Corona Update

Jünger-Fischer (c) PG Breuberg-Höchst
Jünger-Fischer
Mo 27. Apr 2020
Alexander Kiefer

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

die Krise dauert an, was sich seit Anfang der Woche noch einmal anders darstellt: wir alle tragen nun Masken, um die anderen und uns selbst zu schützen.

Was dabei auffällt ist, dass wir unseren Nächsten anders wahrnehmen – der Blick ins Gesicht bleibt uns verborgen – wichtiger als zuvor sind die AUGEN. Wenn wir unser Gegenüber wahrnehmen, sehen wir jetzt viel bewusster die AUGEN. Und diese sind es, über die wir nun Kontakt zum Nächsten aufnehmen: verständnisvolle Augen, traurige und verunsicherte Augen, lächelnde Augen usw.

Die Augen sagen uns viel über den Zustand einer Person. In den Geschichten, die wir in der Zeit nach Ostern hören, steht ebenfalls die Wahrnehmung über das Auge im Vordergrund. Ein häufiger Satz in diesen Lesungen ist: „Und sie erkannten ihn nicht.“ Die Jünger lebten damals auch in einer Zeit der großen Unsicherheit und Verunsicherung. Ihre Leitfigur war weggebrochen, sie waren auf sich gestellt und hatten nur einander. In Erwartung auf das kommende Himmelreich lebten sie in einer Art Endzeiterwartung, die jedoch nicht anbrach.

Ähnlich verhält es sich auch in unserer Zeit: Vieles ist anders, es befremdet oder verunsichert. Den Halt, den wir suchen, wo können wir ihn bekommen? Die Familienkontakte sind eingeschränkt und allmählich führt dies zu einer gewissen Unzufriedenheit und Intoleranz.

Kehren wir zu den Jüngern zurück: Einige von ihnen waren Fischer. Sie fuhren auf den See, um zu fischen, doch kehrten ohne Fang heim. Jesus, der am Ufer stand, riet ihnen, es erneut zu versuchen und dieses Mal auf einem anderen Weg. Er sagte ihnen, sie sollten das Netz auf der anderen Seite auswerfen. Sie taten wie ihnen geheißen und ihr Fang war so groß, dass das Netz zu reißen drohte. (Lk 5,1-11)

Das Bild des wundersamen Fischzugs der Jünger und Offenbarung Christi am See Genezareth stammt aus dem Codex Egberti des 10. Jahrhunderts.

Jesus war derjenige, der ihnen riet, das Problem von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Sie taten dies und hatten Erfolg.

Vielleicht sollten wir auch heute darauf vertrauen, dass Jesus am Weg steht und uns beistehen will, wenn wir dies zulassen und ihn darum bitten.

Als guter Hirte ist er bemüht uns beizustehen. Wir können auf ihn bauen, auch in heutiger Zeit und beten:

Gütiger Gott, wir danken dir für Jesus Christus, deinen Sohn,

der uns wie ein guter Hirte auf unseren Wegen begleitet.

Wir bitten dich: Bleibe bei uns, führe uns sicher durch alle Gefahren und hilf uns, auf dem Weg zu bleiben, den du für uns bestimmt hast,

durch Jesus Christus, unseren Bruder und Freund.

Amen.