Schmuckband Kreuzgang

16. Sonntag im Jahreskreis

Wolken (c) Kerstin Rehberg-Schroth
Wolken
Sa 18. Jul 2020
Dr. Kerstin Rehberg-Schroth

Kurzimpuls zum Lesungstext vom 16. Sonntag im Jahreskreis: 19. Juli 2020

16. Sonntag im Jahreskreis: Gedanken zur zweiten Lesung des Tages

Kurzimpuls zur Zweiten Lesung:

Römerbrief 8,26-27

Schwestern und Brüder, 26 der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. 27 Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Denn er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

Viele Jahre ist es her. Ich lebte zum Studium für zwei Semester in Jerusalem – in der Benediktinerabtei der Dormitio-Abtei. Dort erlebte ich die für mich eindrücklichste Predigt, vielleicht oder ganz sicher die eindrücklichste Predigt, die ich je in meinem Leben gehört habe, jedenfalls die, die mir in ihrem Wortlaut noch am genauesten in Erinnerung ist. Denn sie bestand … aus SCHWEIGEN. Wir hatten dort im Land und auch im Kloster gerade eine ziemlich große Krise: Terroranschläge, Krankheiten. Zu viel, um Worte zu finden – so sagte der, der predigte. Das Schweigen sagte mehr als 1000 Worte. Ja, es ist wie, Paulus schreibt: Wir wissen – manchmal oder oft – nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen. Aber der Geist tritt für uns ein – mit Seufzen, das sich nicht in Worte fassen lässt. Gott kennt unsere Herzen, er kennt unsere Gefühle, er versteht unsere Freude, aber vor allem auch unser Seufzen. Er versteht und hört unser Schweigen. Er hat unsere Herzen erforscht und kennt uns. Er tritt für uns ein. Auch heute.

Kerstin Rehberg-Schroth