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Predigt zum Nachdenken

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Datum:
Fr. 31. Juli 2026

PFARREI - Ist unsere neue Pfarrei Alfred Delp, Südliches Ried schon Heimat geworden oder hängen wir gedanklich noch im „Damals“ fest? Zwischen dem Abschied von Vertrautem und dem Entdecken neuer Schätze lädt diese Predigt von Pfarrer Christian Rauch dazu ein, mit Salomos Bitte um ein „hörendes Herz“ neu hinzusehen. Wir dürfen Altes bewahren und zugleich mutig das Neue entdecken, das Gott heute mitten unter uns wachsen lässt.

Predigt zum Nachdenken über die neugegründete Pfarrei

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich heute nur einen Satz aus den Lesungen mitnehmen dürfte, dann wäre es die Bitte Salomos: „Herr, gib deinem Knecht ein hörendes Herz."

Nicht ein kluges Herz.
Nicht ein erfolgreiches Herz.
Nicht ein Herz, das alles besser weiß.

Ein hörendes Herz.

Denn nur ein hörendes Herz kann entdecken, wo Gott heute handelt. 

Jesus erzählt im Evangelium von einem Mann, der einen Schatz im Acker findet. Ein anderer entdeckt eine kostbare Perle. Beide erkennen: Das ist so wertvoll, dass ich alles andere loslassen kann. Und genau da möchte ich heute einmal ganz bewusst unsere junge Pfarrei Alfred Delp in den Blick nehmen. Ich frage mich – und ich frage Sie:

Ist unsere neue Pfarrei für Sie inzwischen Heimat geworden? Oder leben wir innerlich noch immer in unseren früheren Pfarreien?
Sind wir mit dem Herzen schon angekommen? Oder vergleichen wir immer noch alles mit früher?

„Damals war alles besser."
„Damals war die Kirche noch Kirche."
„Damals wusste jeder, wo er hingehört."

Ich glaube, wenn wir ehrlich sind, tragen viele von uns solche Gedanken mit sich herum. Und wissen Sie was? Ich finde das verständlich. Veränderungen tun weh. Wenn etwas, das uns jahrzehntelang getragen hat, plötzlich nicht mehr so ist wie früher, dann schmerzt das.

Viele von uns haben in einer Kirche Heimat gefunden, die überschaubar war, die andere Möglichkeiten hatte, mehr Personal, mehr Ehrenamtliche, mehr Selbstverständlichkeiten.

Diese Kirche gibt es so nicht mehr. Das schmerzt. Und diesen Schmerz darf man auch aussprechen.

Aber zugleich müssen wir uns einer Wahrheit stellen: Gott führt seine Kirche weiter.

Vielleicht sogar anders, als wir es uns ausgesucht hätten. Manchmal sage ich etwas zugespitzt: Gott hat der Kirche, in der viele von uns aufgewachsen sind, in unserem Land die Betriebserlaubnis entzogen.

Nicht weil sie schlecht war. Sondern weil sich die Welt verändert hat. Gott kündigt seiner Kirche nicht. Er erneuert ihre Sendung.

Und nun gibt Gott seiner Kirche einen neuen Auftrag. Einen Auftrag, den Jesus heute selbst beschreibt.

„Jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreiches geworden ist, gleicht einem Hausvater, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt."

Nicht nur das Alte. Nicht nur das Neue. Beides. Das ist unser Auftrag.

Deshalb frage ich weiter: Ist unsere Pfarrei Alfred Delp inzwischen ein Ort geworden, an dem Menschen ein hörendes Herz bekommen können? Ein Ort, an dem Menschen ihren Schatz im Acker entdecken? Ein Ort, an dem jemand, der auf der Suche nach der kostbaren Perle seines Lebens ist, sie auch finden kann?

Wenn ich auf unsere Pfarrei schaue, sehe ich vieles, was Hoffnung macht.

Ich sehe Menschen, die miteinander beten.
Ich sehe die Caritas, die Menschen an einen Tisch bringt und Gemeinschaft stiftet.
Ich sehe Vorträge der Erwachsenenbildung, die den Glauben vertiefen wollen.
Ich sehe Seniorennachmittage und -wallfahrten.
Ich sehe Angebote für Kinder und Familien. Allein in diesen Sommerferien fanden drei Zeltlager und eine Familienfreizeit statt.
Ich sehe unsere indischen Schwestern, die aufopferungsvoll den Kranken und Pflegebedürftigen Menschen beistehen.
Ich sehe Chöre, Gruppen, Begegnungen, Glaubensgespräche.
Ich sehe viele Menschen, die sich mit großem Herzen engagieren.
Ich sehe die eucharistische Anbetung und die Eucharistiefeier mit Austeilung der Kommunion in Brots- und Weingestalten.

All das sind keine Programmpunkte. Das sind Möglichkeiten, Gott zu begegnen.

Und trotzdem frage ich: Sehen wir diesen Schatz überhaupt? Oder sind wir innerlich noch so sehr mit dem beschäftigt, was wir verloren haben, dass wir das Neue gar nicht wahrnehmen können?

Denn wer ständig zurückschaut, übersieht leicht das Geschenk, das vor ihm liegt. Der Schatz liegt nämlich nicht im vergangenen Acker. Er liegt in dem Acker, auf dem wir heute stehen.

Und genau darin liegt die Herausforderung. Nicht alles Neue ist automatisch gut. Aber auch nicht alles Alte war automatisch besser.

Salomo bittet deshalb nicht um fertige Antworten. Er bittet um ein hörendes Herz. Vielleicht ist das heute auch unser Gebet.

Herr,
hilf uns, nicht ständig nur zurückzuschauen.
Hilf uns, dankbar zu bewahren, was uns geprägt hat.
Aber gib uns zugleich den Mut, den Schatz zu entdecken, den du heute mitten unter uns vergraben hast.
Denn ich bin überzeugt:
Wenn unsere Pfarrei Alfred Delp einmal wirklich Heimat werden soll, dann nicht deshalb, weil sie genauso ist wie früher.
Sondern weil Menschen hier Christus begegnen.
Weil sie hier Trost finden.
Weil sie hier Glauben lernen.
Weil sie hier Gemeinschaft erfahren.
Weil sie hier entdecken:
Hier hat Gott für mich einen Schatz verborgen.
Bitten wir deshalb heute mit Salomo:
Herr, gib uns ein hörendes Herz.
Dann werden wir auch erkennen, welche kostbare Perle Gott uns längst geschenkt hat.

Amen.