Specht, Heike (Verfasser): Die Frau der Stunde : Roman. – 1. Auflage. – München: Droemer
2025. – 352 Seiten. – 978-3-426-56513-1. – Festeinband : EUR 22.00
Inhalt:
Wir befinden uns im geteilten Deutschland der ausgehenden 1970er Jahre. Catharina Cornelius hat sich in Bonn als liberale Politikerin einen Namen gemacht. Als der amtierende Außenminister in der sozial-liberalen Koalition wegen einer Affäre seinen Hut nehmen muss, schlägt er Catharina als seine Nachfolgerin vor. So wird sie völlig überraschend zur ersten weiblichen Außenministerin und Vizekanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Eine große Überforderung für die konservative, vor allem männlich geprägte Politikerwelt, gegen die sie sich permanent durchsetzen muss.
Zur Hilfe stehen ihr ihre Freundinnen, die belgische Journalistin Suzanne und die iranische Filmemacherin Azadeh. Seit ihrer Jugend im Schweizer Internat helfen sie sich gegenseitig, denn ohne ihre weibliche Seilschaft, zu der noch mehr Frauen gehören, hat Catharina keine Chance auf dem politischen Parkett zu bestehen.
Gerade Azadehs Handlungsstrang, der mitten in die iranische Revolution führt, gehört zu den eindrucksvollsten Teilen des Romans und ist thematisch höchst aktuell….
Auch tatsächliche Entwicklungen der Zeit sind im Plot miteinbezogen. Die Umweltschutzbewegung, die sich später in der Partei der Grünen politisch formierte, spielt ebenso eine Rolle wie auch die alten Seilschaften der Nazis, die gerne wieder mehr Einfluss ausgeübt hätten.
Fazit:
Ein gut recherchiertes und spannendes Buch über politische Macht und Geschlechterrollen – erschreckend, wie wenig sich bis heute geändert hat.
Brigitta Jahn, Fachstelle für kath. Büchereiarbeit