Schmuckband Rad

Taufe – Sakrament der Würde:

Die Taufe als ein Initiationssakrament (Taufe – Firmung - Eucharistie) ist das größte, grundlegende und wichtigste Sakrament, das in die Kirche eingliedert und in der die übrigen 6 Sakramente der katholischen Kirche in gewisser Weise enthalten sind. Durch die Taufe wird jeder Mensch Gottes Volk. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm...“ (1 Petr 2,9) Ausdruck für eine Neue Würde ist die Salbung mit Chrisam, mit der auch Könige und Priester gesalbt wurden. Weiter heißt es im Petrusbrief: „...damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sei wunderbares Licht berufen hat.“ Das heißt, dass die Gläubigen als Getaufte nicht nur Hörende sein sollten, sondern auch Verkünder des Evangeliums. Sie sollen durch ihr Christsein auch zu Zeugen der Frohen Botschaft des Lebens füreinander werden. Durch dieses uralte Taufverständnis wird auch das Thema Christenrechte in der Kirche und Menschenrechte in der Gesellschaft angesprochen. So bekommt dies auch eine politische Bedeutung.

Durch den Namen, der bei der Taufe genannt wird – das Ja Gottes zum Menschen - wird der einzelne Christenmensch unwiderruflich in die Rechte als Subjekt der Kirche eingesetzt. Der Name bleibt schlicht und ergreifend das Zeichen seiner Würde. Dieses Wort gilt jedem einzelnen Menschen, wer die Menschenwürde antastet, der tastet auch Gottes Würde an.
Der Respekt vor dem Gewissen des Einzelnen muss das Miteinander prägen. So baut sich Gemeinde und Kirche von unten her auf, von den einzelnen Menschen, die von Gott angenommen sind. Kirche und Gemeinde zeigen sich als freie Gemeinschaft derer, die von Gott berufen sind und deren Berufung durch die Taufe bestätigt wurde. Die Würde des Namens gilt so vor allem den Armen und Schwachen, denen die sonst nichts gelten, denn gerade in ihnen ist Jesus ganz besonders gegenwärtig.

Aus der Eigenständigkeit eines jeden Menschen in der Kirche folgt die Eigenständigkeit der Gemeinden und Ortskirchen, in denen die Gläubigen sich sammeln. So kann die Kirche auf das bauen, was einzelne Christen und die Ortskirchen in die Gesamtkirche einbringen. In der Taufe ist die grundsätzliche Gleichheit aller angelegt. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid eins in Christus.“ (Gal 3,27) Dieses alte Taufbekenntnis zeigt ganz klar die Richtung an: alle Unterschiede werden gleichgültig. „...nicht Juden und Griechen.“: Die Sünde des Rassismus und Nationalsozialismus. Die Missachtung anderer Menschen in den verschiedenen Ländern – auch heute leider noch in unserem Land -  ist so auch immer eine Missachtung Gottes, der das freiheitliche Leben aller Menschen will. Das II. Vat. hat mit Nachdruck den Respekt vor allen Menschen und Völkern auf der ganzen Welt versucht wiederherstellen, und doch tun sich Menschen, angesichts der Ausländerfeindlichkeit, noch schwer die Überwindung des Rassismus und Nationalsozialismus konkret werden zu lassen. Hier kann es nicht darum gehen, der andere sollte mir ähnlich gemacht werden, sondern es geht darum ihn in seinem Anderssein zu achten und zu ermutigen. Die Sorge für die Ausgegrenzten, Fremden, Asylsuchende usw. ist somit der fundamentale caritative Bestandteil jeder kirchlichen / gemeindlichen Arbeit.

„Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller“ (Eph 4,4). Die grundlegende Einheit aller Getauften ist eine von Gott vorgegebene und gestiftete Einheit. Diese von Gott vorgegebene Einheit existiert auch heute noch, trotz aller Unterschiede in den Kirchen. Die Einheit der Kirchen bleibt so Auftrag aller Getauften. So ist es grundlegende Aufgabe von Getauften, Gemeinden und der Ortskirchen, immer wieder Wege zu suchen, die Ökumene voranzutreiben.

Die Taufe bestätigt deutlich die Würde und die Freiheit eines jeden Menschen. Die Taufe begründet die Christenrechte in der Kirche und vertieft die Menschenrechte in der Gesellschaft. Die Taufe entwirft das Bild einer Gemeinde und Weltkirche, aber auch einer Gesellschaft, in der die Menschen menschenwürdig miteinander umgehen, nach dem Willen Gottes. Hinter einem solchen Taufverständnis wird schlichtweg ein Gott deutlich, der selber nicht über die Menschen herrschen will, sondern uns gleich wird (außer der Sünde) und sich in Jesus Christus  erniedrigt, um Mensch unter Menschen zu werden.

Diakon Eberhard Utz