Die Sternsinger sind wieder im Odenwaldkreis unterwegs

Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit

Sternsinger-Banner 2026 (c) Sternsinger Kindermissionswerk
Sternsinger-Banner 2026
Datum:
Mi. 31. Dez. 2025
Von:
Christiane Raabe

Odenwaldkreis. Es ist wieder so weit: Die Sternsinger sind unterwegs! Während das Weihnachtsfest noch nachklingt und in vielen Häusern der Duft von Tannengrün in der Luft liegt, beginnt im Odenwald eine der traditionsreichsten Aktionen des neuen Jahres. Vom zweiten Weihnachtstag an bis weit in den Januar hinein ziehen die Sternsinger durch Städte, Dörfer, Straßen und Höfe. Wer in diesen Tagen ein Klopfen an der Haustür hört oder Kinderstimmen vor dem Haus wahrnimmt, kann sicher sein: Die Könige sind nicht weit.

Schule statt Fabrik (c) Sternsinger
Schule statt Fabrik

Mit funkelnden Kronen, farbenfrohen Gewändern, einem leuchtenden Stern und sichtbarer Freude bringen Kinder und Jugendliche den Segen für das neue Jahr in die Häuser. Ihr Besuch ist für viele Menschen ein vertrauter und zugleich besonderer Moment – ein Augenblick des Innehaltens, der Zuversicht und des Glaubens. Die Sternsinger stehen dabei nicht nur symbolisch für die biblischen Weisen aus dem Morgenland, sondern auch für Hoffnung, Frieden und gelebte Nächstenliebe.

Was vor Jahrzehnten in den Gemeinden des Odenwaldes begann, ist längst zu einem festen Bestandteil des kirchlichen Jahres geworden. Die Sternsingeraktion gehört für viele Familien ebenso selbstverständlich zum Jahresbeginn wie der Segen an der Haustür. Türen öffnen sich, Lieder erklingen, Menschen kommen ins Gespräch. Diese kurzen Begegnungen, oft nur wenige Minuten lang, hinterlassen dennoch Eindruck und machen den besonderen Charakter der Aktion aus.

Dem sichtbaren Einsatz der Sternsinger geht eine intensive Vorbereitung voraus. In zahlreichen katholischen Pfarreien im Odenwaldkreis beginnen Kinder, Jugendliche und ihre Begleiter bereits Anfang Dezember mit den Planungen. Sie beschäftigen sich mit dem jeweiligen Beispielland der Aktion, erfahren mehr über die Lebensbedingungen von Kindern in Not, üben die Lieder für die Hausbesuche und bereiten sich inhaltlich wie praktisch auf ihre Aufgabe vor. Auch das Anprobieren der Königskostüme gehört dazu und steigert spürbar die Vorfreude.

Wir bringen den Segen (c) Sternsinger
Wir bringen den Segen

Ein Höhepunkt dieser Vorbereitung sind die feierlichen Aussendungen der Sternsinger in den Gottesdiensten. In den katholischen Pfarrgemeinden St. Johannes der Täufer in Bad König, St. Karl Borromäus in Neustadt und Christ-König in Höchst wurden die Sternsinger an den Weihnachtstagen offiziell ausgesandt; in weiteren Gemeinden folgen diese Gottesdienste in den kommenden Tagen. Mit dem Segen der Gemeinde machen sich die Gruppen anschließend auf den Weg. Von Haus zu Haus bringen sie den Segenswunsch sichtbar an – traditionell mit Kreide oder durch ein Segensband an der Tür. Da der Wunsch nach einem Besuch vielerorts größer ist als die Zahl der Gruppen, werden ergänzend auch Segenstüten verteilt.

Viele Menschen im Odenwald erwarten den Besuch der Sternsinger mit Vorfreude. Der Segensspruch des vergangenen Jahres ist oft bewusst entfernt worden, Spenden und kleine Süßigkeiten für die Kinder liegen bereit. Dann schreiben die Sternsinger ihren Segen über die Tür: „20*C+M+B+26“ – Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus. Für zahlreiche Familien ist dies ein festes Ritual zum Jahresbeginn, verbunden mit dem Wunsch nach Schutz, Frieden und Gottes Begleitung.

Gleichzeitig ist die Sternsingeraktion weit mehr als eine religiöse Tradition. Sie ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder und setzt sich für benachteiligte junge Menschen auf der ganzen Welt ein. Gerade in Zeiten globaler Krisen erhält dieses Engagement besondere Bedeutung. Wenn Kinder im Odenwald von Tür zu Tür ziehen, sammeln sie nicht nur Spenden, sondern geben ein lebendiges Zeugnis christlicher Verantwortung.

Die Sternsinger zeigen Jahr für Jahr, wie viel durch gemeinschaftliches Handeln bewirkt werden kann. Ihr Einsatz verbindet Generationen, öffnet Türen und Herzen und macht die Botschaft von Weihnachten im Alltag sichtbar – leise, aber nachhaltig, von Haus zu Haus. Dieses Engagement erhält mit jeder Aktion ein inhaltliches Gesicht und einen konkreten Auftrag.

Sternsingerrückkehrgottesdienst (c) KJB Südhessen
Sternsingerrückkehrgottesdienst

Unter dem Leitwort „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ steht die 68. Aktion Dreikönigssingen 2026. Beispielland ist Bangladesch, dessen Situation exemplarisch verdeutlicht, wie Kinderarbeit Bildungschancen raubt und die Zukunft von Millionen Mädchen und Jungen beeinträchtigt. Die Aktion lenkt den Blick auf die Kinderrechte auf Schutz und Bildung und ermutigt dazu, sich aktiv gegen Ausbeutung einzusetzen. Träger der bundesweiten Aktion sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die gesammelten Spenden kommen jedoch nicht nur dem Beispielland zugute, sondern fließen weltweit in Projekte für benachteiligte Kinder in rund 90 Ländern – etwa für Bildung, Schutz, Ernährung und medizinische Versorgung. Seit dem Start der Aktion im Jahr 1959 konnten auf diese Weise mehr als 1,4 Milliarden Euro für Kinder in Not gesammelt werden.

Auch der Sternsinger-Rückkehrgottesdienst hat im Odenwald eine über 20-jährige Tradition. Dabei kommen die Sternsingergruppen der katholischen Gemeinden nach Abschluss ihrer Besuche zu einem gemeinsamen Gottesdienst zusammen. In diesem Jahr wird er erstmals im Rahmen der neuen Pfarrei Guter Hirte im Odenwaldkreis gefeiert und findet in der katholischen Kirche in Reichelsheim statt. Ab 15 Uhr treffen sich die Gruppen unter dem Motto „Spiele, Spaß und Snacks“ in den Räumen der katholischen Gemeinde Reichelsheim. Um 17 Uhr folgt der gemeinsame Sternsinger-Rückkehrgottesdienst, zu dem alle Menschen aus dem Odenwald herzlich eingeladen sind.