Ein persönlicher Blick:Aufregung rund um St. Achatius
Die eucharistische Anbetung rund um die Uhr hatte 2020 ursprünglich in der Kapelle Heilige Familie in Bretzenheim begonnen. Auf das Engagement von Pastoralreferentin Ursula Schwarz hin nehmen sich seither zahlreiche Gläubige aus Mainz und Umgebung – darunter auch ich - einmal in der Woche mindestens eine Stunde Zeit für Stille und Gebet in der sichtbaren Gegenwart Jesu. Anfang 2025 musste die Anbetung zunächst wegen Renovierung, dann dauerhaft in einen Sakristeiraum der St. Achatiuskirche umziehen.
Im oben erwähnten Artikel der AZ war nun zu lesen, dass sich Anwohner der engen Stichstraße An der Achatiuskirche von nächtlichen Beterinnen und Betern in ihrem Schlaf gestört fühlten. Die Nutzung der dort liegenden Parkplätze wurde als zu laut und die Scheinwerfer der Autos wie auch die nötige Beleuchtung des Weges zum Nebeneingang der Kirche als zu hell erlebt. Daneben kam wohl auch immer mal wieder die grundsätzliche Frage auf, wer berechtigt sei, die von der Pfarrei reservierten Parkplätze zu benutzen.
Mir – wie auch anderen Mitgliedern der Anbetung – war nach Erscheinen des Artikels sofort klar, dass das Thema nächtliche Ruhestörung ernst zu nehmen ist. Die Bemühungen, die Frau Schwarz zuvor schon unternommen hatte, um insbesondere die Lichtbelastung zu reduzieren, reichten wohl leider nicht aus.
Als kurz danach am 17. Juni erneut in der AZ über die Anbetung berichtet wurde, war mein Verständnis allerdings deutlich geringer: Offenbar gab es auch Konflikte zwischen der Anbetungsgruppe und anderen Gemeindemitgliedern, über die letztere aus ihrer Perspektive der Redakteurin berichten durften. Gute journalistische Praxis wäre es gewesen, auch die andere Seite, also Beterinnen und Beter, zu hören und deren Sicht darzustellen. Das ist leider nicht geschehen.
Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass sich die Gemeindeleitung zu diesem Zeitpunkt in geeigneter Form an die Gemeindemitglieder gewandt hätte. Die Zeitungsartikel, manche Leserbriefe und eventuell Hörensagen ließen doch ein eher schiefes Bild der Situation vor Ort erscheinen.
Erfreulicherweise stellte am 30. Juni 2026 ein dritter Artikel in der AZ, der die Stellungnahme der Gemeindeleitung zitierte, manche zuvor verzerrte Darstellung richtig. Zugleich wurden dort unter anderem Gespräche mit allen Beteiligten in Aussicht gestellt.
Inzwischen...
... hat unsere Pfarreileitung zusammen mit dem Verwaltungsrat festgelegt, dass die reservierten Parkplätze zwischen 22.15 und 5.45 Uhr nicht befahren werden dürfen. Der Zugang zur Anbetung erfolgt in dieser Zeit vom unteren Zugang zur Kirche, um die störende Beleuchtung nachts nicht zu aktivieren. Außerdem wird ein Elektriker beauftragt, die Bewegungsmelder nachzujustieren und über mögliche alternative Beleuchtungsoptionen zu beraten. Die Auswirkungen dieser Regelungen sollen ein halbes Jahr beobachtet und dann auf Basis von Gesprächen mit den Beteiligten das weitere Vorgehen beraten werden.
Weiter gab und gibt es künftig Gespräche des Leitungsteams mit den in St. Achatius aktiven Gruppen.
Mein persönliches Fazit: Auch wenn ich persönlich weder vor noch nach den neuen Regelungen von den Konflikten direkt betroffen war bzw. bin, so hat mich die negative Presse doch sehr unangenehm berührt. Ich hoffe, dass die von Pfarreileitung und Verwaltungsrat angestoßenen Maßnahmen, zunächst vor allem zu ungestörter Nachtruhe der Nachbarn führen.
Darüber hinaus sehe ich nicht, warum die verschiedenen Gruppen, die in St. Achatius beheimatet sind, nicht künftig friedlich miteinander auskommen sollten: Rücksichtnahme, Wohlwollen, noch besser gegenseitiges Kennenlernen können viele Konflikte entschärfen oder lassen sie erst gar nicht aufkommen.
Zugleich würde ich mir als Pfarreimitglied in ähnlichen Situationen wünschen, von der Pfarreileitung zeitnah eine Einordnung der medial kolportierten Anwürfe zu erhalten. Da muss es nicht gleich um Lösungen gehen, aber um die Botschaft: Wir sehen das Problem und bemühen uns um Lösungen. Insbesondere sollten offenkundig falsche oder extrem einseitige Nachrichten korrigiert werden. In der neuen Großpfarrei scheint mir dies besonders wichtig. Welche Medien dafür geeignet sind, müsste diskutiert werden: Newsletter/Homepage, Aushang, kurze Stellungnahme nach den Sonntagsgottesdiensten …
Nicola Back
Die Pfarreileitung erlaubt sich einen kurzen Kommentar zu diesem Artikel:
Nicht nur bei diesem Thema wird deutlich, dass wir Kommunikation und Informationsfluss innerhalb unserer Pfarrei weiter verbessern müssen. Mit dem neuen und unregelmäßig erscheinenden Informationsblatt clara.blick möchten wir dazu einen Beitrag leisten und über aktuelle Entwicklungen und Entscheidungen informieren. Auf diese Weise möchten wir insbesondere auch diejenigen erreichen, die unseren Newsletter nicht abonniert haben oder digitale Informationsangebote nur eingeschränkt nutzen. Wir wissen, dass gute Information und transparente Kommunikation eine wesentliche Voraussetzung für Vertrauen und Beteiligung sind. Deshalb arbeiten wir daran, unsere Informationswege weiter auszubauen und Rückmeldungen aus der Gemeinde frühzeitig aufzugreifen. Für Anregungen und konstruktive Kritik sind wir dankbar.