Liebe Schwestern und Brüder,
Der Text des heutigen Evangeliums klingt geheimnisvoll. Der Evangelist Johannes beginnt mit diesen für uns heute so schwer zu verstehenden Worten den Bericht über das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu. Er macht das ganz anders, als die anderen Evangelisten: er erzählt nichts von der Geburt, also vom Anfang des Lebens Jesu auf Erden. Trotzdem ist es eine ‚Anfangs-Geschichte’: Johannes will gleich zu Beginn sagen, wer dieser Jesus ist, von dem er berichtet.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und
das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Liebe Schwestern und Brüder,
„Wie soll ich nur anfangen? Wie soll das enden?“ Anfänge und Enden fühlen sich manchmal wie Türschwellen an: aufregend, unsicher, voller Spannung. Und doch dürfen wir wissen: Gottes Hand ist immer dabei. Er geht jeden ersten Schritt mit uns und hält jedes letzte Wort in seinen Händen. „In Gottes Namen packen wir es an!“ – ein Versprechen, das uns trägt.
Über uns spannt sich ein Regenbogen – bunt, leuchtend, voller Hoffnung. Ein Zeichen dafür, dass Gottes Treue uns begleitet, egal wie neblig oder schemenhaft unser Weg vor uns liegt. Im Evangelium hören wir: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Dieses Wort wird in Jesus greifbar, menschlich, voller Zuneigung. Wer es aufnimmt, wird ein Kind Gottes – ein Licht, das selbst die dunkelsten Ecken erhellt.
Auch wir erleben gerade einen Neuanfang: Unsere neue Pfarrei Guter Hirte IM Odenwaldkreis ist entstanden. Altes liegt hinter uns, Neues liegt noch im Nebel, doch wir gehen mutig voran. So wie der Regenbogen über uns, ist Gottes Wort ein Lichtbogen der Hoffnung, der uns den Weg weist.
Möge er uns den „Geist der Weisheit und Offenbarung“ schenken, unsere Herzen erleuchten und uns Mut geben, die Hoffnung, die er uns schenkt, jeden Tag neu zu leben. Denn im Anfang steht das Wort: „Du sollst sein! Und es ist gut, dass du da bist.“ Und am Ende wird dieses Wort uns ein letztes, erfülltes Licht schenken – wie ein Regenbogen, der über allem währt.
Gedankenanstöße
• Wo in meinem Leben brauche ich gerade einen Neuanfang, und wie kann ich ihn mit Gottes Hilfe wagen?
• Wo darf ich das Licht Jesu in der Welt sichtbar werden lassen, in kleinen Taten oder Worten?
• Welche alte Last kann ich loslassen, um Platz für Neues zu schaffen, getragen von Gottes Treue?
• Wie kann ich in dieser Woche selbst ein Zeichen der Hoffnung sein – wie ein Regenbogen für andere?
Segenswunsch
Gott segne dich an diesem Sonntag und in der neuen Woche.
Möge sein Licht wie ein Regenbogen über dir leuchten,
dich an jedem Anfang stärken, an jedem Ende trösten
und dich voller Hoffnung durchs Leben führen.
Mit herzlichen Segenswünschen und eine gute Woche,
Diakon Volkmar Raabe