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109. Mittwochskonzert:Paolo Oreni - Ein Feuerwerk virtuoser Improvisationskunst aus Italien

Paolo Oreni während des Konzertes auf der Leinwand
Das 109. Mittwochskonzert – am Vorabend zum Fronleichnamsfest – war ein Feuerwerk der Improvisation. Paolo Oreni aus Treviglio (in der Nähe von Mailand) zeigte seine ganz eigene Kunst des Orgelspieles und nahm die Zuhörer*innen mit in ein wunderbares Orgelklangerlebnis.
Datum:
3. Juni 2026
Von:
Bruno Bellinger

Oreni tritt international auf – z.Zt. ist er auf großer Deutschlandtour - und gilt als virtuoser Improvisator und Konzertorganist.  Dabei liegt seine Stärke nicht nur im spontanen Erfinden von Musik, sondern im stilistischen Verwandeln.

Im Programmheft wurden zwei Stücke namentlich genannt, nämlich die Sinfonie aus der Kantate „Wir danken dir, Gott“ (BWV 29) von Johann Sebastian Bach und die Fantasie und Fuge über den Namen B.A.C.H von Franz Liszt in der syncretischen Fassung von J. Guilliou. Oreni spielte noch zwei weitere Stücke, eines von Vivaldi („Larghetto“ aus dem „Concerto“ D-Dur in Bachs Bearbeitung -BWV 972-) und der „Allegro“-Kopfsatz aus Charles-Marie Widors „Orgelsymphonie“ Nr. 6 g-Moll , sozusagen spontan dazwischen. Aber Oreni spielt keine Orgelliteratur nach Partitur, sondern er entfaltet aus den Werken eine ganz eigene Klangwelt.

Oreni besticht an der Orgel durch beeindruckende Virtuosität, die weit über bloße technische Brillanz hinausgeht. Mit souveräner Beherrschung von Manualen und Pedal, präziser Artikulation und feinem Gespür für klangliche Nuancen verleiht er selbst den komplexesten Passagen eine bemerkenswerte Klarheit und innere Geschlossenheit. Besonders eindrucksvoll war dabei die Fähigkeit, die große klangliche Vielfalt des Instruments auszuschöpfen und durch eine differenzierte Registrierung farbenreiche musikalische Räume zu eröffnen. Doch nicht nur technische Meisterschaft prägte das Spiel, sondern ebenso eine tief empfundene musikalische Gestaltungskraft: Spannungsbögen wurden mit sicherem Instinkt aufgebaut, dynamische Kontraste wirkten organisch, und selbst in den machtvollsten Steigerungen blieb der Ausdruck stets kontrolliert und stilistisch überzeugend. So entstand eine Interpretation, die gleichermaßen durch Präzision, Ausdruckstiefe und künstlerische Reife faszinierte.

 

Am Ende des Konzertes – quasi als Zugabe - bot Paolo Oreni an, Themen aus dem Publikum aufzugreifen und daraus spontan eine größere musikalische Form zu entwickeln. Meisterhaft verband er mehrere zugerufene Stücke (z.B. Joh. Seb. Bach, „Jesus bleibet meine Freude“) zu einem zusammenhängenden Ganzen. Besonders ansprechend die Verarbeitung von Beethovens berühmtem „Freude schöner Götterfunken“-Themas zum Schluss dieses Vortrages.

Das Publikum spendete langanhaltenden stehenden Applaus, wofür sich der Künstler mit einer Zugabe bedankte und alle konnten gleichsam beschwingt und reich beschenkt nach Hause gehen.