Die Pastoralraumkonferenz hat daraufhin in ihrer Sitzung im Dezember auf Grundlage einer Beschlussvorlage der Projektgruppe „Gebäude“ das Immobilienkonzept beschlossen, das nunmehr zusammen mit den Kommentierungen der Gremien vom Bischof angenommen wurde. Das Konzept sieht nunmehr eine stärkere Differenzierung der Bezuschussungsmöglichkeiten vor und entlastet insofern in den abgestuften Kategorien die zukünftige Pfarrei von der Verpflichtung einer vollumfänglichen Rücklagenbildung, indem bestimmte Gewerke zukünftig nicht mehr vorgesehen sind. Das betrifft beispielsweise in der Kategorie 3 die dann nicht mehr mögliche Erneuerung der Heizung und der Elektrik.
Den Delegierten war dabei bewusst, dass damit auch erste Vorentscheidungen über die Zukunft der Kirchorte getroffen werden, auch wenn diese noch nicht unumkehrbar sind. Um die Belastung möglichst fair zu verteilen, wurde dabei versucht, die derzeitigen Pfarrkirchen vor den Filialkirchen zu stärken und auch die Pfarreienverbünde bzw. Pfarrgruppen möglichst gleichmäßig einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund wurden folgende Priorisierungen vorgenommen:
In der höchsten Kategorie 1 wurden die Heilig-Geist-Kirche in Friedberg und die Basilika in Ilbenstadt eingestuft. Die Pastoralraumkonferenz kam dabei dem Wunsch des Bistums entgegen, die zukünftige Pfarrkirche entsprechend hoch zu priorisieren. Die Basilika in Ilbenstadt dagegen profitiert vor dem Hintergrund ihrer historischen Bedeutung und ihres hohen Brandversicherungswertes (als Maßstab für eventuelle Sanierungskosten), von einer höheren Bezuschussung durch das Bistum, die wir jedenfalls durch eine geringere Kategorisierung nicht verfallen lassen wollten.
In der Kategorie 2 wurden vor allem die jetzigen Pfarrkirchen berücksichtigt, also Mariä Himmelfahrt in Friedberg, die Kirchen von Dorn-Assenheim, Florstadt (als Hauptkirche der Pfarrei Wickstadt), Ober-Wöllstadt, Rodheim, Ockstadt, Karben-Kloppenheim und Heldenbergen. Eine Ausnahme ist die Kirche in Rosbach, die in die Kategorie 3 eingestuft wurde, obwohl sie zurzeit Pfarrkirche ist. Hinter dieser Entscheidung steht die Überlegung, dass auch der Pfarreienverbund mit Ockstadt einen Beitrag zu den Einsparungszielen leisten möge. Eine Alternative wäre gewesen, die Friedberger Marienkirche stattdessen in die Kategorie 3 einzustufen und so Spielraum für Rosbach zu schaffen. (Immerhin hätte Friedberg dann ja noch die Heilig-Geist-Kirche als zukünftige Pfarrkirche in bester Kategorie.) Allerdings hätte das im Verhältnis zu allen anderen Pfarrkirchen zu einer Schlechterstellung der Pfarrkirche in der größten Gemeinde des Pastoralraums geführt. Einer Abwertung der Heilig-Geist-Kirche dagegen hätte das Bistum vor dem Hintergrund ihrer Funktion als Pfarrkirche in der neu zu gründenden Pfarrei nicht zugestimmt. Und schließlich darf in dieser Frage auch nicht vergessen werden, dass der Pastoralraum mit dem Verzicht auf St. Anna in Dorheim und dem Albert-Stohr-Haus als größtem Gemeindezentrum bereits einiges zumutet. So hat die Pastoralraumkonferenz nach einem intensiven Austausch der Beschlussvorlage der Projektgruppe „Gebäude“ zugestimmt und St. Michael Ober-Rosbach in der Kategorie 3 belassen.
Die größte Zumutung, zu der sich die Pastoralraumkonferenz durchgerungen hat, ist sicherlich der Verzicht auf St. Bonifatius in Klein-Karben. Dies gilt umso mehr, als dass wir uns ja bereits darauf verständigt hatten, dass dieses um einen Atriumhof gruppierte Bauensemble von Kirche, Pfarrheim, Verwaltungsräumen und Pfarrhaus ein guter Ort für die Errichtung eines zentralen Pfarrbüros gewesen wäre. Leider sprengt der Sanierungsaufwand unsere Möglichkeiten. Das Dach müsste genauso gemacht werden, wie die zumindest teilweise Erneuerung der Fenster und der Heizung. Das von uns beauftragte Architektengutachten geht von Kosten im siebenstelligen Bereich aus. Und selbst dann wird das Gebäude in seiner Großzügigkeit wohl immer energetisch kostspielig sein. Aus wirtschaftlicher Sicht zeigt sich die bauliche Geschlossenheit, die diesen Kirchort so attraktiv macht, nunmehr als Nachteil: St. Bonifatius lässt sich nur als Ganzes sanieren und kann entsprechend auch nur als Ganzes aufgegeben werden. In einer Krisensitzung mit den Gremienvertretern der Gemeinde wurde das Bedürfnis deutlich, dass die Liegenschaft – wenn sie denn nun aufgegeben werden muss – jedenfalls in seiner zukünftigen Nutzung noch Anknüpfungspunkte für ein kirchliches Leben auch in Karben bieten sollte. Im Rahmen einer projektbezogenen Ausschreibung müssen im weiteren Verlauf hier die Möglichkeiten ausgelotet werden.
Durch den Wegfall der Umnutzungsmöglichkeit von St. Bonifatius rückte nunmehr die Idee einer Anmietung von Räumen im Haus St. Gottfried in Ilbenstadt wieder neu in den Blick. Zwar scheint es zunächst paradox zu sein, zusätzliche Räume anzumieten und eigene Räume dafür aufzugeben. Allerdings hat die wirtschaftliche Betrachtung deutlich gemacht, dass vor dem Hintergrund eingesparter Umbau- und Erhaltungskosten eine Anmietung von fertigen Büroräumen die deutlich günstigere ist. Gleichzeitig ist sie auch die bequemere, weil ein Vermieter als Ansprechpartner für alle Reparatur und Pflegemaßnahmen zur Verfügung stünde (was auf ehrenamtlicher Ebene ja nicht ganz einfach ist). Darüber hinaus hätte diese Lösung aus meiner Sicht den Charme, als Pastoralraum zum einen in eindeutig kirchlich geprägten Gebäuden (Kloster) beheimatet zu sein und zum anderen in einer engen Kooperation mit der Kommune Niddatal als politischer Partnerin zu stehen – mit allen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. In den öffentlichen Räumen des Kreuzgangs, der Säle aber auch der Kantine könnte jedenfalls immer wieder Begegnung stattfinden. Viele Gedanken hat sich die Pastoralraumkonferenz über die Frage der zukünftigen Erreichbarkeit gemacht. Gerade die Situation des öffentlichen Nahverkehrs ist hier nicht ganz unproblematisch. Vor diesem Hintergrund sollen weiterhin vor Ort Kontaktstellen niedrigschwellige Begegnung ermöglichen. In welchem Umfang das erforderlich sein wird, wird sich zeigen. Bereits heute sind ja schon viele von uns ohnehin auf das Auto angewiesen, wenn sie das nächste Pfarrbüro erreichen wollen. So ist neben der räumlichen Nähe sicherlich auch das Angebot von Parkmöglichkeiten ein wichtiges Kriterium der Erreichbarkeit. Hier zumindest hat Ilbenstadt echte Vorteile. Nach dem Willen der Pastoralraumkonferenz wird damit Ilbenstadt zum Ort eines gemeinsamen zentralen Pfarrbüros für die Region des jetzigen Pastoralraums.
In die Kategorie 3 werden neben der Pfarrkirche in Rosbach die Filialkirchen in Petterweil, Büdesheim, Nieder-Wöllstadt, sowie die beiden Kirchen in Wickstadt und Maria Sternbach eingruppiert. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass diese Kirchorte geschlossen werden sollen – insbesondere, weil auch hier nach wie vor ein lebendiges Gemeindeleben Heimat hat. Die Investitionsmöglichkeiten der neuen Pfarrei und des Bistums werden aber eingeschränkter sein. So ist diese Kategorisierung sicherlich auch als Ermutigung zu sehen, bereits jetzt nach Kooperationsmöglichkeiten zu schauen, die auch auf lange Sicht ein Gemeindeleben vor Ort ermöglichen – und viele von Ihnen sind da ja bereits in einem guten Austausch.
Liebe Schwestern und Brüder, mit diesem Schreiben möchte ich Sie nicht nur über das Ergebnis unseres Gebäudekonzepts informieren. Mindestens genauso wichtig ist es mir, Ihnen die groben Argumentationslinien aufzuzeigen, warum wir unsere Entscheidungen getroffen haben. Mir ist bewusst, dass nicht alle Begründungen jeden überzeugen werden und dass man im Gegenteil mit entsprechender Argumentation auch zu ganz anderen Lösungen kommen könnte. Wie bei allen Dingen, die kompliziert sind, gibt es auch hier nicht nur „richtig“ oder „falsch“, sondern vertretbare Lösungen und solche, die vielleicht weniger vertretbar sind. Ich hoffe sehr, dass dieses Gebäudekonzept für Sie alle vertretbar ist. Bleiben wir achtsam für diejenigen, die die härtesten Einschnitte zu tragen haben in Klein-Karben, Okarben, Assenheim und Dorheim. Selbstverständlich sind wir auch weiterhin offen für Ihre Anregungen oder Bedenken. Sprechen Sie uns auch gerne an, wenn wir im Rahmen z.B. einer Gemeindeversammlung zur Klärung bei Missverständnissen oder einfach nur zur Kommunikation beitragen können. Denn das ist das Wichtigste: Dass wir miteinander im Gespräch bleiben – und so den Weg gemeinsam gehen in eine Pfarrgemeinde, die niemanden aus dem Blick verliert.
Wir als Pastoralraumleitung freuen uns jedenfalls sehr darauf. Bleiben wir einander verbunden.
Herzlich Ihr Pfarrer
Kai Hüsemann