Kapelle Maria Königin im Caritas-Altenzentrum

Historische Kapelle
1898 erwarb Prälat Forschner das ehemalige Wohnhaus der Jesuiten in Drais und baute es in eine katholische Knabenerziehungsanstalt um. 1923 fiel das Erziehungsheim der Inflation zum Opfer und erhielt als Priesterheim sowohl für Geistliche im Ruhestand als auch als Auszubildende des Bischöflichen Seminars eine neue Nutzung. Im Zweiten Weltkrieg als Kriegsnotlazarett eingerichtet, danach Ersatz für das zerstörte Altersheim in der Mainzer Innenstadt, übernahmen 1965 die Monikaschwestern das wegen baulicher Unzulänglichkeiten ein Jahr zuvor geschlossene Altersheim und änderten es zum Pflegeheim "St. Martha". In den bis dahin wechselvollen Nutzungen war im Obergeschoss eine Hauskapelle, welche die gesamte Breite der Straßenfront einnahm. Beim Um- und Erweiterungsbau im Jahre 1977 wurde diese Hauskapelle vom 1. Obergeschoss an gleicher Stelle in das Erdgeschoss verlegt.
Neue Kapelle

1980 übernahm der Caritasverband die Trägerschaft für das Alten- und Pflegeheim und erweiterte die Anlage 1993 durch das Mainzer Architekturbüro Faust zu dem neuen Altenzentrum "Maria Königin". Dabei kam es zur Verlegung der Hauskapelle, die nun als eigenständiger Baukörper in die Verbindungszone vom Altbau zum Neubau eingegliedert ist. Der nahezu quadratische Zentralraum mit abgesetztem Altarbereich an der gen Osten gelegenen Gebäudeecke, einem Pyramidendach, mittiger Oberlichtlaterne und diagonaler Bestuhlung dient der Besinnung, Andacht und zu regelmäßigen Gottesdiensten

Die Figuren der Dreifaltigkeit, die zum historischen Altar gehörten,
befinden sich seitdem im Vorraum zwischen neuer Hauskapelle und Speisesaal.
Künstlerische Ausgestaltung

Die anmutende Atmosphäre der neuen Kapelle entsteht vor allem durch die neuen Glasfenster von Tobias Eder, dem Erstlingswerk des 1994 erst 28-jährigen und später überregional bekannten Künstlers, den der kulturell beschlagene Pfarrer Josef Beheim entdeckt hatte. Gleich einem Panorama umgeben die einzelnen farbig gestalteten, teils figürlichen, teils ornamentalen Bleiverglasungen die ganze Kirche. Besonders die raumhohen Einzelmotive "Elias in der Wüste" und "Moses vor dem brennenden Dornbusch" haben eine beeindruckende Ausstrahlung. Deutschlands älteste Glasmalerei-Werkstatt, Oidtmann in Linnich/NRW, die bereits zwei Jahre zuvor die Fenster in der Maria-Hilf-Kapelle angefertigt hatte, übernahm die Ausführung der Entwürfe und den Einbau der Fenster.

Von dem Bildhauer Leonhard Eder, Vater von Tobias Eder, stammen die plastisch reich geformten Einrichtungen Altar, Ambo, Tabernakelstele, Hängekreuz, Ewiglicht und Eingangstüre samt davor im Bodenbelag eingelassenen Irrgarten als Labyrinth mit nur einem Weg zum Ziel. Die außen angebrachte Glocke stammt aus dem Bestand im vormaligen Haupthaus.