Pfarrkirche St. Gordianus

von Dr. Torsten Panholzer

 

Die Pfarrkirche St. Gordianus in Bad Kreuznach-Planig ist die Hauptkirche der katholischen Pfarrei St. Gordianus. Die Pfarrei liegt am westlichen Rand des Bistums Mainz und umfasst die Bad Kreuznacher Stadtteile Planig, Ippesheim und Bosenheim sowie die Gemeinde Biebelsheim.

 

Architektur

In den Jahren 1899 und 1900 erbaute man die Pfarrkirche nach den Plänen des Mainzer Architekten und späteren Dombaumeisters Ludwig Becker (1855-1940). Sie wurde 1901 zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu und des heiligen Märtyrers Gordianus geweiht (Baugeschichte).

In der Epoche des Historismus wählte man einen leichten spätromanischen Stil. Die Leichtigkeit zeigt sich in einer aufgelockerten, gegliederten Fassade und in zahlreichen großen Glasfenstern, die viel Licht ins Innere einfluten lassen.

Außen ist die Kirche unverputzt, man kann die hellbraunen Bruchsteine mit Gliederungen aus rötlichem Sandstein sehen. Das nach Südosten ausgerichtete Hauptschiff ist ein zehn Meter hoher, gewölbter Saalbau, der in einer breiten Apsis endet. Daran sind zwei Seitenschiffe angefügt, sodass ein kreuzförmiger Grundriss entsteht. Die Seitenschiffe sind etwa halb so lang und zweidrittel so hoch wie das Mittelschiff.

Über dem Hauptportal erhebt sich der 20 Meter hohe Kirchturm, der das Ortsbild von Planig prägt. Oberhalb des Langhausdaches hat der Turm Fenster zu allen Seiten. Sie sind Schallöffnungen für das Geläut. Darüber folgen Dreiecksgiebel, die das steile schiefergedeckte Rautendach tragen. Am Turm ist im Westen ein kleinerer Treppenturm angelehnt, über den man zur Empore gelangt.

 

Innengestaltung

Kapelle

Wenn man die Pfarrkirche über das Hauptportal betritt, sieht man links im Untergeschoß des Turms eine kleine Kapelle. Darin stand früher der Taufstein. Seit 1970 befindet sich zum Gedächtnis der Opfer der Weltkriege eine Pieta [1, siehe Grundriss]. Die Skulptur der schmerzhaften Muttergottes mit ihrem toten Sohn ist im Stil der Renaissance gehalten.

 

Chor

Kommt man in das Kirchenschiff, beeindruckt die gewaltige Apsis, die das Langhaus auf der gesamten Breite abschließt. Dominant sind dort sieben große Chorfenster [2] mit farbig bemaltem Glas. Die mittleren drei wurden im Jahr 1900 vom Mainzer Glasmaler Bernhard Kraus (1867-1935) geschaffen. Darauf sind Jesus am Kreuz, links davon die Geburt und rechts das letzte Abendmahl dargestellt (Bilder auf der Startseite).

Die Geburtsszene zeigt die Heilige Familie, zwei Hirten und einen Esel, darüber das europäisch Burg-ähnlich abgebildete Bethlehem. Über der Abendmahlszene sieht man orientalische Gebäude von Jerusalem, darunter Jesus inmitten der Apostel sowie Judas mit Geldbeutel. Auf dem mittleren Fenster sind Jesus am Kreuz, Maria und Johannes dargestellt. Die Figurengruppe darunter scheint auf den ersten Blick rätselhaft. Der goldfarbene Löwe ist ein Sinnbild für den Messias nach der Offenbarung des Johannes: „Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids (Offb 5,5)." Er wird von zwei Propheten flankiert, die in Verbindung zum Kreuz stehen. Sie hatten das Leiden und die Auferstehung des Messias vorausgesagt. König David (links) sagte über ihn: „Du gibst mich nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen (Ps 16,10; Apg 2,27)." Und Jesaja (rechts) kündigte an: "Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht, er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab (Jes 53,10)." Auf allen drei Chorfenstern sind zudem Engel zu sehen.

In der Mitte des Chors steht seit der Renovierung im Jahr 1970 ein Altarstein [3] aus spanischem Corallo-Marmor, entworfen von Innenarchitekt Egon Kerbeck aus Mainz. Darüber hängt im Triumphbogen wie schon zur Kirchweihe das große Missionskreuz[4]. Hinter dem Altar befindet sich seit 2007 eine Holzstele mit dem vergoldeten Tabernakel [5]. Sie wird flankiert von Büsten der zwölf Apostel [6]. Die Figuren und der Tabernakel stammen vom nicht mehr erhaltenen neuromanischen Hochaltar. Diesen hatte 1908 der Maler und Bildhauer Friedrich A. Ewertz aus Münster in Westfalen angefertigt.

 

Hauptschiff

An den Wänden hängen 14 Ölgemälde aus der Erbauungszeit der Kirche. Im Stil der Nazarener zeigen sie die Stationen des Kreuzwegs [7]. Zwischen den Innenrenovierungen 1970 und 1998 waren sie an die Pfarrei St. Quintin in Mainz abgegeben. Weiter vorne fällt rechts die große Kanzel [8] aus Eichenholz auf. Die Reliefs daran sind allegorische Darstellungen der christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die  Szene der Bergpredigt. Friedrich Ewertz hatte die Kanzel im Jahr 1900 erstellt. Von ihm sind auch der Taufstein mit einer Johannes-Figur [9] im rechten Seitenschiff und die geschnitzte Kommunionbank [10] aus Eichenholz, die jetzt den Abschluss der vorderen Sitzreihen bildet.

Am Pfeiler gegenüber der Kanzel steht, wie bereits 1901, eine große Herz-Jesu-Statue [11], denn die Kirche ist auch dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Jesus deutet auf sein sichtbares Herz entsprechend des Hochgebets: „Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle."

Georg Busch aus Steinheim am Main malte 1907 die Kirche aus. Im Hauptschiff über den Bögen zu den Seitenschiffe fertigte er vier große Wandgemälde [12] an: Schöpfung und Sündenfall (rechts) sowie Kreuzestod und Wiederkunft Christi (links). Weitere Wandbilder der Heiligen Laurentius [13] und Karl Borromäus [14] begrenzen die sieben Chorfenster. Bei der Innenrenovierung 1998 wurde die ornamentale Bemalung der Gewölbebögen, die bei der Renovierung 1970 verloren ging, rekonstruiert. Auch wurden 1998 die Säulen im Chor wieder stärker farblich gestaltet.

 

Seitenschiffe

In den Apsiden der zwei Seitenschiffe stehen bemalte Holzfiguren der Gottesmutter Maria [15] und des Heiligen Josefs [16]. Beide stammen aus dem ausgehenden Barock und beide haben das Jesuskind auf dem Arm. Das Kind bei Maria hält eine Kreuzeslanze in seinen Händen, womit es in den Rachen einer Schlange stößt.

Die Fenster der linken Apsis [17] zeigen die Heilige Barbara mit einem Turmmodell, als Hinweis auf ihre Gefangenschaft, und Elisabeth von Thüringen mit Rosen, in die sich die Brote verwandelt hatten. In den Fenstern der rechten Apsis [18] sieht man Johannes den Täufer, der auf das Lamm Gottes in einer Taufschale zeigt, und den Franziskanermönch Antonius von Padua mit Kreuz zur Glaubensverkündigung und Lilien als Zeichen einer reinen Seele. Diese Fenster hatte Bernhard Kraus im Jahr 1900 geschaffen.

Im rechten Seitenschiff findet man beim Taufstein eine Statue des Kirchenpatrons Gordianus [19] aus dem beginnenden 18. Jahrhundert. Der Heilige lebte im vierten Jahrhundert. Dem Namen nach stammte er aus Gordion in Phrygien. Er war ein Richter, der sich mit seiner Familie taufen ließ und während der Christenverfolgung unter Kaiser Julian Apostata in Rom enthauptet wurde. Gordianus ist mit rotem Untergewand und blauem Umhang dargestellt. In seiner rechten Hand hält er die Waage der Gerechtigkeit als Hinweis auf sein Richteramt und in der anderen das Schwert der Tapferkeit zum Bekenntnis des Glaubens.

Die Fenster im linken Seitenschiff zeigen das Wappen von Papst Leo XIII., in dessen Pontifikat die Kirche gebaut wurde, und das Wappen des Bistums Mainz. Darunter steht eine barocke Figur der Heiligen Katharina von Alexandria [20]. Auf dem Kopf trägt sie eine kleine Krone. Ihre linke Hand hält das zerbrochene Rad, mit dem sie wegen ihrer Missionstätigkeit gefoltert werden sollte. Schließlich wurde sie mit dem Schwert enthauptet.

 

Empore und Orgel

Beim Verlassen der Kirche sieht man über der Empore mit Kassetten-Ornamenten den Orgelprospekt [21]. Die Orgel ist 1908 von Michael Körfer aus Gau-Algesheim eingebaut worden. Sie wird flankiert von Skulpturen des Heiligen Benedikt von Nursia [22] und seiner Schwester, der Heiligen Scholastika [23] aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Beide erinnern an die lange Verbindung der Pfarrei zum Benediktinerkloster St. Jakob in Mainz, das in Planig Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude unterhielt (Geschichte). Unter der Empore befindet sich eine barocke Madonna als Himmelskönigin [24]. Sie ist  mit Krone und Zepter dargestellt. Auch das Kind auf ihrem Arm ist bekrönt.

 

Geläut

Im Turm hängen folgende drei Glocken. Sie entstanden im Jahr 1900 in der Gießerei Otto in Hemelingen bei Bremen.

Marienglocke

  • Ton as
  • 763 kg, 130 cm Durchmesser.
  • Inschrift: Sancta Maria, sentiant tuum juvamen, quicumque confugiunt ad te.

Josefsglocke

  • Ton b
  • 495 kg, 91 cm Durchmesser.
  • Inschrift: Sis sancte Joseph, hujus familiae custos et protector, ne desint ulla bona.

Michaelsglocke

  • Ton c
  • 350 kg, 81 cm Durchmesser.
  • Inschrift: Sancte Michael Archangele, defende nos, ne pereamus in tremendo judicio.

 

Außengelände

In der Gartenanlage der Kirche sind  Säulenschäfte und Kapitelle aus den ehemaligen Klostergebäuden aufgestellt. An der westlichen Außenwand steht eine Sandsteinskulptur des Heiligen Johannes Nepomuk [25]. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Brückenheilige zerbrochen aus dem Appelbach in der Dorfmitte geborgen. Zeitzeugen versicherten aber, dass auf einer Planiger Brücke nie eine solche Figur gestanden hat. Wie sie in den Bach kam ist ungeklärt.

Am rechten Seiteneingang findet man auf einer Säule mit Kapitell eine barocke Marienfigur mit gefalteten Händen [26], die auf einer Mondsichel und einer Schlange steht. Es ist ein Abguss einer Sandsteinstatue. Das Original befand sich früher in einer Nische bei den Klostergebäuden und wird heute im Mainzer Dommuseum aufbewahrt.

Daneben steht ein Grabmal im gotischen Stil mit Jesus als guter Hirte [27]. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts für das Grab von Pfarrer Joseph Hirter auf dem Planiger Friedhof geschaffen. Als es am Ende des 20. Jahrhundert von dort entfernt werden musste, ließ es Pfarrer Wendelin Loeb bei der Kirche aufstellen und wünschte dort beigesetzt zu werden. Mit einer Sondergenehmigung der damaligen Bezirksregierung wurde dies 2003 ermöglicht.

An der östlichen Kirchenwand steht ein großes Steinkreuz [28] auf einem Sockel mit Barockelementen. Der im Vergleich zu den Balken kleine Metallkorpus aus der Zeit um 1770 wurde später angefügt. Es diente ursprünglich als Feldkreuz.

An der Seite zur Biebelsheimer Straße befindet sich ein Heiligenhäuschen mit Treppengiebel, das älter als die Pfarrkirche ist. Es wurde 1892 geweiht. Darin ist heute eine Maria Immaculata (um 1900) untergebracht. Maria, von der Erbsünde befreit (lateinisch: immaculata), ist stehend ohne Kind dargestellt. Sie hat einen Sternenkranz um das Haupt und eine Schlange zu Füßen, deren Kopf sie zertritt. Das schmiedeeiserne Tor des Bauwerks wurde nach alten Vorlagen um das Jahr 2000 erneuert.

Zudem wurde 1892 ein ähnliches Heiligenhäuschen am Westausgang des Ortes errichtet. Es musste jedoch 1969 dem Bau der Nahetalhalle weichen.