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Kapelle Maria Hilf

Maria-Hilf-Kapelle
Datum:
Di. 1. Sept. 2026
Von:
Dr. Rainer Metzendorf

Votiv-Kapelle

Als Zeichen der besonderen Marien- und Heiligenverehrung im 19. Jahrhundert errichteten der Kirchenvorsteher Andreas Kimpling und Kaplan Lenges als Privatleute am südlichen Ortseingang von Drais 1861 die „Maria-Hilf-Kapelle“, im Volksmund auch „Vierzehn-Nothelfer-Kapelle“ genannt. Der tonnengewölbte, mit Schiefer eingedeckte, schlichte Saalbau samt kleiner Empore an der Eingangsseite mutet sich wie eine Verkleinerung der Draiser Hauptkirche an. Das mit einer vergoldeten Marienstatue bekrönte Türmchen des spitzhelmigen Dachreiters liegt exakt im Schnittpunkt von zwei historisch bedeutsamen Wegen. Mit Hilfe des Finther Pfarrer Autsch wurde die Kapelle mit Kunstschätzen aus der Barockzeit ausgestattet. Dazu gehörten vor allem das eindrucksvolle Kreuz an der Außenwand und die farbige Figurengruppe der "Vierzehn Nothelfer". Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteler untersagte anfangs per Dekret die Durchführung von Gottesdiensten, da sich die Kapelle in Privatbesitz und nicht im Eigentum der Kirche befände. Erst fünf Jahre später konnte durch die Schenkung des Gebäudes samt Grundstück an die Kirchengemeinde von Drais die erforderliche Benediktion mit entsprechender Weihung durchgeführt werden.

Einst vom Abriss bedroht

Maria-Hilf-Kapelle um 1960

Im Laufe der Zeit geriet die Marien- und Heiligenverehrung mehr und mehr in Vergessenheit, was zur Vernachlässigung der baulichen Unterhaltung führte. In den 1960er Jahren war die Kapelle so verwahrlost, dass man vor Ort überlegte, sie wegen Einsturzgefahr abzureißen. Mit moralischer und finanzieller Unterstützung durch Kardinal Hermann Volk (1903-1988) erhielt das Gebäude 1976 eine Grundsanierung nach Plänen des Architekten Peter Ruhnau vom Diözesan-Bauamt. Vor der Renovierung hatte man bereits die Figuren der Vierzehn Nothelfer und das hölzerne Außenkreuz dem Dom und Diözesanmuseum in Mainz zu Sicherung und Wahrung übergeben. Nach einer aufwendigen Sanierung kehrten sie aus Sicherheitsgründen nicht an ihren alten Standort zurück, sondern wurden im Rahmen der 250-Jahresfeier 1987 in die Draiser Hauptkirche eingebaut. Ein originalgetreuer, wetterunabhängiger Abguss in Kunstharz vom Gekreuzigten hängt dank einer privaten Iniative seit 2008 wieder an der ursprünglichen Stelle.

Heute als Denkmal geschützt

Die sechs neuen Glasfenster, 1992 von privater Hand gespendet, sind Entwürfe von der isländischen Künstlerin Halla Haraldsdottir (1934-2023), einer ehemaligen Mitarbeiterin von Georg Meistermann. Die vier Fenster an den beiden Längsseiten stellen mit den Motiven "Maria Verkündigung", "Weihnachtsdarstellung", "Schmerzensmutter" und "Maria als Himmelskönigin" einen Zyklus aus dem Marienleben dar. Die beiden Rundfenster an den Giebelseiten sind ornamental gestaltete Scheiben mit den Themen "Lilie ohne gleichen" und "Rose ohne Dornen". Deutschlands älteste Glasmalerei-Werkstatt, Oidtmann in Linnich, hatte die Ausführung der Entwürfe und den Einbau der Fenster übernommen. Ein Jahr später, 1993, wurde die Maria-Hilf-Kapelle auch wegen ihres städtebaulichen Wertes unter Denkmalschutz gestellt, da sie den südlichen Ortseingang zum historischen Kernbereich deutlich markiert. Tagsüber geöffnet und abends durch ihre farbenfreudigen Fenster zum Erstrahlen gebracht, bietet die Kapelle einen atmosphärischen Ort für Gebet, Austausch und Spiritualität.