; sein ruhiger, beinahe hymnischer Charakter bereitet den Boden für die folgende Fuge, die lebendiger, bewegter und zugleich klar strukturiert erscheint. Gerade in diesem Gegensatz zeigt sich Mendelssohns besondere Fähigkeit, historische Formen nicht bloß nachzuahmen, sondern sie mit eigener Ausdruckskraft neu zu beleben. Aus Sicht des Organisten liegt die besondere Herausforderung darin, diese Transparenz auch auf der Orgel zu bewahren. Da der Klang hier nicht wie am Klavier natürlich verklingt, verlangt das Werk vom Organisten eine sehr bewusste Artikulation, eine klare Stimmenführung und ein fein abgestimmtes Registrieren. Dies gelang Christian Bischof in beeindruckter Weise. Besonders in der Fuge traten die einzelnen Stimmen plastisch hervortreten, ohne dass der Gesamtklang schwer oder undurchsichtig wurde.

Auch Frédéric Chopins Nocturne f-Moll op. 55 Nr. 1 war ursprünglich für Klavier geschrieben. Das Stück entfaltet eine nachdenkliche, gesangliche Melodie über einer ruhigen Begleitung und verbindet elegische Ruhe mit einem bewegteren, dramatischeren Mittelteil. Die hier gespielte Fassung für Orgel hat Bischof selbst arrangiert. Dadurch gewinnt die Musik eine neue Klangdimension: Die kantable Linienführung wurde durch die differenzierte Registrierung hervorgehoben, während die harmonischen Spannungen und der abschließende Übergang nach F-Dur besonders wirkungsvoll zur Geltung kamen.

Den Abschluss dieses anspruchsvollen Konzerts romantischer Kompositionen bildete Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“, Dieses Werk gehört zu den monumentalsten Orgelwerken des 19. Jahrhunderts. Als thematische Grundlage dient der Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ aus dem ersten Akt von Giacomo Meyerbeers Oper Le prophète. Liszt schuf aus dem Opernchoral kein bloßes Arrangement, sondern eine eigenständige, groß angelegte Fantasie- und Fugenkomposition.

Formal verbindet Liszt drei große Abschnitte: eine dramatische Fantasie, ein lyrisch-kontemplatives Adagio und eine ausgedehnte Fuge. Das Choralthema erscheint dabei in immer neuen Gestalten: zunächst feierlich und machtvoll, später verinnerlicht und harmonisch aufgehellt, schließlich als treibende Grundlage der Fuge. Typisch für Liszt ist die Technik der thematischen Transformation: Aus einem einzigen musikalischen Gedanken entwickelt sich ein vielschichtiger Verlauf von dunkler Spannung über meditative Ruhe bis hin zu triumphaler Steigerung.

Mit seiner Aufführungsdauer von etwa einer halben Stunde, seiner virtuosen Pedaltechnik und seinem orchestralen Klanganspruch sprengte das Werk die damaligen Grenzen der Orgelliteratur. Bischof vermittelte mit seiner ausgeprägten Spieltechnik diese gerade bei Liszt ausgeprägte Konzeption in überzeugender Weise.

Für den langanhaltenden, stehenden Applaus bedankte sich Christian Bischof mit einer Zugabe.