Happy Birthday FSJ

60 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr im Bistum Mainz

7 Stimmen zum FSJ.001 (c) Freiwilligendienste Bistum Mainz
7 Stimmen zum FSJ.001
Datum:
Mo. 27. Sep. 2021
Von:
Freiwilligendienste Bistum Mainz

Vor 60 Jahren sind die ersten Vorläufer des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Deutschland entstanden. Martin Jobst, Leiter des Referates Freiwilligendienste im Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ) und Bischöflichen Jugendamt (BJA) berichtet im Interview über die Geschichte der Freiwilligendienste und ihre Bedeutung im Bistum. 

Interview mit Martin Jobst zum Jubiläum „60 Jahre FSJ im Bistum Mainz“

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Mainzer Bistumsnachrichten (MBN): Auch in diesem Sommer sind wieder viele junge Menschen im FSJ gestartet. Wie viele Teilnehmer*innen werden vom BDKJ betreut und wie sieht die momentane Situation aus?

Martin Jobst: Aktuell werden ca. 270 Freiwillige über uns als FSJ Träger in unterschiedlichen Einsatzstellen eingesetzt und pädagogisch begleitet. Coronabedingt gab es wie auch schon im letzten Jahr viele Bewerbungen,- unter anderem auch deshalb, weil etliche keinen Ausbildungsplatz bekamen, nicht ins Ausland konnten oder die unter solchen Bedingungen kein Studium beginnen wollten.

Die Pandemie ist natürlich eine Herausforderung, die wir bisher gut digital bewältigt haben, aber wir hoffen, dass es bald wieder präsente Seminarformen und Kontakte zu den Einsatzstellen geben wird.

 

MBN: Sie begleiten junge Menschen seit vielen Jahren in ihrem Freiwilligendienst. Welchen Stellenwert haben diese Dienste heute für die Entwicklung der Lebenswege junger Menschen?

Jobst: Im Laufe der Jahre hat sich einiges verändert und das FSJ ist mittlerweile bei jungen Menschen bekannt und hat sich etabliert. Während früher noch manche (Eltern) das FSJ als „verlorenes Jahr“ gesehen haben, so erfahren junge Menschen heute meist viel Unterstützung bei der Entscheidung für ein FSJ. Viele Jahre galt für die allermeisten Freiwilligen die Formel „weiblich – Abi – FSJ - soziale Arbeit studieren“. Das hat sich ziemlich gewandelt. Die FSJ Gruppen sind „bunter“ geworden, aber auch betreuungsintensiver, weil die Zahl der Freiwilligen mit psychischen Belastungen stark zugenommen hat. Im FSJ finden die Freiwilligen persönliche und berufliche Orientierung und sie erwerben soziale Kompetenzen (Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit…), die bei Bewerbungen - auch für nichtsoziale Berufe und Studiengänge - förderlich sind.

Das FSJ bringt zahlreiche Vorteile (Wartezeitanrechnung, praktischer Teil der Fachhochschulreife, Nachweis Sozialversicherung etc.) und viele nutzen das Jahr als Auszeit nach der Schule und zur sinnvollen Gestaltung der Übergangsphase in eine Ausbildung oder ins Studium.

 

MBN: Wie hat sich das FSJ denn im Bistum in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt und welche Angebote betreuen Sie heute im Referat Freiwilligendienste?

Jobst: In den ersten Jahren gab es nur wenige Freiwillige (anfangs nur junge Frauen). Sie waren vorher nicht, -wie die allermeisten heutzutage-, in der Schule, sondern sie stiegen für ein Jahr aus ihrem Beruf aus („Ein Jahr für Gott – ein Jahr für die Kirche“). Zu diesem „aufopfernden Aspekt“ kam im Lauf der Zeit auch die legitime Haltung, selbst etwas von diesem Jahr zu haben („gut für mich – hilfreich für andere!“).

Als verantwortlicher Träger mussten/müssen wir oft dafür sorgen, dass das FSJ als Orientierungsjahr seinen „Eigenwert“ hat und die jungen Menschen nicht als „billige Arbeitskräfte“ missbraucht werden um etwas gegen den Personalnotstand, - vor allem im Pflegebereich - zu tun. Auch mussten/müssen wir immer wieder deutlich machen, dass möglichst vielen jungen Menschen ein FSJ ermöglicht werden sollte,  wir aber die Einführung eines sozialen Pflichtjahres für alle grundsätzlich ablehnen.

Um den vielfältigen Bedarfen gerecht zu werden, haben wir das FSJ flexibilisiert. So gibt es zum Beispiel zwei Gruppen für unter 18-Jährige oder eine „Flexigruppe“ mit unterschiedlichen Startzeiten beziehungsweise unterschiedlicher Dauer. Momentan werden die FSJler*innen in zehn Gruppen mit jeweils einem pädagogischen Team begleitet. Zukünftig möchten wir verstärkt den „inklusiven Charakter“ des FSJ betonen, damit noch mehr junge Menschen mit einer Beeinträchtigung dieses Freiwilligendienstformat zur persönlichen Reifung nutzen können.


Insgesamt haben in all den Jahren knapp 6.000 junge Menschen ein FSJ gemacht. Dabei sind viele mit Kirche „in Berührung“ gekommen - so manche sind später beruflich wieder bei Kirche/Caritas gelandet. Im FSJ liegt somit auch eine „pastorale Chance“ in der junge Menschen katholische Kirche neu oder anders erleben können. In den 60 Jahren hat sich das FSJ zu einem Erfolgsmodell entwickelt und wir haben allen Grund zu feiern - auch wenn es coronabedingt keine große Geburtstagsparty geben wird.

Hinweis: Referat Freiwilligendienste, Am Fort Gonsenheim 54, 55122 Mainz, Telefon: 06131/253639, E-Mail: fsj@bistum-mainz.de, Internet: www.freiwilligendienste-bdkj.de  

Kurzer Rückblick auf die Entstehung des FSJ

Ziemlich bescheiden hat es 1961 angefangen, als 15 Freiwillige dem Aufruf des damaligen Mainzer Bischofs Stohr folgten und ein Jahr „Dienst am Nächsten“ geleistet haben.

Es waren junge Frauen, die schon im Beruf standen und eine Zeit ihres Lebens („Ein Jahr für Gott - ein Jahr für die Kirche“) in den Dienst der Gemeinschaft stellten.

1964 gab es die erste gesetzliche Regelung zum FSJ. Eine pädagogische Begleitung des Trägers wurde verbindlich vorgeschrieben und der Charakter des FSJ als Lern- und Orientierungsjahr betont.

60 Jahre FSJ im Bistum Mainz (c) Freiwilligendienste Bistum Mainz

60 Jahre FSJ im Bistum Mainz

23. Sep. 2021

60 Jahre FSJ im BDKJ Mainz! Ein Grund zu feiern!

Was für sie schön an ihrem Einsatzjahr war, fassen sechs ehemalige FSJ´ler:innen im Video zusammen. Klar ist für sie, dass es ein absolut lohnendes Jahr war.