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108. Mittwochskonzert:Unter dem Schlagwort „Symphonic Journey“ spielte Yoerang Kim-Bachmann Werke von Bach, Beethoven, Dvorak, Holst und Wagner

Yoerang Kim-Bachmann
Die Organistin des 108. Mittwochskonzertes, Yoerang Kim-Bachmann, ist in der kirchenmusikalischen Szene von Gießen noch in bester Erinnerung als ehemalige Dekanatskantorin des evang. Dekanates Gießen. Daher war es nicht verwunderlich, dass zu diesem Konzert in die Bonifatiuskirche besonders viele Zuhörer*innen strömten.
Datum:
6. Mai 2026
Von:
Jos Pellekoorne und Kornelia Rebel

Yoerang Kim-Bachmann, die seit 2019 Kirchenmusikerin an der Tersteegenkirche Düsseldorf ist, bot in diesem Konzert große Werke vom Barock bis zur Klassik und Romantik. Dabei standen besonders Werke der Klassik und Romantik im Mittelpunkt, die überwiegend als Orchesterwerke bekannt sind und hier als Orgelfassung zu einem besonderen Hörerlebnis wurden.

Zunächst begann das Konzert mit gewohnten Klängen eines Orgelkonzertes, mit dem „Praeludium und der Fuge e-moll“ (BWV 548) von Johann Sebastian Bach, welches zu den bedeutendsten Orgelwerken des Barocks gezählt werden kann. Das Präludium beeindruckt durch seinen kraftvollen, majestätischen Charakter und die reiche kontrapunktische Ausarbeitung. Die Fuge besticht durch ihre kunstvolle Themenführung und ihre dramatische Steigerung bis zum abschließenden Höhepunkt. Mit diesem Werk zeigte Kim-Bachmann eindrucksvoll Bachs Meisterschaft in der Orgelkomposition.

Nun folgte ein Werk, der 2. Satz der 7. Sinfonie von Ludwig van Beethovens, welches den meisten Zuhörern sicher eher als großes symphonisches Konzert mit Orchester bekannt sein dürfte. So konnte man gespannt sein, wie dieses Werk auf der Orgel erklingt. In der Orgelfassung kommt die charakteristische, getragene Melodie des Allegrettos besonders gut zur Geltung, während die rhythmischen Begleitmuster und die harmonische Tiefe durch die Klangfarben der Orgel eindrucksvoll hervorgehoben werden. Die Bearbeitung ermöglicht es, den emotionalen Ausdruck und die dramatische Spannung des Originals auf ein neues Instrument zu übertragen und bietet sowohl Zuhörern als auch Organisten eine faszinierende Interpretation dieses Sinfoniesatzes. Kim-Bachmann gelang es eine monumentale, geschlossene Klangfläche zu erzeugen. Mit dem Orgelspiel entstand ein sakraler, meditativer bis feierlicher Charakter.

Franz Liszt hat den berühmten Pilgerchor aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ meisterhaft für Orgel transkribiert. In dieser Bearbeitung gelingt es Liszt, die erhabene, feierliche Stimmung des Originals auf das Instrument zu übertragen. Diese Orgelfassung brachte Kim-Bachmann mit feinen dynamischen Abstufungen und der klanglichen Bandbreite der Komposition eindrucksvoll zur Geltung.

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel für gelungene Orgeltranskriptionen sind die Sätze „Venus, die Friedensbringerin“ und „Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit“ aus Gustav Holsts berühmter Orchestersuite „Die Planeten“ (op. 32). Besonders „Venus“ entfaltet auf der Orgel ihre sanfte, sphärische Klangwelt und vermittelt eine friedvolle Atmosphäre. „Jupiter“ hingegen besticht in der Orgelfassung durch seine majestätische Melodie und lebendige Rhythmik, die dem Werk einen festlichen und optimistischen Charakter verleihen. Kim-Bachmann konnte in beiden Bearbeitungen neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen.

Auch der dritte Satz aus Antonín Dvořáks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ wurde für Orgel bearbeitet. Die rhythmisch markante und tänzerische Melodik des Scherzos entfaltet auf der Orgel eine besondere Wirkung, wobei die charakteristischen böhmischen Elemente und die energiegeladene Dynamik des Originals erhalten bleiben. Die Orgelfassung ermöglicht es, die orchestrale Farbigkeit und die mitreißende Stimmung dieses Satzes eindrucksvoll auf das Tasteninstrument zu übertragen, eindrucksvoll von Yoerang Kim-Bachmann umgesetzt.

Die Zuhörer*innen bedankten sich mit langanhaltendem stehendem Applaus für das mitreißende und wunderbare Konzert.