Schmuckband Kreuzgang

Monika Helfer: Vati

Auf-gelesen - Literarische Fundstücke (106)

Monika Helfer: Vati (c) Carl Hanser Verlag
Monika Helfer: Vati
Datum:
Fr. 14. Jan. 2022
Von:
Marcel Schneider (Red.)

Helfer, Monika (Verfasser): Vati : Roman / Monika Helfer. - 1. Auflage. - München : Carl Hanser Verlag, 2021. - 172 Seiten. - ISBN 978-3-446-26917-0. - Festeinband : EUR 20,00.

Der Vater ist Kriegsheimkehrer und leitet Anfang der 1950er Jahre ein Kriegsopfererholungsheim 1220 Meter über dem Meeresspiegel in Vorarlberg. Er ist selbst ein Opfer des Krieges, er hat ein Bein verloren und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Seine Mutter war Magd, er das uneheliche Kind eines Bauern. Sie sind arm. Josef ist klug und schafft es durch Fleiß aufs Internat. Doch kurz vorm Abitur wird er eingezogen und nach Russland geschickt. Später im Lazarett lernt er seine spätere Frau kennen. Margarete pflegt ihn und verliebt sich, Josef sagt ja, als sie ihm einen Heiratsantrag macht. Sie werden glücklich miteinander und vier Kinder werden geboren: Gretel, Monika, Richard und Renate. "Wir lebten im Paradies", sagt Monika, "mit Wäldern und Blumenwiesen, umsorgt von Eltern, Tante und Personal."

Monika ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Den Vater wirft es völlig aus der Bahn, die Kinder werden zu Verwandten gegeben, die Familie für eine lange Zeit getrennt.

Monika Helfer hat die Liebe zu Büchern und Literatur von ihrem Vater. Sie ist noch ein Kind als er sie fragt, was sie sich vom Leben wünscht. „Ich wünsche mir das einmal mein Name auf einem Buchrücken steht“, antwortet sie.

„Vati“ ist ein sehr persönliches, ein ganz besonderes Buch geworden, ein liebevolles Andenken, zusammengetragen aus Erinnerungen an den Vater, ihren eigenen, die der Geschwister und Familienangehörigen. Alle kommen zu Wort, die ganze große Familie. Das zeigt viele Facetten eines charismatischen Mannes und man schaut aus vielen verschiedenen Blickwinkeln auf dieses ungewöhnliche Leben. Fakten und Anekdoten fügen sich ganz selbstverständlich zusammen, ohne Stocken, ohne Unterbrechung.

Der Erzählfaden ist nicht chronologisch und vieles aus der Vergangenheit des Vaters reicht bis in die Gegenwart der erwachsenen Kinder. Es fließen nicht nur die Gedanken, sondern auch die Zeiten vor und zurück, fast nahtlos ineinander. Eine große Leichtigkeit und Lebendigkeit hat dieses Erzählen, es lässt viel Raum - für besondere Details, leise Zwischentöne und große Gefühle und es nimmt diesem eindringlichen Familienportrait die Schwere und Traurigkeit.

Ich freue mich sehr darauf, noch mehr von ihr zu lesen und Ihnen verspreche ich ein ganz besonderes Leseerlebnis mit „Vati“. Denn diese Geschichte ist einzigartig und es war eine große Freude, sie zu lesen.

Theresia Pistorius, Literatur-AG der Bücherei am Dom Mainz

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